11:09 BAUBRANCHE

Gibt es den Sand nicht mehr "wie Sand am Meer"?

Wenn es etwas gibt "wie Sand im Meer", dann ist damit die Vorstellung von unerschöpflichem Überfluss verbunden. Er ist auch immer da wenn man ihn braucht. Doch die Sandressourcen sind endlich. Im Wissenschaftsmagazin "Science" warnen Forscher vor weiterem, ungebremstem Sandabbau.

Dabei geht es nicht in erster Linie um die Orte, wo der Sand verbraucht sondern wo Sand abgebaut wird. Dies schreiben deutsche und amerikanische Forscher in der jüngsten Ausgabe des Magazins. Sand ist "billig" und einfach abzubauen, das Verständnis über die wahren Kosten der Sandgewinnung wird dabei kaum je mit einbezogen. Laut Mitautorin Aurora Torres vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Halle, gilt Sand als sogenanntes Allmendegut oder "Common-Pool"Ressource. Das bedeutet, dass nahezu jeder Zugang zu dieser Ressource hat, womit sich der Abbau nur schwer reglementieren lässt.

Die Folgen extensiven Sandabbaus

Stichworte dazu sind Küstenerosionen, Störung der Biodiversität, das heisst Zerstörung von Lebensräumen von Tieren, Insekten, Pflanzen, Schaffung von Brutstätten für Moskitos mit Mallariaerregern infolge entstehender Teiche auf Grund extensiven Sandabbaus. Verstärkter Sandabbau führt zum Beispiel im Mekong-Delta und in anderen asiatischen Küstengebieten zu Grundwassermangel, zu Bodenabsenkungen und damit dazu, dass Meerwasser immer weiter in das Land vordringt und Böden und Trinkwasser versalzt.

Torres und ihre Kollegen sehen im forcierten Sandabbau in den Küstengebieten und damit in der Erosion von Ufern und Küsten auch eine erhöhte Anfälligkeit für Naturkatastrophen wie Hochwasser, Sturmfluten oder Tsunamis.

Viele Sandvorkommen sind ausgebeutet, übernutzt und die immer dichtere Besiedelung der Küstenregionen, der steigende Meeresspiegel und die auch damit verbundene Erosion führt dazu dass viele Sandvorkommen verschwinden und nicht mehr zugänglich sind.

Sand im internationalen Getriebe

Gleichzeitig steigt die weltweite Nachfrage nach Sand. Als Haupttreiber wird die rasante Expansion der Städte ausgemacht. Dabei mangelt es an fundiertem Wissen wie viel nutzbaren Sand es weltweit gibt, ebenso fehlt heute noch der Wille, die explodierende Nachfrage in geregelte Bahnen zu lenken. Gemäss Torres führen Knappheit und hohe Profite heute schon zu politischen Konflikten, Kriminalität und Gewalt – "In Indien gilt die Sand-Mafia schon jetzt als eine der mächtigsten gewalttätigsten Gruppen des organisierten Verbrechens". So gibt es Spannungen, weil der eine dem anderen buchstäblich den Sand abgräbt. So importiert das wohlhabende Singapur grosse Mengen Sand für die Landgewinnung aus den umliegenden ärmeren Regionen.

Internationale Kontrolle?

Gemäss den Autoren dieser Studien ist es nötig, das wirkliche Budget der globalen Ressource Sand zu kennen, auch die versteckten Kosten der Sandgewinnung. Nur auf dieser Basis wäre eine gerechte Nutzung möglich. Dazu fordern sie mehr Koordination zwischen nationalen und internationalen Akteuren, eine Überwachung und Genehmigungsregelungen für den Abbau und ein System der Ausgleichszahlungen für die ökologischen und sozialen Folgen.

Bis es soweit ist, dürfte noch viel Sand abgebaut werden. (mai)

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