11:41 VERSCHIEDENES

Hochwasser in den Alpen werden laut SLF-Studie intensiver

Teaserbild-Quelle: Manuela Brunner / SLF

Das 100-jährliche Hochwasser wird laut einer neuen Studie des SLF in den Alpen um fünf bis fünfzehn Prozent intensiver und könnte bereits alle 45 bis 80 Jahre auftreten. Die Prognosen fallen damit deutlich düsterer aus als bisherige.

Hochwasser von Juli 2024 in Davos

Quelle: Manuela Brunner / SLF

Das Landwasser über Ufer: Dieses Hochwasser ereignete sich im Juli 2024 in Davos.

Mit dem Frühling und dem Sommer kommt die Saison des Schmelzwassers – es lässt Bergbäche und Flüsse anschwellen, teils bis zum Übertreten. Damit beschäftigt sich am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF die Gruppe Hydrologie und Klimafolgen in Gebirgsregionen.

Bisherige Studien hätten gezeigt, dass Hochwasser im Alpenraum aufgrund geringerer Schneemengen, die im Frühling schmelzen, bis Ende Jahrhundert zurückgehen könnten oder stabil blieben, heisst es in einer Mitteilung des SLF von Mittwoch. Diese Prognosen hätten jedoch auf täglichen Modellinput-Daten basiert, die kurze Starkniederschläge nicht ausreichend berücksichtigten.

Tägliche vs. stündliche Daten

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesamt für Umwelt (Bafu) den SLF-Hydrologen Paul Astagneau beauftragt, neue Prognosen zu erstellen. Dem Forscher lagen gemäss Mitteilung Daten von 384 Flüssen in der Schweiz und Österreich vor, deren stündlicher Abfluss gemessen wurde. Mit einem hydrologischen Modell habe Astagneau dann Hochwasserereignisse von heute bis Ende Jahrhundert simuliert. Dabei zeigten sich grosse Unterschiede zu den täglichen Daten.  

Bisherige Studien zu Hochwasser und Klimawandel hätten simuliert, wie viel Wasser über den ganzen Tag eine gewisse Stelle im Bach passiert. In diesen Daten liessen sich kurze, intensive Starkniederschläge aber nicht genügend gut abbilden – sie «verteilen» sich über den Tag und seien damit laut SLF nicht mehr sichtbar. Astagneau habe deshalb mit der Wassermenge gerechnet, die pro Stunde eine gewisse Stelle passiert – also mit 24 statt einem Datenpunkt pro Tag.

SLF-Forscher Paul Astagnau

Quelle: SLF

SLF-Forscher Paul Astagnau über die Entwicklung mit dem Klimawandel: «Extreme Ereignisse verändern sich stärker als moderate Hochwasser.»

Extreme Ereignisse verändern sich stärker

Hochwasser in den Alpen entstehen durch Sommergewitter, langanhaltenden Niederschlag auf gesättigten Böden oder eine Kombination aus Regen und Schneeschmelze. Klimawandelbedingt nehme die Intensität der Niederschläge zu, insbesondere auf Zeitskalen unter einem Tag, schreibt die SLF weiter. Pro zusätzlichem Grad Celsius gebe es so etwa rund sieben Prozent intensiveren stündlichen Starkniederschlag.

Die Auswertung der stündlichen Simulationen habe gezeigt: Der Regen überkompensiere die abnehmende Schneeschmelze. Damit nähmen Hochwasser mit dem Klimawandel auch in schneebeeinflussten alpinen Bächen eher zu als ab und sie träten häufiger auf – laut SLF bereits ab Mitte des Jahrhunderts. Ein Hochwasser, das im Durchschnitt einmal alle 100 Jahre vorkommt, werde in den Alpen im Hinblick auf die Abflussspitze, also den höchsten erwarteten Wasserstand im Ereignis, um fünf bis fünfzehn Prozent intensiver.

Gleichzeitig könne ein 100-jährliches Hochwasser künftig häufiger auftreten, gemäss Mitteilung alle 45 bis 80 Jahre. Bei moderaten Hochwassern wie dem zweijährlichen zeige sich in den Bergen dagegen weiterhin ein Rückgang, wenn auch ein geringerer als bisher angenommen. «Extreme Ereignisse verändern sich stärker als moderate Hochwasser», fasst Astagneau zusammen. (mgt/pb)

Zur Studie unter: www.science.org

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