Recyclingstationen: Mit Schwung zur Wiederverwertung
Klassische Abfalleimer geraten immer mehr aus der Mode. Stattdessen sind Recyclingstationen gefragt, um die Sekundärrohstoffe getrennt zu sammeln. Waren die Stationen zunächst auf Bahnhöfen zu sehen, erobern sie nun auch den öffentlichen Raum oder private Gebäude.
Quelle: zvg
Auf den Bahnhöfen der SBB und zahlreicher weiterer Bahnen gehören die Stationen zum vertrauten Mobiliar.
Zeitungen, Aludosen oder PET-Flaschen können an vielen Schweizer Bahnhöfen problemlos entsorgt werden. Dafür nutzen die Reisenden eine der grossen Recyclingstationen aus Chromstahl, die schon länger zum vertrauten Mobiliar gehören. Von Genf bis St. Gallen, von Locarno bis Basel ermöglichen sie eine effiziente Sortierung. Die Abfalltrennung am Bahnhof wurde 2014 eingeführt, heute betreibt die SBB über 1'500 Recyclingstationen. «Zuerst haben wir die grössten Bahnhofe damit ausgerüstet. Im Lauf der Jahre sind dann immer mehr Bahnhöfe dazugekommen, denn das Recycling entspricht einem grossen Kundenbedürfnis», sagt Bruno Ulrich, Produktmanager bei der SBB. Heute gibt es die Recyclingstationen an 45 meist grösseren SBB-Bahnhöfen.
Robust und langlebig
Das Mobiliar an Bahnhöfen muss starken Beanspruchungen standhalten. Wind und Wetter, tägliche Beanspruchung und hohe Nutzerzahlen sind zwingende Gründe für eine robuste, langlebige Konstruktion. «Die Recyclingstationen müssen einiges aushalten und das tun sie auch», berichtet Bruno Ulrich. Mit einem regelmässigen Unterhalt stellt die SBB sicher, dass die mechanischen Elemente der Stationen – zum Beispiel die auf Kugellagern fahrenden Auszüge der einzelnen Sammelabteile – reibungslos funktionieren. Die Aussenhaut der Recyclingstation besteht aus einem zwei Millimeter starkem Chromstahlblech.
Durch eine aufwendige Herstellung mittels Laserschnitt, Formung und Entgratung der einzelnen Blechteile wird sichergestellt, dass es keine Fugen, Rinnen oder vorstehenden Teile gibt. So ist die Verletzungsgefahr ist minimal, und der Schmutz kann sich nirgends festsetzen. Das Innenleben der Recyclingstationen besteht aus robustem, verzinkten Stahlblech, und für den nötigen Ballast sorgen zwei Gewichte aus Beton. Mit 200 Kilogramm ist ein ortsfester Betrieb garantiert. Damit widersteht eine Station Starkregen, dem Luftzug einfahrender Züge oder Kollisionen mit Gepäck oder Kleinfahrzeugen. Falls trotzdem ein Standortwechsel notwendig ist, kann dieser mit einem normalen Palettrolli erfolgen.
Ihren Ursprung haben die robusten Klassiker im Zürcher Unterland. Die Drawag AG aus Nänikon ZH hat das Konzept vor bald 20 Jahren erfunden und ständig weiterentwickelt. Das Produkt überzeuge durch «einwandfreie Funktion, schlichtes Design und beste Sauberkeit,» sagt Geschäftsführer Dipek Khunti. Das scheinen die Kunden ähnlich zu sehen. Bis heute stehen auf den Bahnhöfen der SBB und anderen Bahnen (so etwa BLS, Appenzeller Bahn oder SZU) ungefähr 6'000 Recyclingstationen im Einsatz. Die Lebensdauer einer Station dürfte mindestens 25 Jahre betragen. Sie benötigt nur wenig Unterhalt. Neben dem Schmieren der Lager ist vor allem das Ausspülen von Verschmutzungen notwendig. Ab und zu muss eine Beschriftungsfolie ersetzt werden, ansonsten verrichtet die Station klaglos ihren Dienst.
Trennen bringt Vorteile
Die sortenreine Entsorgung von PET, Papier oder Schwarzabfall spart Zeit und Aufwand. Inspiriert von den positiven Erfahrungen der SBB ist deshalb in den letzten Jahren auch die öffentliche Hand auf den Recyclingstations-Zug aufgesprungen. So etwa die Stadt Zofingen. Auf ihrem Gebiet sind insgesamt rund 50 Abfalleimer installiert. «An einem schönen Wochenende kommt rasch einmal eine Tonne Abfall zusammen. Pro Jahr entsorgen wir ungefähr 100 Tonnen», sagt Robert Weishaupt. Der Stadtrat ist für das Ressort Tiefbau/Werkhof zuständig.
Bei der Entsorgungslogistik hat Zofingen eine Reise mit verschiedenen Etappen hinter sich. Waren zunächst noch offene Abfalleimer installiert, führte man in einem nächsten Schritt Grosseimer mit Einwurfblenden ein. Im Juni 2021 verlangte ein Vorstoss im Parlament, für die öffentlichen Eimer eine Abfalltrennung zu prüfen. Die ersten Versuche mit Trennstationen mache man im Rosengarten, einem städtischen Park östlich der Altstadt. Mit einer Statistik wurde erfasst, wie hoch der Fremdstoffanteil beim Altglas und den PET-Flaschen war. «Wir merkten rasch, dass es nur relativ wenig Fehlwürfe gab. Somit war klar, dass wir diese Sekundärrohstoffe mit wenig Sortieraufwand bereitstellen und ans Recycling weitergeben konnten», berichtet Robert Weishaupt.
Nach dem erfolgreichen Feldversuch im Rosengarten wurde der Perimeter auf die Altstadt ausgeweitet. Heute stehen auf dem Stadtgebiet insgesamt zehn Recyclingstationen im Einsatz. Das Modell von Drawag war von Anfang an gesetzt. «Durch den grossflächigen Einsatz bei der SBB sind diese Stationen sehr gut bekannt. Das sieht man ja im Alltag: Wer am Bahnhof aussteigt, hat die Zeitung oder die PET-Flasche bereits in der Hand, um sie zu entsorgen. Somit führen wir auf dem Stadtboden ein vertrautes Konzept weiter.» sagt Robert Weishaupt. Drei bis vier Mitarbeitende des Werkhofs kontrollieren und leeren die Stationen in der Altstadt von Montag bis Samstag täglich. Im Sommer gibt es zudem gelegentliche Sonntagseinsätze, damit die Abfallberge nicht zu hoch werden. Für das effiziente Sammeln des Leergutes werden die Stationen mit 100-Liter-Plastiksäcken ausgerüstet. Die Reinigung erfolgt, je nach Verschmutzung, mit dem Lappen oder dem Hochdruckreiniger.
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In Zofingen AG stehen insgesamt zehn Recyclingstationen im Einsatz.
Vielfältiger Nutzen
Für Städte und Gemeinden bietet das Recycling auch finanzielle Vorteile. Robert Weishaupt berichtet: «Je besser wir den Abfall respektive die Sekundärrohstoffe sortieren, desto weniger Schwarzabfall müssen wir entsorgen und bezahlen. Der Aufwand für die Entsorgungskosten sinkt. Das ist natürlich positiv für die Stadtkasse. Doch wir wollen auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Es wäre ja wirklich schade, brauchbare Rohstoffe einfach wegzuwerfen.»
Mit ähnlichen Aufgaben wie Städte und Gemeinden sehen sich auch Schulen konfrontiert. Denn je nach Alter der Schülerschaft fallen sehr grosse Abfall- und Sekundärrohstoffmengen an. Insbesondere Take-Away-Mahlzeiten und Getränke in PET-Flaschen lassen die Materialberge sehr schnell anwachsen.
So auch bei der Wirtschaftsschule KV Zürich, die von insgesamt 3'500 Lernenden besucht wird. Pro Tag sind zwischen 800 und 1000 Lernende im Schulgebäude an der Limmatstrasse anwesend. Zwar gibt es eine interne Mensa, doch die zahlreichen umliegenden Take-Aways und der Supermarkt stehen bei der Schülerschaft hoch im Kurs. Entsprechend gross sind deshalb auch die täglichen Abfallmengen, die vom Facility Management bewältigt werden müssen. Bis vor einigen Jahren standen an der Schule Einzelabfallstationen mit Klappen im Einsatz. Bei dieser Lösung war der Füllstand von aussen nicht sichtbar, weshalb die Stationen oft überfüllt wurden, was grossen Reinigungsaufwand verursachte. Um das Abfallmanagement zu verbessern, wechselte die Schule 2018 auf Drawag-Recyclingstationen.
Neue Lösung
Die von der Wirtschaftsschule KV Zürich gesammelten Mengen sind eindrücklich: 2024 betrug die gesamte Abfallmenge rund 22 Tonnen. Unter anderem lieferte die Schule rund 88'000 PET-Getränkeflaschen an den Recyclingpartner. Im 2019 waren es noch ungefähr 100'000 Flaschen. Seit die Nutzung von Mehrwegflaschen gefördert wird, sind die Zahlen etwas gesunken.
Die Sortierung des Recyclinguts verursacht nur geringen Aufwand: Ab und zu verirrt sich eine Aludose in den PET-Sack, aber insgesamt funktioniert die Trennung sehr gut. Die Akzeptanz bei der Schülerschaft sei hoch, und nicht zuletzt können die Stationen bei Bedarf einfach mit dem Palettrolli verschoben werden.
Ausblick
Für Dipek Khunti von der Drawag AG ist die wachsende Verbreitung der Recyclingstation kein Zufall: «Das Bewusstsein für Recycling nimmt immer noch zu, und gerade bei grossen Mengen möchte man möglichst wenig Aufwand. Ob öffentliche Hand, Schule oder private Unternehmung – das Abfallproblem verlangt eine saubere Lösung.» Ein Problem gebe es, sagt Khunti mit einem Augenzwinkern: «Mit einer Lebensdauer von 25 Jahren sind unsere Stationen extrem beständig. Wer sie hat, braucht nicht so schnell eine neue.» Auch deshalb habe man bei der Drawag AG konsequent diversifiziert. Neben den klassischen Metallbauprodukten wie Gitterrosten, Stahltreppen oder eben den Recyclingstationen bietet das Unternehmen seit einigen Jahren auch Briefkasten- und Paketboxsysteme, Sonnerielösungen, Veloständer und -parkingsysteme an. Das bekannteste Produkt dürfte aber noch eine Weile lang die Recyclingstation bleiben.