10:05 BAUBRANCHE

Quartalsbericht 1/2020: Baugesuche erweisen sich als Lichtblick

Teaserbild-Quelle: Stefan Schmid

Die Corona-Krise hat die Schweizer Baubranche bereits im ersten Quartal in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch gibt es inzwischen Anlass zur Hoffnung. Nachdem in der Westschweiz die Veröffentlichung von Gesuchen zeitweise sistiert war, werden diese nun wieder publiziert.

Das Schweizer Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ist mit einer Abschwächung ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal 2020 sank die Bausumme geplanter Hochbauprojekte gesamthaft um 9,5 % nach leichten Veränderungsraten in den Vorjahren. Mit einem Minus von 5,9 % zum Schlussquartal bewegt sich die Veränderung der jeweils aggregierten Hochbausumme aber im Bereich der Vorquartale. Die Zahl der Baugesuche erhöhte sich im ersten Quartal leicht um 0,2 %. Stark ins Minus gedreht haben die Summen projektierter Bauvorhaben sowohl beim Wohnals auch beim übrigen Hochbau.

Dynamik bei Nachholeffekt

Im Vergleich zum ersten Vorjahresquartal sank die Bausumme des Segments Wohnrenditeliegenschaften gesamthaft um 11,6 %. Die Veränderung ist aber auch unter Berücksichtigung des Basiseffekts zu sehen, mit Bezug auf die hohen Werte in den Jahren zuvor. Weniger dramatisch sieht es bei der Quartalsbetrachtung im Bezug zum Zehnjahresdurchschnitt aus, wie die neusten Daten der Docu Media Schweiz GmbH zu den Zeitreihen des ersten Quartals zeigen. Noch 3,7 % lag die voraussichtlich verbaute Segmentsumme unter dem entsprechenden Mittel. Sowohl das Neubau- als auch das Renovierungsgeschäft liefen bei den Mehrfamilienhäusern (MFH) harzig (-11,4 % beziehungsweise -12,0 %). Drei Viertel des Investitionsvolumens fliesst jeweils in Neubauten.

Die Nachfrage nach Mietwohnungen dürfte in diesem Jahr empfindlich gestört sein. Der Beschäftigungsabbau und die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes könnten dazu führen, dass weniger Haushalte gegründet werden. Davon geht das Beratungsunternehmen Wüest Partner aus. 2018 entfiel gut die Hälfte der Haushaltgründungen auf Singles, angetrieben durch eine gute Beschäftigungslage und leicht steigende Löhne. Die Nachfrage dämpfen dürfte zudem das zurzeit bestehende Grenzregime, das die internationale Zuwanderung zum Erliegen brachte, wie das Beratungsunternehmen in der Frühlingsausgabe seines Immo-Monitorings schreibt.

Insgesamt sehen die Immobilienspezialisten einen grösseren Druck bei Mietpreisen und Renditen auf die Wohnbaubranche zukommen, ebenso einen Anstieg der Bestände leerstehender Wohnungen. Mittel- bis langfristig geht Wüest Partner aber von einem Nachholeffekt aus. Die eminente Bedeutung der Wohnrenditeliegenschaften zeigt auch der Blick auf den wertmässigen Anteil des MFH-Segments bezogen aufs erste Quartal und gemessen an der auf Basis der Gesuche ermittelten Summe. In den letzten zehn Jahren hat sich dieser Anteil stetig erhöht von gut 63,0 % (2011) auf knapp 76,0 % im Anfangsquartal 2020.

Die Erwartung sinkender Gesamteinkommen und Wertverluste werde die Nachfrage nach Wohneigentum zwar beeinträchtigen, doch das Finanzierungsumfeld bleibe günstig und stütze nach wie vor den Erwerb von Wohneigentum. Die eigenen vier Wände als Rückzugsort könnten dem Wunsch nach Wohneigentum zusätzlich Auftrieb verleihen. Negative Preisveränderungen hält Wüest Partner im laufenden Jahr aber für wahrscheinlich. Aufgrund der verschlechterten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer abnehmen - den Wohnungsproduktion für den Eigentumsmarkt dürfte laut Einschätzung des Beratungsunternehmens auch das Angebot sinken, sodass sich die Preisrückgänge im Rahmen halten könnten.

EFH-Segment wenig volatil

Die Summe projektierter Einfamilienhäuser (EFH) stieg gegenüber dem Vorjahresquartal gesamthaft um 0,7%, wobei das Segment laut den Docu-Media-Zahlen vor allem beim Neubaugeschäft zulegen dürfte (+1,9%). Die geplanten Investitionen für Umbauten gingen leicht zurück (-0,7%), was zusätzlich dämpfend auf die Auftragslage wirken könnte. Gegenüber Unsicherheiten im Immobilienmarkt reagiert das EFH-Segment laut Wüest Partner in der Regel weniger volatil als dies bei Miet- und Eigentumswohnungen der Fall ist. Auch sind mittelgrosse Objekte preisstabiler gegenüber konjunkturellen Einflüssen als Häuser der gehobenen Klasse.

Innerhalb des Segments wird ein vergleichsweise hoher Anteil der Bausumme für An- oder Umbauten oder Kombinationen davon verwendet. Laut den im ersten Quartal eingereichten Gesuchen fliessen voraussichtlich knapp 44% der projektierten Segmentsumme in Renovierungen. Beim MHF-Segment lag der Umbauanteil bei gut 19%. Der Wohnbau ist der bei weitem wichtigste Bereich des Hochbaus. Im ersten Quartal machte dieser gut drei Viertel der projektierten Hochbausumme aus, auf den übrigen Hochbau entfiel knapp ein Viertel der Investitionen.

Bürobau erholt sich kräftig

Beim übrigen Hochbau in den ersten drei Monaten glänzen konnte der Bürobau. Die projektierte Summe für die Produktion von Büroflächen schoss im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um 58,9% nach oben. Ein sattes Plus gab es bereits im Vorquartal (+53,4%). Damit schien sich beim Bürobau eine Erholung abzuzeichnen. Denn gegenüber dem Vorjahr mit zwar mehrheitlich negativen Quartalswerten bei der voraussichtlichen Flächenproduktion gab die projektierte Summe des Segments im Gesamtjahr nur leicht nach (-1,1%). Diese Entwicklung ging in den letzten zwei Jahren einher mit einem Abbau der Leerstände, was aufgrund des geringeren Angebots in den wichtigsten Wirtschaftszentren zu steigenden Mieten führte. Tendenziell sieht Wüest Partner angesichts der konjunkturellen Abkühlung eher eine abwartende Haltung der Unternehmen, neues Personal einzustellen und damit die Nachfrage nach Büroflächen zu erhöhen.

Nach durchwegs positiven Zuwachsraten in den Vorjahresquartalen und einem guten Gesamtjahr (+16,5 %) ist die Bausumme des Industriebaus um 9,3 % zurückgegangen. Die stark auf Exporte ausgerichtete Schweizer Industrie mit Marktpräsenz in Übersee hat die möglichen negativen Folgen des Coronavirus auf die wirtschaftlichen Aktivitäten vermutlich bereits früh in die Szenarien ihrer Investitionsrechnungen einbezogen.

Das Segment Spitalbau hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal leicht abgeschwächt (-2,7 %). Beim Schulbau verringerte sich die Bausumme um 52,5 % vom allerdings zweithöchsten Wert der letzten zehn Jahre. Im Vergleich zum Vorquartal ergab sich aber eine leichte Zunahme von 5,8 %. Bei beiden Baubereichen befanden sich die projektierten Bausummen im Anfangsquartal aber deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Aufgrund der Reisebeschränkungen hohe Einbussen verkraften muss das Tourismussegment, nachdem die Schweizer Hotellerie in den ersten zwei Monaten noch das zweitbeste Ergebnis seit knapp drei Jahrzehnten einfahren konnte. Im Gastgewerbe beziffert das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco den Produktivitätsausfall wegen des Coronavirus auf rund 80 %. Die projektierte Bausumme ging zum Vorjahresquartal um 36,3 % und zum Vorquartal um 34,3 % zurück. Zur Hoffnung Anlass geben könnte bei einer schrittweisen Aufhebung der Eindämmungsmassnahmen der Binnentourismus.

Ab hier ist dieser Artikel nur noch für Abonnenten vollständig verfügbar.

Jetzt einloggen

Sie sind noch nicht Abonnent? Übersicht Abonnemente

Autoren

Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

Tel. +41 44 724 78 61 E-Mail

Anzeige

Quartalsberichte

Anhand von Baugesuchen und der Summen geplanter Hochbauprojekte oder weiterer Daten, die von der Docu Media Schweiz GmbH systematisch erfasst werden, bieten die Quartalsberichte statistische Analysen zur regionalen Bautätigkeit in der Schweiz und in einzelnen Marktsegmenten. Gegenstand der Baublatt-Analyse bilden auch Hintergrundinformationen zur konjunkturellen Entwicklung in den wichtigsten Industrieländern.

Dossier

Besondere Orte

Besondere Orte

Ob schwimmende Bücher, Schlumpfhausen oder die Geschichte eines Pöstlers, der sich einen Palast baut. In der Serie «Besondere Orte» stellen wir in loser Folge spektakuläre oder besonders bemerkenswerte Plätze, Bauten und Geschichten auf der ganzen Welt vor.

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.