12:09 BAUBRANCHE

Kapstadts Silo wird zur Kunstkathedrale

Teaserbild-Quelle: Iwan Baan

Das historische Silo Kapstadts erstrahlt nicht nur aussen, sondern vor allem innen in neuem Glanz: Seine 42 Kornspeicher wurden zum imposanten Atrium für das neue Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst umfunktioniert. Die Vorlage zur 27 Meter hohen Halle lieferte ein Korn.

Mit seinen grosszügig geschwungenen, hohen Bögen erinnert das Atrium des neuen Museums für zeitgenössische Kunst an das Innere einer Kathedrale. Die Inspiration für den Raum, der nicht nur wegen der organisch anmutenden Formen spektakulär wirkt, sondern auch wegen seiner Höhe von 27 Metern. Für die Ausstellungstätte wurde das historische Getreidesilo direkt bei der Vergnügungs- und Shoppingmeile V & A Waterfront von Kapstadt umgenutzt.

Das Herzstück des Betonbaus aus den 20er-Jahren bilden bienenwabenförmig aneinander geordnete 42 zylinderförmige Getreidespeicher. Aus den einzelnen Röhren wurden Bögen und Öffnungen heraus gefräst. Als Grundlage für das Design diente ein Getreidekorn oder vielmehr dessen Negativ. «Wir haben dazu die Form eines einzelnen Korns in Tausende von Koordinaten übersetzt und diese dann auf den Speichern mittels Nägeln markiert», erklärt Thomas Heatherwick, aus dessen Feder das Projekt stammt. Allerdings waren die Wände der einzelnen Röhren lediglich 170 Millimeter dick. Sie mussten darum zum Teil von innen mit Stahlbeton verstärkt werden. Dann wurden die entsprechenden Bereiche herausgefräst und die Kanten poliert. Damit genug Licht in den Raum dringt, erhielten die Speicher jeweils ein Glasdach.

Schlafen auf Kunst

Das Museum selbst erstreckt sich über total 6000 Quadratmeter Ausstellungfläche rund um die Eingangshalle. Hinzu kommen unter anderem Werkstätten, verschiedene Kunstinstitute, eine Bar, ein Restaurant und ein Buchladen. Auf dem Dach wurde ein Skulpturengarten eingerichtet. Zudem befindet sich in den obersten beiden Stockwerken ein luxuriöses Hotel. Passenderweise glitzern denn auch die Fensterfronten in diesem Bereich wie Kristalle im Sonnenlicht: Sie setzen sich aus dreieckigen Facetten zusammen.

An dem Projekt beteiligt ist übrigens auch der ehemalige Chef von Puma, Jochen Zeitz. Er hat für das Museum seine private Kunstsammlung gestiftet. Deswegen auch der Name «Zeitz Museum of African Contemporary Art». Gut möglich, dass das Gebäude wegen seiner Architektur auch weniger Interessierte auf seine Kollektion oder vielmehr auf afrikanische Kunst neugierig macht. Ab heute wird es sich zeigen: Das Museum öffnet offiziell seine Pforten. (mai)

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