Baugrube Stadtbahnhof Rorschach: Hoch komplexer Tiefbau
Beim Stadtbahnhof in Rorschach SG entsteht in den nächsten Jahren ein neuer Stadtteil. Den Anfang macht eine Überbauung direkt neben den Gleisen: Die Erstellung der nötigen Baugrube ist dabei hoch komplex – wegen der extrem engen Platzverhältnisse und zahlreichen Sicherheitsmassnahmen.
Quelle: HASTAG Bau AG, St. Gallen
Auf dem Drohnenbild lässt sich die Komplexität der innerstädtischen Baugrube zwischen Gebäuden und Gleisen erahnen.
Rorschach wächst: Erstmals seit 50 Jahren wurde 2024 die Marke von 10 000 Einwohnern überschritten, womit man wieder offiziell als Stadt gilt. Ein Hotspot der Entwicklung ist das Gebiet südlich des Stadtbahnhofs, der bis 2021 neu gebaut worden ist: Hier wird in mehreren Bauprojekten ein neuer Stadtteil entstehen. Den Anfang macht die Überbauung Stadtbahnhof Süd: Es entstehen ein viergeschossiger Längsbau und ein neunstöckiger, 30 Meter hoher Hochbau, mit 44 Wohnungen, 13 möblierten Studios und 1145 Quadratmetern Gewerbefläche. Dazu eine Tiefgarage mit 77 Plätzen. Der Bezug des Neubaus ist für Herbst 2028 vorgesehen.
Langer Atem nötig
Am Anfang war aber ein langer Atem nötig, wie Patrick Thoma von der Bauherrin Selectivbau AG erzählt: «Die erste Studie haben wir im August 2017 erstellt und 2019 den Kaufvertrag abgeschlossen.» Da man aber in einer Schwerpunktzone plante, musste ein Sondernutzungsplan erarbeitet werden. Danach verzögerte Einsprachen die Weiterführung, bis schliesslich 2025 die Baubewilligung vorlag. Doch diese achteinhalb Jahre Geduld brachte die Bauherrschaft für dieses rund 32 Millionen Franken kostende Vorzeigeprojekt gerne auf. Patrick Thoma: «Spannend am Projekt ist unter anderem der Umstand, dass wir auf einem nur 2170 Quadratmeter kleinen Grundstück ein Bauvolumen von über 40 000 Kubikmetern realisieren. Wir schaffen also eine innere Verdichtung.»
Quelle: HASTAG Bau AG, St. Gallen
Die Erstellung der Baugrube musste aus logistischen Gründen zudem in Etappen erfolgen.
Fünf Meter bis zu den Gleisen
Bevor aber der Hochbau auf dem Gelände beginnen kann, muss eine äusserst komplexe Baugrube erstellt werden. Verantwortlich für den Tief- und Spezialtiefbau ist dabei die Hastag St. Gallen Bau AG. Spartentleiter Simon Krüse erklärt: «Zuerst musste ein aufwändiges Schutzgerüst erstellt werden, da wir teilweise nur rund fünf Meter von den SBB-Gleisen entfernt arbeiten. Wobei die Strecke immer unter Betrieb ist und die Züge hier bis 125 km/h fahren. «Allein dieser vorgeschriebene Gleisschutz machte ein sechs Monate dauerndes Bewilligungsverfahren nötig, inklusive einem Gutachten über den ausreichenden Schutz vor nichtionisierender Strahlung.» Wegen der Gleisnähe muss die Baustelle zudem geodätisch kontrolliert werden: Die beiden SBB-Gleise, das Schutzgerüst, die Baugrube und die Fahrleitungsmasten werden auf einer Länge von 125 Metern mit 104 Messpunkten der Terradata AG überwacht, mit Messungen alle zwei Stunden.
Nach der Montage des Schutzgerüsts begannen die Arbeiten an der Baugrube selbst, die in mehrere Etappen erfolgt. Krüse: «Diverse Gewerke müssen im Bauablauf koordiniert werden: Erst kamen die Bohrungen für die Rühlwand, die teilweise als Aufnahme für das Schutzgerüst dienen und die Baugrube sichern. In das ganze System mussten wir auch die Erdsonden für die spätere Heizung reinpacken. Des weitern sind Grossbohrungen für die Fundationspfähle angefallen sowie Ankerbohrungen für die Sicherung der Rühlwand. Und dazu kamen noch Bohrungen für eine Grundwasserabsenkung.» Wobei trotz all dieser komplexen Aufgaben nur jeweils fünf bis sechs Arbeiter auf der Baustelle sind. Diese Arbeiten werden durch Bauführer Tobias Keller und Polier Marco Nobel gekonnt umgesetzt.
Quelle: HASTAG Bau AG, St. Gallen
Als erstes Element musste ein Schutzgerüst erstellt werden, das die Grube vor den nur fünf Meter entfernten SBB-Gleisen schützt, und umgekehrt.
Rühlwand als zentrales Element
Zentrales Element der Baugrubensicherung selbst ist die umlaufende Rühlwand, für die zahlreiche Träger in den Untergrund gebohrt werden mussten. Simon Krüse: «Die Rühlwand wird auf den einzelnen Abschnitten ein- bis zweifach abgespriesst oder rückverankert, wobei die Aussteifungen in verschiedenen Höhen vorgenommen werden müssen.» Total wurden mehr als 122 Tonnen Stahl verbaut. Die Koordination der Fachplaner im Vorfeld bezeichnet er als knifflige Aufgabe. «Sobald die Arbeiten aber begonnen haben, läuft die Baustelle wie ein Uhrwerk.»
Als Herausforderung sieht auch Projektleiter Patrick Sturzenegger von der BAUKLA AG die örtlichen Gegebenheiten: «Wir bauen hier innerstädtisch und auf einer sehr engen Parzelle. Es gibt kaum Installationsflächen, weshalb wir diese präzise Etappierung aller Arbeiten brauchen.» So wurde schon die Sanierung der Werkleitungen in einzelne Schritte aufgeteilt, damit daneben die Rühlwand vorbereitet werden konnte. Auch die folgenden Aushubarbeiten erfolgte schrittweise und auf die Baugrubensicherung abgestimmt.
Quelle: HASTAG Bau AG, St. Gallen
Die Strecke bleibt während der Arbeiten in Betrieb, wobei die Züge hier mit bis 125 km/h durchrauschen.
Stufenweises Vorgehen
Ende Oktober 2026 sollte nach Plan der Baumeister die Bodenplatte giessen und den Turmdrehkran für die Hochbauarbeiten installieren können. Danach gehen die Arbeiten an der Baugrube aber noch weiter: «Wenn der Kran steht, werden die zwei Untergeschosse im vorderen Bereich ausgehoben, die man fürs erste aussparen mussten. Am liebsten hätten wir natürlich von Anfang an alles rausgenommen, dass der Baumeister ein freies Baufeld vorgefunden hätte. Doch das war logistisch nicht möglich und zwang uns zu diesem stufenweisen Vorgehen.»
Mit der Fertigstellung der Baugrube wird auch die Aufgabe für die Hastag St. Gallen Bau AG abgeschlossen sein. Spartenleiter Simon Krüse unterstreicht abschliessend, wie wichtig solche Projekte für das Unternehmen sind: «Solche Aufgaben sind herausfordernd, aber bringen uns als Fachleute weiter. Es ist auch für unseren Polier und sein Team auf der Baustelle spannend, solche komplexen Konstruktionen herzustellen. Wir sind deshalb für solche Jobs auch dankbar.»
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Hastag St. Gallen Bau AG.
Beteiligte Firmen
Bauherrschaft
Selectivbau AG
Projektentwicklung
Thoma Immobilien Treuhand AG & Bereuter Architekturbüro AG
Projektmanagement/Bauleitung
BAUKLA AG, St. Gallen
Ingenieur
Wälli AG, St. Gallen
Hauptverantwortlicher Tiefbauunternehmer
HASTAG Bau AG, St. Gallen
Projektpartner Tiefbauunternehmer
Meier Jäggi AG, Zofingen
Baumeister
älli AG
Baugrube
- Stahlträger (Rühlwand und Spriessung): circa 400 Tonnen
- Bohrungen Rühlwand: 1700 Meter
- Schutzgerüst: 1000 Quadratmeter
- Schalung für Ausfachung: 2200 QM
- Beton für Ausfachung: 600 Kubikmeter Bohrungen
- Anker: 600 Meter
- Zement: 20 000 kg
- Erdsonden: 3300 Meter
- Aushubmaterial: 20 000 Kubikmeter
- Magerbetonsohle: 2500 Quadratmeter