10:05 BAUBRANCHE

Bauregion Bern verschafft sich Verschnaufpause

Geschrieben von: Stefan Schmid (sts)
Teaserbild-Quelle: Kaspar Thomas

Der Kanton kann nach einem solides Finanzergebnis ausweisen. Das Bevölkerungswachstum verlagert sich auf Gemeinden nahe den Ballungsgebieten, weil in den Städten Bern und Thun das Wohnungsangebot knapper geworden ist. Der Bedarf nach Büroflächen dürfte stagnieren. Diskutiert wird auch eine Neugestaltung der Spitallandschaft. Bei der Erschliessung nachhaltiger Energiequellen ist der Kanton breit aufgestellt.

Ausserholligen Stadt Bern

Quelle: Kaspar Thomas

Ausserholligen im Westen der Stadt Bern entwickelt sich rasant. Ein Teil der Familiengärten muss dem Ausbau der Volksschule Stöckacker weichen, ein anderer Bereich soll künftig als öffentlich zugänglicher Spiel- und Erholungsraum dienen. Ab 2025 wird zudem die S-Bahnhaltestelle Europaplatz Nord neu gebaut.

Die Berner Kantonsregierung hat sich vorletztes Jahr gründlich verschätzt. Denn statt eines Defizits resultierte bei der Jahresrechnung 2022 ein Überschuss von 350 Millionen Franken. Juristische Personen lieferten letztes Jahr 141 Millionen mehr in die Staatskasse ab als geplant. Hinzu kommen höhere Grundstückgewinnsteuern von 52 Millionen Franken aufgrund des boomenden Immobilienmarkts. 

Auch waren die Belastungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Pandemie und der Abfederung der Covid-Massnahmen um 67 Millionen Franken geringer als budgetiert. Dagegen reduzierten sich die Steuereinnahmen von Privatpersonen um 23 Millionen Franken. Obwohl der Investitionsbedarf in die staatlichen Infrastrukturen weiterhin hoch bleibt, wurden netto 354 Millionen Franken investiert (Vorjahr: 401 Mio. CHF). 

Erstmals wieder Bilanzüberschuss

Zuwendungen aus dem interkantonalen Finanzausgleich und eine Gewinnausschüttung von 480 Millionen Franken der Schweizerische Nationalbank (SNB) trugen ebenfalls dazu bei, dass der Kanton erstmals seit 1990 wieder ein Bilanzüberschuss ausweisen konnte. Wegen der hohen Verluste der SNB im letzten Jahr dürften die Ausschüttungen an die Kantone aber in diesem Jahr aller Voraussicht nach versiegen.

Mit dem Überschuss konnte der Kanton die Schuldenlast unter acht Milliarden Franken drücken, die Ende der 1990er-Jahre noch zehn Milliarden Franken betrug. Die Regierung will in den nächsten vier Jahren die Schulden um 800 Millionen Franken abbauen, wozu sie aufgrund der Schuldenbremse verpflichtet ist. Zudem verfolgt die Regierung das Ziel, die Steuern für natürliche wie juristische Personen zu senken. 

2024 sollen in einem ersten Schritt die Einkommenssteuern um 0,5 Prozent und die Gewinnsteuern um zwei Steuerzehntel gesenkt werden, was Unternehmen um 30 Millionen und Privatpersonen um 72 Millionen Franken entlasten soll. Die Steuersenkungen fallen in eine Zeit, in welcher der Wirtschaftsraum Bern ein überdurchschnittliches Wachstum hinlegte.

Wirtschaftsmotor läuft gut

In den Jahren 2021 und 2022 wuchsen die meisten Branchen im Wirtschaftsraum wieder kräftig und lagen damit über dem Schweizer Durchschnitt. Und im Krisenjahr 2020 fielen die Wachstumsraten des Bruttoinlandproduktes (BIP) laut einer Analyse von BAK Economics weniger stark als in anderen Regionen. Die Branchenverteilung im Wirtschaftsraum Bern biete eine gewisse Stabilität, weil sich insbesondere öffentliche Verwaltungen und das Gesundheitswesen stabilisierend auswirkten. Verglichen wurde der Wirtschaftsraum mit den Agglomerationen Zürich, Basel, Genf, Lausanne und Luzern. Der Wirtschaftsraum Bern, der 31 der 75 Gemeinden der Regionalkonferenz Bern-Mittelland umfasst, ist der Wachstumsmotor des Kantons.

Doch Bern ist auch im kantonalen Vergleich ein Schwergewicht. Gemessen am mittleren kantonalen BIP der Jahre 2008 bis 2020 generiert der Kanton zusammen mit Zürich, Waadt und Genf fast die Hälfte der Schweizer Wirtschaftsleistung. Zwar verzeichnete Bern auch 2022 schweizweit die höchsten Gewinnsteuersätze, doch lagen diese nur unwesentlich über jenen von Zürich.

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Redaktor Baublatt

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