12:07 BAUBRANCHE

Kanton Luzern: Hochwasserschutz-Massnahmen haben sich bewährt

Teaser-Quelle: zvg, Staatskanzlei Luzern

Die Niederschläge der letzten Wochen liessen die Pegel des Vierwaldstättersees und der Flüsse im Kanton Luzern stark ansteigen. Grössere Schäden blieben aber aus. Der Kanton zieht eine Zwischenbilanz: Die Hochwasserschutz-Massnahmen zeigten Wirkung.

Strassensperrungen beim Regierungsgebäude in Luzern

Quelle: zvg, Staatskanzlei Luzern

Strassensperrungen beim Regierungsgebäude.

Die Starkniederschläge in den letzten Wochen füllten Bäche, Flüsse und Seen im Kanton Luzern. Von den intensiven Gewittern von Anfang Juni bis Juli war vor allem das Wiggertal betroffen. Der Vierwaldstättersee, die Reuss und die Kleine Emme erreichten teils hohe bis sehr hohe Pegelstände. Das Hochwasserereignis erinnere stark an jenes von 2005, lässt sich laut einer Mitteilung der Staatskanzlei Luzern aber hinsichtlich der Abflussmengen in der Kleinen Emme und in der Reuss nicht mit jenem Jahrhundertereignis vergleichen.

Eine erste Zwischenbilanz des diesjährigen Ereignisses zeige jedoch: Die Massnahmen für den Hochwasserschutz, die seit 2005 im Kanton Luzern umgesetzt wurden, hätten sich bewährt und den Kanton vor grösseren Schäden bewahrt. Die Gefahrenkarten zeigen aber auch, dass das Hochwasserrisiko im Kanton nach wie vor hoch ist und noch viele Projekte umgesetzt werden müssen.

Grosse Investitionen in Hochwasserschutz seit 2005

Beim Hochwasserereignis von 2005 entstanden im Einzugsgebiet der Kleinen Emme und der Reuss Schäden von rund 345 Millionen Franken. Bund, Kantone und Gemeinden hätten im Nachgang viel in die Vorsorge und die Prävention zum Schutz vor Hochwasser investiert. Auch der Kanton Luzern. 2011 wurde etwa das Reusswehr für rund 23 Millionen saniert und für die Zukunft fit gemacht.

Auch bei der Kleinen Emme wurden verschiedene Massnahmen für den Hochwasserschutz realisiert – unter anderem wurde die Abflusskapazität am Seetalplatz ausgebaut und eine neue Holzrückhalteanlage  in Ettisbühl gebaut. Bis heute seien insgesamt rund 72 Millionen Franken entlang der Kleinen Emme verbaut worden, wie die Staatskanzlei weiter mitteilt.

Kleine Flüsse und Bäche bergen ebenfalls ein grosses Schadenpotenzial bei Unwettern, heisst es weiter. Auch hier investiere der Kanton viel in den Hochwasserschutz. Beim Götzentalbach in Dierikon wurde so etwa der Abschnitt Dörfli offengelegt und ausgebaut sowie verschiedene Hochwasserrückhaltebecken beispielsweise in den Gemeinden Buttisholz und Menznau realisiert.

Angespannte Hochwasser-Situation beim Reusswehr in Luzern

Quelle: zvg, Staatskanzlei Luzern

Angespannte Hochwasser-Situation beim Reusswehr.

Investitionen von 50 Millionen pro Jahr für Hochwasserschutz

Extremereignisse wie Starkniederschläge würden in Zukunft häufiger auftreten. Obwohl schon einiges realisiert wurde, stehen laut Staatskanzlei noch viele wichtige Hochwasserschutzprojekte in der Pipeline. Der Kanton werde dafür gemäss dem Massnahmenprogramm 2020 bis 2024 zum Schutz vor Naturgefahren in den kommenden Jahren durchschnittlich 50 Millionen Franken pro Jahr in den Hochwasserschutz investieren.

Insbesondere das noch ausstehende Hochwasser- und Renaturierungsprojekt Reuss werde vorangetrieben. Dieses soll die Bevölkerung und die Unternehmen im Reusstal schützen und rund 200 Millionen Franken kosten. Die Dämme an der Reuss sind ungefähr 150 Jahre alt. Aufgrund einer möglichen Durchsickerung oder bei Überströmung sei ihre Stabilität nicht gewährleistet, wodurch ein Dammbruch nicht ausgeschlossen werden könne, heisst es weiter.

«Das Schadenpotenzial in diesem dicht besiedelten Wohn- und Wirtschaftsstandort ist nach wie vor enorm hoch», so Regierungsrat Fabian Peter, Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements im Communiqué. «Um die Bevölkerung, die Infrastruktur und die Wirtschaft zu schützen, müssen wir weiterhin in diese Richtung investieren. Es gibt in Sachen Hochwasserschutz noch einiges zu tun.»

Weniger Risiken mit naturgefahrengerechtem Bauen

Der Hochwasserschutz werde primär durch den Unterhalt der Gewässer und durch raumplanerische Massnahmen gewährleistet. Mit dem Gewässerunterhalt sollen die Gewässer, Bauten und Anlagen so unterhalten werden, dass sie ihre Funktionen stets erfüllen. Die risikoorientierte Raumplanung sowie das naturgefahrengerechte Bauen tragen laut Staatskanzlei entscheidend zur nachhaltigen Steuerung der Hochwasserrisiken bei. Dort, wo diese Massnahmen nicht ausreichen, würden wasserbauliche Massnahmen getroffen.

Vorbereitungen Stadt Luzern gegen Hochwasser

Quelle: zvg, Staatskanzlei Luzern

Vorbereitungen der Stadt Luzern für das Hochwasser.

Der betriebliche Gewässerunterhalt an den grossen Fliessgewässern sowie der bauliche Gewässerunterhalt und der Wasserbau sind in der Zuständigkeit des Kantons. Der betriebliche Gewässerunterhalt an allen anderen Gewässern sowie die raumplanerischen Massnahmen sind hingegen Aufgabe der Gemeinden.

Gemeinden erstellen Gefahrenkarten

Zum Hochwasserschutz gehören zudem weitere Massnahmen: In den letzten Jahren haben beispielsweise die Gemeinden für ihre Siedlungsgebiete Gefahrenkarten erstellt. Weiter gibt es seit 2005 eine flächendeckende Notfallplanung der Feuerwehren. Die Einsatzkräfte trainieren die Bewältigung von Unwetterereignissen gemeinsam mit den Fachleuten der kantonalen Abteilung Naturgefahren aus der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur sowie den Behörden.

Obwohl sich die Situation aktuell beruhige und die Pegelstände zurückgehen würden, sei noch immer Vorsicht geboten, betont die Luzerner Staatskanzlei. Die Wettervorhersagen würden für das kommende Wochenende eine wieder zunehmende Gewitter- und Schauerneigung zeigen. In der Nähe von Gewässern gelte es deshalb weiterhin, wachsam zu bleiben. (mgt/pb)

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