Mit Drehflügeln unterwegs zur Jurahöhe
Dieser Tage sind zwischen Vallorbe und Romainmôtier Spezialtransporte mit Rotorblättern unterwegs zum Windpark «Sur Grati». Logistisch handelt es sich um eine Meisterleistung. Sechs Windkraftanlagen werden bald den Stromverbrauch von 11 000 Haushalten decken.
Quelle: VOé – DR
Um mit einem Rotorblatt die Kurve zu kriegen, ist der Transport weit im Voraus minutiös zu planen. Vor Ort muss fast im Zentimeterbereich gezirkelt werden.
Die spektakulären Transporte der riesigen Rotorblätter für den Windpark «Sur Grati» ziehen derzeit im Waadtländer Jura die Blicke auf sich. Seit mehreren Tagen liefern Spezialtransporte die gigantischen Rotorblätter einzeln an. Heute transportierte ein Speziallastwagen das vierte Rotorblatt zum Bestimmungsort. Anschliessend werden sie an den bereits errichteten Turm und die Nabe montiert. Zwischen Vallorbe und Romainmôtier entsteht der künftig zweitgrösste Windpark der Schweiz nach demjenigen von Mont Crosin BE. Die sechs Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe bis zu 210 Metern inklusive Rotorblättern entstehen auf Juraweiden entlang eines rund eines rund 2,5 Kilometer langen Grats.
Per Bahn aus Deutschland
«Der Transport der Rotorblätter ist bereits eine Herausforderung für sich. Sie werden aus Deutschland per Bahn nach Basel gebracht und anschliessend mit Lastwagen zur Baustelle transportiert», sagte Thierry Zeller, Co-Direktor von Voé éole, der Nachrichtenagentur Sda. Ein Rotorblatt ist 57,5 Meter lang und wiegt rund 19 Tonnen. Die drei Rotorblätter jeder Anlage werden nicht am Boden montiert, sondern direkt an der bereits auf dem Turm installierten Nabe befestigt, erklärte Zeller weiter. Dazu kommt ein Spezialkran zum Einsatz, der die Rotorblätter in knapp 150 Metern Höhe montiert.
Betriebstart für Herst 2027 vorgesehen
Sofern das Wetter mitspielt, soll die erste Windkraftanlage bis Ende August fertig montiert sein. Die fünf weiteren Anlagen sollen im Verlauf des Herbstes folgen. «Der Zeitplan wird derzeit eingehalten. Wenn alles planmässig verläuft, sollen die sechs Windenergieanlagen im Herbst 2027 in Betrieb gehen», sagte Zeller. Der Wanderweg auf der Alp bleibt während der Bauarbeiten zugänglich und abgesichert.
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Die Fundamente müssen gewaltige physikalische Kräfte aufnehmen. Ein Drehflügel misst 57,5 Meter und wiegt 19 Tonnen.
Die jährliche Produktionskapazität wird – je nach gewähltem Modell – auf 44,5 bis 49,2 Gigawattstunden (GWh) geschätzt. Das entspricht dem Stromverbrauch von rund 11000 Haushalten. Hinter dem Projekt stehen die Gemeinden Premier, Vallorbe und Vaulion sowie die Gesellschaft Voé éole.
Jahrelanger Rechtsstreit
17 Jahre lang hatte ein erbitterter Rechtsstreit den Bau des Windparks verhindert. Erst vor einem Jahr wies das Bundesgericht die Beschwerde der Umweltschutzvereinigung Paysage-Libre Vaud gegen die Baubewilligung für das Kraftwerk ab. Die Beschwerde richtete sich gegen ein Urteil des Waadtländer Kantonsgerichts von 2024, das den Umweltschützern ein Beschwerderecht abgesprochen hatte. (sda/sts)