Trift-Stausee: KWO prüft andere Erschliessung
Der geplante Trift-Stausee der Kraftwerke Oberhasli soll nicht mehr vom Gadmen-, sondern vom Aaretal her erschlossen werden. Grund dafür ist der wachsende Widerstand der Gemeinde Innertkirchen, zu der Gadmen gehört
Quelle: Terra3, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Der Triftsee hats ich durch das Abschmelzen des Triftgletschers gebildet. Nun soll er zur Stromgewinnung genutzt werden.
Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) planen seit 2014 den Neubau eines Speichersees mit Kraftwerk am Triftsee. Dieser hatte sich zum Beginn der Nullerjahre durch das Abschmelzen des Triftgletschers gebildet. Das Projekt ist Teil der strategischen Ausbauvorhaben der Wasserkraft des Bundes und im Stromgesetz verankert.
Ende 2025 einigten sich die KWO mit dem Kanton Bern und Umweltverbänden auf Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Biodiversität und Landschaft. Die Umweltverbände sicherten im Gegenzug zu, auf Beschwerden zu verzichten.
Quelle: PD
Der geplante Speichersee samt Wasserkraftwerk.
Böses Blut im Oberland
Doch bei diesem Kompromiss fühlen sich mehrere Oberländer Gemeinden übergangen und nicht gehört: In Innertkirchen fühlt man sich vom Kanton Bern gar übertölpelt, weil sich dieser legal 13 Quadratkilometer herrenloses Land beim Steingletscher einverleibte. Dieses will er den KWO fast zum Nulltarif als ökologische Ausgleichsfläche zuschlagen.
Die Gemeinde sieht ihren Handlungsspielraum beschnitten, wehrt sich gegen die geplanten Schutzflächen und kritisiert die zu tiefe Entschädigung. Die KWO wiederum sprechen von einem «blockierten Dialog» und weist darauf hin, dass man die Standortgemeinde und die Bevölkerung im Gadmental jährlich informiert und aufgrund von geäusserten Bedenken die Projektpläne mehrfach angepasst hat.
Zudem habe sich das Unternehmen zu freiwilligen gesellschaftlichen und touristischen Ausgleichsmassnahmen in der Höhe von sieben Millionen Franken bekannt. Die Gemeinde hat gemäss KWO die Vorschläge bezüglich gesellschaftlicher und touristischer Ausgleichsmassnahmen abgelehnt und vor Weihnachten «die Gespräche mit der KWO abgebrochen».
Kehrtwende nach blockierten Gesprächen
Weil die Gespräche mit der Gemeinde Innertkirchen blockiert sind, prüfen die Kraftwerke Oberhasli nun eine andere Erschliessungsvariante für den geplanten Stausee: Statt vom Gadmental aus soll der Stausee vom Aaretal, also von Guttanner Seite her, durch unbewohntes Gebiet erschlossen werden. Damit wäre die Länge sämtlicher Erschliessungsstollen insgesamt rund 8 Kilometer, 3 Kilometer mehr als im Gadmental.
Die Variante vom Aaretal her bietet laut KWO höhere Planungssicherheit und ist mit der Grimselstrasse logistisch gut erschlossen. Das Energieunternehmen sieht sich verpflichtet, «dieses regional und national wichtige Winterspeicherprojekt an der Trift zu realisieren, insbesondere auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit in der Schweiz».
So soll der Stausee bei maximalem Pegelstand aussehen.
Ein bis zwei Jahre Verzögerung
In einem nächsten Schritt tätigen die KWO nun ökologische und geologische Abklärungen sowie Erhebungen auf dem betroffenen Gebiet, auf dem Deponien und Installationsflächen zu stehen kommen sollen. Die KWO haben diese Fläche bereits für Bauvorhaben in den 1970er- und 2000er-Jahren genutzt.
Die Geologie im Aaretal ist der KWO grösstenteils bekannt, weil im selben Bereich bereits seit Jahrzehnten ein wasserführender Stollen vom Aaretal an die Trift führt. Dennoch müssen für diese Variante zusätzliche Erhebungen gemacht und die Projektplanung angepasst werden. Die KWO rechnen hierfür mit einem Aufwand von ein bis zwei Jahren. (SDA/bk)