Schlechte Noten von Firmen für Zürichs Wohnangebot und Steuerbelastung
Wohnangebot und Steuerbelastung sorgen in der Stadt Zürich bei Firmen für Unzufriedenheit. Dies ist eines der Resultate der Firmenbefragung der Stadt Zürich, der sechsten seit 2005. Weiter zeigt sie, dass viele Firmen erwarten, dass die Standortattraktivität abnimmt, aber die Lebensqualität sehen.
Quelle: Patrick Federi, Unsplash
Im Werdhochhaus (links im Bild) ist das Finanz- und Sozialdepartement der Stadt Zürich untergebracht.
Wie die Stadt Zürich mitteilt, liegt die Gesamtzufriedenheit bei einer Note von 4,65, wobei die 6
die
Bestnote wäre. Sie sei leicht tiefer als in den vorherigen Befragungen,
aber weiterhin gut, heisst es in der Medienmitteilung der
Stadt. Die letzte Befragung hat im Sommer 2021 stattgefunden, hatte die Gesamtzufriedenheit eine Note von 4,88 erhalten.
Insgesamt haben 1499 Unternehmen und Selbstständige an der Umfrage teilgenommen, abngefragt worden sind 4000. Total zählt die Stadt Zürich über 50'000 Betriebe. Die Ergebnisse sollen laut dem Bericht zur Umfrage in die strategische Weiterentwicklung der Stadt einfliessen.
Note 2,4 für Wohnungsangebot, Note 3 für Steuerbelastung
In der aktuellen Umfrage sind beinahe alle Standortfaktoren etwas besser beurteilt worden, als in den vorangegangenen Umfragen. Dennoch: Am schlechtesten wurde das Wohnungsangebot bewertet, seine Note fiel von 3,0 auf 2,4. Laut Stadt erachtet das Wohnungsangebot allerdings nur rund der Hälfte der Firmen für sie als wichtig. Am zweitschlechtesten kam die Steuerbelastung weg: Sie erhielt die Note 3,0.
Mehrheitlich positiv werden die Faktoren «Lebensqualität», «Sicherheit im öffentlichen Raum», «Kundenpotenzial/Absatzmarkt» und «Digitale Infrastruktur» beurteilt. Die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr sei nach wie vor hoch, während Aspekte des motorisierten Verkehrs wie in den bisherigen Befragungen deutlich weniger gut beurteilt würden, schreibt die Stadt.
Firmen wollen in der Stadt Zürich mehr mitreden können
Ziemlich zufrieden sind die Firmen mit der städtischen und kantonalen Verwaltung. Die meisten Stellen erhielten laut Umfrage mindestens die Note 4. Allerdings würden sich die Befragten wünschen, bei wirtschaftspolitischen Themen und bei Veränderungen am Standort besser mitreden zu können. Nur 16 Prozent sind in diesem Punkt zufrieden. Seit der ersten Befragung 2005 habe sich die Welt stark geändert, resümierte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) vor den Medien bei der Präsentation der Umfragersultate. Die vielen Unsicherheiten würden sich wohl in den Erwartungen niederschlagen. "Der Standort wird immer noch als gut angesehen, es gibt aber Warnsignale."
Produzierende Unternehmen kritisieren schwierige Verkehrsverhältnisse
Nicht schlecht lief es in der Stadt Zürich für die Firmen selbst: In den letzten zwei Jahren konnten 35 Prozent ihren Umsatz steigern, bei 39 Prozent blieb er gleich hoch. Sie blicken zudem eher optimistisch in din Zukunft: Bei der letzten Befragung 2021 gab es die Gesamtnote 4,88. Damals schauten 1436 Firmen eher optimistisch in die Zukunft.
Produzierende Unternehmen gaben der Stadt allerdings nur eine Durchschnittsnote von 3,49. Die Gründe: Schwierige und enge Verkehrsverhältnisse, zu knapper Raum sowie die vielen Auflagen und Vorschriften der städtischen Behörden. Die produzierenden Unternehmen zeigten sich 2025 noch unzufriedener. Sie gaben der Stadt nur die Note 3,17. Als Gründe nannten sie hohe Mietkosten und fehlende Räume, den Verkehr und die Erreichbarkeit. 16 Prozent der Befragten schätzten sich als produzierend ein.
Gewerbe kritisiert schlechte Parkplatzsituation in Zürich
Kritisch äusserte sich das Gewerbe. "Wir sehen das etwas weniger rosig", sagte Nicole Barandun, Präsidentin des Gewerbeverbands der Stadt Zürich, vor den Medien. Das Ergebnis könnte durchaus besser sein. Noch nie hätten so viele Firmen eine sinkende Standortattraktivität erwartet. Die Parkplatzsituation werde sehr schlecht bewertet, sagte Barandun. Das Gewerbe sei darauf angewiesen.
Auch die City-Vereinigung war nicht sehr begeistert. Erreichbarkeit sei ein Schlüsselfaktor. "Die Innenstadt lebt von Erreichbarkeit, Vielfalt und Frequenz. Wenn diese Faktoren unter Druck geraten, betrifft das ihre Zukunft unmittelbar", sagte Präsident Milan Prenosil. Ebenso zeige sich eine wachsende Frustration über administrative und regulatorische Hürden. "Zürich ist stark, aber das ist nicht selbstverständlich", erklärte Prenosil. Für eine lebendige Innenstadt müssten die Bedürfnisse des Handels und der Gastronomie mitgedacht werden.
Ähnlich sieht es Ptrik Meli, Präsident dees Industrieverbands Zürich: Ohne Logistik gebe es keine Industrie. Materialien müssten zuverlässig angeliefert werden können. "Wir brauchen Planungssicherheit und funktionierende Rahmenbedingungen", sagte Meli. (sda/mai/mgt)