08:02 BAUBRANCHE

Quartalsbericht Q2/2026: Wachstum verliert an Schwung

Teaserbild-Quelle: Ed Wingate, Unsplash

Der Wohnbau bleibt im 2. Quartal der Haupttreiber, während Industrie- und Bürobau nach aussergewöhnlich starken Vorquartalen deutlich an Elan verlieren. Der Hochbau ist weiterhin auf Wachstumskurs, wenn auch mit spürbar gebremster Dynamik gegenüber dem starken Jahresauftakt.

Baustelle in Interlaken

Quelle: Ed Wingate, Unsplash

Der Wohnbau bleibt im 2. Quartal der wichtigste Wachstumstreiber der Bauwirtschaft. Das Neubaugeschäft bei den Mehrfamilienhäusern legt dabei erneut kräftig zu.

Das Schweizer Bauhaupt- und Ausbaugewerbe hat auch im 2. Quartal 2026 zugelegt, wenn auch mit spürbar geringerem Tempo als noch im Startquartal. Die auf Basis von Gesuchen ermittelte Bausumme erhöhte sich im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um 3,9 Prozent, wie aus den Zahlen der Infopro Digital Schweiz GmbH hervorgeht. Gegenüber dem bereits sehr hohen Wert des Vorquartals resultierte dagegen ein Rückgang um 6,4 Prozent. Die nominale Hochbausumme bewegte sich bei rund 13,6 Milliarden Franken und damit deutlich unter der Marke des 1. Quartals, das mit über 14,5 Milliarden Franken einen Spitzenwert markiert hatte. Auch die Anzahl der eingereichten Baugesuche nahm um 9,1 Prozent auf 16’173 Projekte zu.

Bei den eingereichten Gesuchen zeigt sich ein ähnliches regionales Gefälle: Das Tessin verzeichnete mit +19,1 Prozent das stärkste Wachstum, gefolgt von der Romandie (+8,2 %) und der Deutschschweiz (+7,5 %). Ein Blick auf die erteilten Baubewilli­gungen zeigt ein differenzierteres Bild: Schweizweit stieg deren Zahl im 2. Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 Prozent auf 6432. In der Deutschschweiz gingen die Bewilligungen dabei allerdings leicht zurück (-1,5 %), während in der Romandie (+11,7 %) und im Tessin (+18,8 %) deutlich mehr Projekte grünes Licht erhielten.

Wohnbau als Haupttreiber

Einen grossen Anteil am nach wie vor guten Ergebnis hatte erneut der Wohnbau. Die Investitionen im Segment knüpften mit einem Plus von 8,9 Prozent zum Vorjahresquartal an die starke Vorperiode an, wenngleich sich das hohe Niveau des Startquartals nicht ganz halten liess (-2,4 % zum Vorquartal). Im Segment Mehrfamilienhäuser (MFH) stiegen die geplanten Investitionen zum Vorjahresquartal um 7,3 Prozent und dürften mit Blick auf die Zeitreihe den Sechsjahresdurchschnitt übertreffen (+9,2 %). 

Zwei Entwicklungen prägten das Bild: Erstens legte das Neubaugeschäft mit einem Plus von 12,6 Prozent erneut kräftig zu, wenn auch weniger stark als im Startquartal (-5,6 %). Zweitens setzte sich im Renovierungsgeschäft der bereits im Vorquartal beobachtete Rückgang fort. Mit einem Minus von 4,8 Prozent zum Vorjahr blieb dieser aber im statistischen Schwankungsbereich. Gleichwohl resultierte zum Vorquartal ein weiteres Minus von 6,1 Prozent.

Im Segment Einfamilienhäuser (EFH) drehte der Wind: Das Renovierungsgeschäft legte kräftig zu, sowohl zum Vorjahresquartal (+16,9%) als auch zum Vorquartal (+20,5%). Die geplanten Investitionen für Neubauten stiegen ebenfalls deutlich zum Vorjahresquartal (+11,7%), stagnierten aber im Vergleich zum Vorquartal (-0,1%). Zum Vergleich: Über den gesamten Hochbau betrachtet entfielen 58,9 Prozent der geplanten Bausumme auf Neubauten und 41,1 Prozent auf An- und Umbauten – ein Verhältnis, das gegenüber dem Startquartal (58,6% resp. 41,4%) nahezu unverändert blieb.

Regulierung bremst Wohnungsbau

Gemäss der Raiffeisen-Studie «Immobilien Schweiz – 2Q 2026» bleibt die Wohnbautätigkeit trotz ausgeprägter Knappheitssignale strukturell zu tief. Gemessen am Gebäudebestand und an der Bevölkerung lag die Zahl der Wohnungen in neuen Baugesuchen Ende 2025 nur noch bei knapp 1 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent – gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (1,44% resp. 0,73%) ein Rückgang von rund 30 Prozent.

Als wesentlichen Treiber orten die Studienautoren die zunehmende regu­latorische Komplexität: Die kantonalen Baugesetze sind seit 2005 im Schnitt um 26 Prozent umfangreicher geworden, die dazugehörigen Bauverordnungen sogar um 32 Prozent. Dies schlage sich direkt in längeren Bewilligungsverfahren nieder, heisst es in der Studie: Für ein mittelgrosses Mehrfamilienhausprojekt mit 11 bis 20 Wohnungen stieg die Bewilligungsdauer im nationalen Median von 162 Tagen (2017) auf 280 Tage (2025) – ein Plus von 73 Prozent.

Auch die Erstellungskosten pro Wohnung wuchsen bei grösseren Projekten mit über 20 Wohnungen zwischen 2016 und 2025 um 37 bis 43 Prozent und damit deutlich stärker als der qualitätsbereinigte Baupreisindex (+18%).

Industrie- und Bürobau verhalten

Nach dem ausserordentlichen Startquartal hat sich das Wachstumstempo in der verarbeitenden Industrie und bei den Gewerbebetrieben merklich abgekühlt. Die geplanten Investitionen legten gegenüber dem Vorjahresquartal nur noch um 1,4 Prozent zu, nach einem Plus von 22,6 Prozent im 1.Quartal; zum Vorquartal resultierte ein Rückgang von 15,3 Prozent. Auch das Handels- und Verwaltungssegment musste nach vier Zuwachsquartalen in Folge eine Korrektur hinnehmen: Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug das Minus 20,8 Prozent, gegenüber dem Vorquartal waren es 24,9 Prozent. Verglichen mit dem Mehrjahresmittel ist das Segment damit ebenfalls unterdurchschnittlich (-20,7%) unterwegs.

Der Bildungsbau präsentierte sich uneinheitlich: Zum Vorjahresquartal ergab zwar ein Minus von 5,0 Prozent, gegenüber dem schwachen Vorquartal legte die Summe jedoch deutlich zu (+11,1 %) und lag damit klar über dem langjährigen Mittel (+22,5 %). Im Gesundheitssegment liess die Dynamik hingegen nach: Sowohl im Vorjahresvergleich (-8,3 %) als auch gegenüber dem Vorquartal (-20,7 %) resultierte ein Rückgang, womit sich der Wert unter den langjährigen Durchschnitt bewegte (-15,8 %).

Infrastruktur auf hohem Niveau

Bei den drei übrigen Segmenten – Infrastruktur, Gesellschaft/Kultur/Freizeit und Hotel- & Gastgewerbe – fällt die Bilanz erneut durchmischt aus. Die für Infrastrukturbauten vorgesehene Investitionssumme bewegte sich mit einem Plus von 20,4 Prozent zum Vorjahr weiterhin deutlich über dem lang­jährigen Mittel (+33,2 %), wenn auch nach dem aussergewöhnlichen Startquartal mit einem markanten Rückgang zum Vorquartal (-34,1 %). Das im langjährigen Mittel bedeutendste der drei Segmente, «Gesellschaft, Kultur und Freizeit», büsste zum Vorjahr 15,0 Prozent ein, blieb aber mit einem Plus von 10,9 Prozent zum Mehrjahresmittel überdurchschnittlich.

Aus dem Hotel- und Gastgewerbe waren die Zahlen weitgehend stabil: Einem Minus von 1,2 Prozent zum Vorjahr stand ein leichtes Plus von 0,4 Prozent zum Vorquartal gegenüber; das Niveau blieb aber unter dem Mittel des von starken Schwankungen geprägten Segments (-6,5 %). Insgesamt bestätigt das 2. Quartal damit den soliden, wenn auch weniger dynamischen Kurs der Schweizer Bauwirtschaft nach dem ausserordentlich starken Jahresauftakt. (Text: Baublatt Redaktion)

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