10:08 BAUBRANCHE

Empa-Forscher entwickeln Mini-Abwasserreinigung aus Blaualgen

Teaserbild-Quelle: Empa

Cyanobakterien – im Volksmund Blaualgen genannt – gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde. Materialforschende der Empa haben die Bakterien nun so beschichtet, dass sie Schadstoffe mittels einer chemischen Reaktion aus Abwasser eliminieren können.

Mikrofarn

Quelle: Empa

Künstlich hergestellte Mikrofarne wurden mit Zinkoxid, Zinksulfid und Nickel beschichtet. Elektronen-mikroskopische Aufnahme, nachkoloriert.

Die Forscher überzogen rund vier Mikrometer dünne, geschraubte Schnüre von Cyanobakterien zunächst mit einer feinen Hülle aus Nickel. Einer Zwiebelschale gleich folgten darauf zarte Schichten aus Zinkoxid und Zinksulfid-Nanopartikeln. Diese Zinkverbindungen werden unter Sonnenlicht photokatalytisch aktiv: Sie oxidieren und neutralisieren gewisse Schadstoffe unter Lichteinwirkung. 

«Mit der photokatalytischen Aktivität der beschichteten Algen sollte ein nachhaltiger, einfacher und günstiger Prozess für die Wasseraufbereitung genutzt werden können», sagte die Empa-Forschende Laetitia Philippe gemäss einer Mitteilung des Instituts vom Donnerstag. So erreichte sie gemeinsam mit ihrem Team das Ziel, Abwasser von persistenten organischen Schadstoffen zu befreien. 

Kraftstoffe aus Algenrückständen 

Nachdem die Bakterien die Schadstoffe zu leicht abbaubaren Produkten abgebaut haben, bleiben sie als Mini-Kraftwerke übrig. Die magnetische Nickelbeschichtung hilft dabei, die winzigen Algen aus dem Wasser herauszufischen. «Aus der Biomasse können Biokraftstoffe hergestellt werden», erklärte Philippe. So lassen sich die Algenrückstände zu Bioethanol, Biodiesel und Pellets pressen. 

Die Gewinnung der Blaualgen ist denkbar einfach: Zum einen kommen sie häufig in Gewässern und an Land vor. Zum anderen lassen sie sich mit Licht, Wasser und Dünger mit rasanter Geschwindigkeit in grossen Mengen züchten. Dabei verbrauchen sie nicht nur Kohlendioxid – durch das Einleiten von zusätzlichem Kohlendioxid in die Blaualgenkultur lässt sich die CO2-Bilanz der Methode noch verbessern. 

Laetitia Philippe ist denn auch zuversichtlich, dass sich die im Fachmagazin «Advanced Science» vorgestellte Technologie nicht nur im Labor, sondern künftig auch in grösseren Massstäben bewähren kann. (sda)

Blaualge Spirulina

Quelle: Empa

Die Blaualge Spirulina, deren Form an einen winzigen Tauchsieder erinnert, eignet sich besonders für Biotemplating, da ihre kompakte Wendel-Struktur zur effizienten Nutzung des Sonnenlichts beiträgt.

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