App-Tipps: Tools für die Planung im Umgang mit dem Klimawandel
Mit dem Klimawandel werden Wälder und Gewässer als Ressourcen unzuverlässiger. Von einem Forschungsteam unter Leitung der WSL entwickelte Webapps können helfen, damit verbundene Risiken besser einzuschätzen und die Planung anzupassen.
Quelle: showyourstribes.info / Ed Hawkins, University of Reading CC BY 4.0
Die Temperaturen sind in der Schweiz in den letzten Jahren stark angestiegen, das zeigt obenstehende Grafik*. Die Balken stellen die die jährliche Temperaturabweichung von der Normperiode 1961-1990 von 1864 bis 2025 dar. Rote Balken stehen dabei für wärmere und blaue für kühlere Jahre. Umso dunkler die Farbe, desto grösser die Abweichung von der Norm. - Die Datenbasis stammt von Meteoschweiz, die Vorlage für die Klimastreifen von Ed Hawkins (Universität von Reading).
Wegen den zunehmend wärmeren Temperaturen geraten Wälder unter Druck, Gewässer verändern sich, während Ernten und ihr Umfang nicht mehr verlässlich sind. Wie soll mit diesn Unsicherheiten bei der Planung in der Forstwirtschaft, im Wassermanagement und in der Landwirtschaft umgegangenen werden?
Bei der Suche nach Antworten auf solche Fragen soll eine im Zuge des Forschungsprogramms National Centre for Climate Services (NCCS) entstandene Wissensplattform helfen. - Verschiedene Webapps machen die Auswirkungen des Klimawandels auf wichtige Leistungen der Natur sichtbar und bieten damit Entscheidungsgrundlagen.
ForClim-App für Forstbetriebe und Waldplanung: Der Wald im Detail
Trockenheit, Stürme und Schädlingsbefall sind in den Schweizer Wäldern mit dem Klimawandel häufiger geworden. Vielerorts sterben im Mittelland die wirtschaftlich wichtigen Fichten oder müssen früher als geplant gefällt werden. Und weil zahlreiche Schutzwälder zu einförmig und überaltert sind, sind sie anfällig für Stürme und Schädlingsbefall.
Um die Veränderungen der Wälder Klimawandel – im Detail vor aber auch im grossen Zusammenhang - besser zu verstehen, können Förster und Fachstellen auf von der ETH Zürich entwickelte ForClim-App zurückgreifen: Sie beruht auf einem dynamischen Modell und zeigt damit nicht nur einen Zustand, sondern die Entwicklung eines Waldes über die Zeit. Wer das Tool nutzen will, gibt dazu einige Angaben zum entsprechenden Waldbestand ein. Daraus berechnet das Modell, wie sich dieser unter verschiedenen Klimaszenarien entwickeln würde. «Mit unserer App können Forstbetriebe oder Waldplanende das Schicksal ihrer Bestände sehen», erklärt Harald Bugmann von der ETH Zürich. «Es gibt Bestände, wo der heutige Holzvorrat bereits in 20 oder 30 Jahren zusammenbrechen könnte.»
Ziel ist es, Entscheidungen im Wald besser zu planen, etwa welche Baumarten gefördert werden sollen oder wann Eingriffe sinnvoll sind.
Mehr zur App auf www.wsl.ch
App FORTE für Politik und Planung: Der Wald im Überblick
Im Gegensatz zur ForClim-App bietet FORTE einen grossräumigen Überblick. Die App zeigt auf Karten, wie sich Wälder und ihre Ökosystemleistungen unter dem Klimawandel verändern könnten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Baumarten, sondern auch um die vielen verschiedenen Funktionen des Waldes.
Die App basiert auf konkreten Bedürfnisse aus der Praxis; So wollte zum Beispiel die Kantonsoberförsterkonferenz wissen, wie sich die Multifunktionalität der Wälder durch den Klimawandel verändert. Damit ist gemeint, dass Wälder mehrere Leistungen gleichzeitig erfüllen – etwa Holz liefern, Lebensraum bieten und vor Naturgefahren schützen.
Die App richtet sich besonders an Politik und Planung, die solche Entwicklungen auf regionaler Ebene beurteilen müssen.
Hier gehts zur FORTE-App: https://wsl-forte.shinyapps.io
App AquaREL für Verwaltung, Planung, Forschung und Interessierte: Das Wasser im Wandel
Auch die Niederschlagsmuster sind mittlerweile nicht mehr dieselben: weniger im Sommer und mehr im Winter, und öfter in Form von Regen statt Schnee. Zunehmende Trockenheit beeinträchtigt die Trinkwasserversorgung, die Ernteerträge und die Energieproduktion. Derweil spülen Hochwasser Sedimente und Nährstoffe weg, in der Folge überdüngen etwa die Seen und Kraftwerke werden verstopft.
Die an der Universität Genf entwickelte App AquaREL zeigt und prognostiziert, wie sich drei zentrale Aspekte der Gewässer verändern: die verfügbare Wassermenge (Abfluss), die Nährstofffracht (Eintrag von Stickstoff und Phosphor) sowie die Sedimentfracht (Eintrag von Bodenmaterial).
Dargestellt werden diese Informationen auf Karten – für die ganze Schweiz und für verschiedene Regionen. Sie macht sichtbar, wo sich die Situation künftig verbessert oder verschlechtert. Damit soll die App soll helfen, Risiken früh zu erkennen und die Wasserbewirtschaftung an den Klimawandel anzupassen und so fundierte Entscheidungen für den Umgang mit unseren Gewässern unterstützen.
Die App richtet sich sowohl an Fachleute aus Verwaltung, Planung und Forschung als auch an die interessierte Öffentlichkeit.
Hier gehts zur AquaREL-App: https://wsl-forte.shinyapps.io/AquaREL-Impacts-DE/
Weiterführende Links:
- Mehr zum National Center vor Climate Services auf www.nccs.admin.ch
- Weiteres Tool - CLIMAGS-APP - zu den Auswirkungen der Landwirtschaft auf den Klimawandel auf www.wsl.ch
- *Die Klimastreifen für mehr als 200 Länder, Staaten und Städte können auf showyourstripes.info kostenlos heruntergeladen werden.
(mgt/mai)