20:07 BAUBRANCHE

Neues Unesco-Welterbe: Kurstädte, Fresken und Inschriften in der Wüste

Teaserbild-Quelle: SCTH

Die Welterbeliste der Unesco wächst, dieses Wochenende sind fünf weitere Einträge hinzugekommen: Der Kulturraum von Ḥimā (Saudi-Arabien), der Leuchtturm von Cordouan (Frankreich), mittelalterliche Fresken – darunter Werke von Giotto – in Padua (Italien) und die ehemalige Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt (Deutschland). Einen Eintrag erhielten auch elf Kurstädte in Belgien, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Österreich und Tschechien als Teil der „Bedeutenden Kurstädte Europas“ – etwa Bath in England und Baden-Baden in Deutschland.

Felszeichnungen in Himā.

Quelle: SCTH

Felszeichnungen in Himā.

Das Unesco-Komitee tagt noch bis kommenden Samstag und berät voraussichtlich bis zum 28. Juli über die Nominierungen für die Welterbeliste. Unter den Bewerbern für den Welterbe-Titel befinden sich neben anderen die transiranische Eisenbahnstrecke, die das kaspische Meer mit dem Persischen Golf verbindet, der Markt- und Handelsplatz der Song-Yuan-Dynastie von Quanzhou in China sowie der Paseo del Prado und Buen Retiro respektive die Landschaft der Künste und der Wissenschaften in Madrid.

Bedeutende Kurstädte Europas (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Tschechien und Grossbritannien)

Das alte, römische Bad in Bath.

Quelle: Colin Hawkins

Das alte, römische Bad in Bath.

Seine stärkste Ausprägung hatte das europäische Kur-Phänomen stärkste Ausprägung zwischen 1700 und den 1930er-Jahren. „Auf Kur zu gehen“ beinhaltete dabei sowohl das Baden in Mineralquellen als auch das Trinken und Inhalieren von Wasser, um die herum sich alle Kurstädte entwickelten. Darüber hinaus gab es ein eng geplantes Tagesregime, das medizinische und sportliche Elemente ebenso beinhaltete wie Musse und Unterhaltung.

Dieser ganzheitliche Ansatz habe eine Architektur aus einzigartig vernetzten Innen- und Aussenräumen hervorgebracht, deren Kernelemente sich auf dem ganzen Kontinent wiederfinden, heisst es dazu in der Medienmitteilung der Unesco. Aus den Hunderten von Kurstädten Europas sind die „dynamischsten und internationalsten“ ausgewählt worden:

  • Spa (Belgien
  • Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen (Deutschland)
  • Vichy (Frankreich)
  • Montecatini Terme (Italien)
  • Baden bei Wien (Österreich)
  •  Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně (Tschechien)
  • Bath (Grossbritannien)

Mathildenhöhe Darmstadt (Deutschland)

Mathildenhöhe Darmstadt

Quelle: Nikolaus Heiss

Die Mathildenhöhe Darmstadt vom Westen her gesehen.

Im Jahr 1899 hatte der Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein auf der Mathildenhöhe Darmstadt eine Künstlerkolonie als Zentrum der damals neu entstehenden Reformbewegung in Architektur, Kunst und Handwerk gegründet. Die experimentelle Wohn- und Arbeitsstätte wurde von den Künstlern selbst gestaltet, sie ist im Zuge von vier internationalen Ausstellungen 1901, 1904, 1908 und 1914 erweitert worden.

Das Ensemble der Mathildenhöhe sei „ein ausserordentliches Zeugnis von Architektur und Landschaftsgestaltung an der Schwelle zum 20. Jahrhundert“, heisst es dazu bei der Unesco. Es  stehe stellvertretend für die in und an ihr arbeitende Künstlergemeinschaft, deren wegweisende Visionen für Wohn- und Arbeitswelten als Vorläufer der architektonischen Moderne gelten können.

Leuchtturm von Cordouan (Frankreich)

Auf einem Felsplateau 1584 vor der Gironde-Mündung an der Atlantikküste errichtet, ist der Leuchtturm von Cordouan bis heute in Betrieb. Sein Bau sollte die Tradition berühmter Leuchttürme der Antike fortsetzen und gleichzeitig ein Machtsymbol der französischen Könige sein.

Im 18. Jahrhundert ist der Turm auf 67 Meter erhöht wurden, zudem modernisierte man ihn auf damals höchstem Niveau. Dies gilt für die technischen Änderungen in der Lichtkammer aber auch für die Steinschnittarbeiten. Allerdings zeugt der Turm nicht nur von künstlerischer und ingenieurtechnischer Meisterschaft. Er wurde über Jahrhunderte auch mehrfach für Versuche genutzt, um die Navigationsunterstützung durch Leuchttürme insgesamt zu verbessern.

Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert von Padua (Italien)

Cappella degli Scrovegni

Quelle: Comune di Padova Settore Cultura, Turismo, Musei e Biblioteche

DIe Cappella degli Scrovegni mit Fresken von Giotto.

Die Freskenzyklen befinden sich in acht Gebäudekomplexen des alten Stadtzentrums von Padua: in der Cappella degli Scrovegni, der Chiesa degli Eremitani, dem Palazzo della Ragione, dem Palazzo Papafava dei Carraresi, dem Baptisterium sowie den angrenzenden Piazze, der Basilica di Sant’Antonio und dem Oratorio di San Michele.

Inspiriert von Fortschritten der optischen Wissenschaft hatten Giotto und andere Künstler des 14. Jahrhunderts mit den Malereien erstmalig räumliche Perspektiven sowie menschliche Figuren mit individuellen Zügen und Gefühlsausdrücken dargestellt. Die Werke zeugen laut Unesco vom besonderen vorhumanistische Klima im Padua des frühen 14. Jahrhunderts. Zudem haben die Malereien spätere Freskoarbeiten – weit über die Zeit der italienischen Renaissance hinaus – beeinflusst.

Kulturraum von Ḥimā (Saudi-Arabien)

Felszeichnungen in Himā.

Quelle: SCTH

Felszeichnungen in Himā.

Der Kulturraum von Ḥimā liegt an der ältesten Zollstation einer historisch bedeutenden Karawanenroute im Südwesten von Saudi-Arabien. Reisende, die hier während Jahrtausenden die Wüste durchquerten, haben hier Spuren hinterlassen, in Form von Inschriften und Zeichnungen auf den nahe gelegenen Felsen.

Sie erzählen von der Liebe, von Bräuchen, Religionen, von der Jagd, von Tieren sowie Pflanzen und bilden auf diese Weise laut Unsesco eine einzigartige Chronik der letzten 7‘000 Jahre menschlicher Kultur.

Paseo del Prado und Buen Retiro, Landschaft der Künste und der Wissenschaften (Spanien)

Museum Thyssen-Bornemisza

Quelle: Ayuntamiento de Madrid

Das Museum Thyssen-Bornemisza ist Teil des Paseo del Prado.

Die Madrider Landschaft der Künste und Wissenschaften gilt als herausragendes Beispiel für neue städtebauliche Modelle im aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts. Wie die Unesco schreibt, illustriert sie das Streben nach einer utopischen Gesellschaft und vereinigt auf 200 Hektaren Gebäude für Kunst, Wissenschaft, Industrie, Gesundheit und Forschung.

Die für das Quartier neu entwickelte Form einer Alameda – respektive einer  Allee - diente darüber hinaus als Inspiration für die spanisch-amerikanischen Vizekönigreiche, wo im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ähnliche Projekte umgesetzt worden sind. (mgt/mai)

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