Stadt Zürich soll dem Kanton das alte Kinderspital abkaufen
Die linken Stadtzürcher Parteien machen Druck: Die Stadt soll dem Kanton das Areal des alten Kinderspitals abkaufen. Das wollen die SP, Grüne und AL mit einer Motion erreichen. Sie fordern günstige Wohnungen auf dem Gelände am Zürichberg.
Quelle: Werner Friedli via ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / LBS_H1-008656, CC BY-SA 4.0
Luftbild des Kinderspitals um 1945; vorne links das alte Hauptgebäude, rechts die Poliklinik. Dahinter von links nach rechts: Alte Poliklinik, Wäscherei, Infektionsstation, Beobachtungshaus, Schwesternhaus und im Garten die Isolierstation.
Seit das Kinderspital im November 2024 ins neue Spital in der Lengg umgezogen ist, gab es viele Vorschläge, was mit den verlassenen Gebäuden passieren soll. Die SVP forderte ein temporäres Asylzentrum, linke Parteien Studentenwohnungen, ein Asylzentrum oder Alterswohnungen. Seit dem Umzug steht das alte Kinderspital leer und wurde inzwischen weitgehend schadstoffsaniert.
Eigentümerin der in den letzten 150 Jahren entstandenen und laufend entwickelten Spitalbauten ist der Kanton. Zuletzt zeigte sich der Regierungsrat offen, zumindest Zwischennutzungen in Nebengebäuden zuzulassen, etwa Wohnungen für Geflüchtete. Die Regierung hält aber am 2018 gefällten Plan fest, längerfristig auf dem Areal in Hottingen das Zentrum für Zahnmedizin (ZZM) einzurichten.
Dafür müsste das 1968 von den Architekten Rudolf und Peter Steiger erstellte Bettenhaus mit Operations- und Wirtschaftstrakt – mit einer nutzbaren Geschossfläche von 17'500 Quadratmetern – abgebrochen werden. Nur: Wann der Bau starten soll, ist ungewiss, der Regierungsrat stellte das Projekt aus finanziellen Gründen zurück.
SP, AL und Grüne im Stadtzürcher Parlament wollen aber nicht warten. Der Stadtrat soll dem Parlament eine kreditschaffende Weisung vorlegen, die den teilweisen oder vollständigen Kauf des Areals ermöglicht, heisst es in einer am Donnerstag publizierten Motion. Zudem soll eine Strategie für die Weiternutzung der bestehenden Gebäude ausgearbeitet und umgesetzt werden.
Modellhaftes Quartier
Die Pläne sind gross: Das Areal habe das Potenzial für ein modellhaftes Quartier, das bei «kluger Planung und Durchmischung der Generationen zahlreiche Bedürfnisse der Stadtbevölkerung befriedigen könne». So könne durch Verdichtung und Aufstockung dringend benötigter Wohn- und Lebensraum geschaffen werden, heisst es weiter.
Neben Familien- und Alterswohnungen seien insbesondere Nutzungen für das studentische Wohnen und Wohnmöglichkeiten für das Personal der nahe liegenden Spitäler zu prüfen, finden die Parteien. In einem ersten Schritt könne die Stadt die älteren, zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Gebäude im nordöstlichen Teil des Areals erwerben, die nicht im Planungsperimeter des ZZM liegen. Darin könnten günstige Wohnungen und Räume für das lokale Kleingewerbe bereitgestellt werden.
Im Gemeinderat dürfte das Anliegen gute Chancen haben, die drei Parteien stellen eine knappe Mehrheit.
Schon einen Vorstoss überwiesen
Schon kurz vor dem Auszug des Kinderspitals überwies das Stadtparlament einen Vorstoss, allerdings als Postulat, also nur mit einem Prüfauftrag. Das alte Gebäude des Kinderspitals sollte gemäss Vorstoss nicht abgerissen werden. Der Zürcher Stadtrat solle sich dafür einsetzen, dass darin Alterswohnungen oder andere Nutzungen möglich werden.
Der Gemeinderat überwies das Postulat von SVP und AL damals deutlich. Das Kispi-Gebäude soll nicht abgerissen werden, und es soll damit keine sogenannte graue Energie vernichtet werden, hiess es im Postulat. Der Stadtrat soll sich vielmehr mit dem Kanton für eine Lösung einsetzen, damit die Bausubstanz erhalten bleiben könne. (pb/mgt/sda)