Basel: Möglicher Legionellen-Infektionsherd in Kühlanlagen ist beseitigt
Infolge eines Legionellenausbruchs sind in Basel in den letzten zwei Wochen 26 Menschen erkrankt, davon ist eine Person verstorben. Wie das Gesundheitsdepartement heute mitteilte, ist der wahrscheinlichste Ausbruchsherd bekannt und konnte eliminiert werden. Es handelt sich um Kühlanlagen.
Quelle: CDC/James Gathany - CDC Public Health Image Library (ID#: 7925), Gemeinfrei
Legionellenkolonien auf einer Agarplatte; sie sind mit ultraviolettem Licht beleuchtet, um den Kontrast zu verstärken.
Vergangenen Freitag hatten die Behörden zwei Kühlanlagen auf einem Dach eines Bürogebäudes an der Kleinbasler Rebgasse stillgelegt. Dies erklärte der Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (Mitte) bei einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. "Die uns bekannten möglichen Infektionsquellen sind damit beseitigt." Weitere Anlagen stünden unter Beobachtung. Diese Nasskühltürme, die Wärme aus Industrie, Gebäuden oder Kälteanlagen an die Umgebung abgeben, waren mit Legionellen kontaminiert gewesen. Auf Betreiben des GD wurden sie ausser Betrieb genommen und es ist eine Sanierung vorgesehen.
Von den bislang 26 Erkrankten mussten 25 hospitalisiert werden. Aktuell befinden sich noch neun in stationärer Behandlung. Sieben Menschen wurden auf der Intensivstation behandelt, eine Person ist sich noch immer dort. Das GD stellte im Kleinbasel eine Häufung der Fälle von der Legionärskrankheit fest. Das Auftreten eines solchen Clusters legte nahe, dass es eine oder mehrere gemeinsame Ansteckungsquellen gibt, in diesem Fall die Kühlanlagen. Ist ein Kühlturm kontaminiert, kann der ausgestossene Wasserdampf ansteckende Wassertröpfchen enthalten.
Wegen der Inkubationszeit ist es möglich, dass in den nächsten Tagen noch mehr Fälle auftauchen werden, wie die stellvertretende Kantonsärztin Eva Würfel sagte. Legionellenausbrüche seien in den letzten Jahren schon in anderen Schweizer Städten wie Zürich, Lugano und Genf beobachtet worden. Aussergewöhnlich an diesem Fall in Basel sei jedoch, dass die wahrscheinlichste Quelle ausfindig gemacht werden konnte, sagte Würfel. Nebst besagter Anlage im Kleinbasel hat das Kantonslabor auch weitere Kühltürme untersucht. Bei sechs Anlagen wies es ebenfalls Legionellen nach, jedoch Arten, die den Menschen nicht krank machen, wie Kantonschemiker Yves Parrat sagte. Kühltürme sind beim Kanton nicht meldepflichtig. Deshalb empfahl Parrat, dass sich Betreiber weiterer grösserer industrieller Anlagen beim Kantonslabor zwecks Proben melden sollten.
Neben Nasskühltürmen auch Wasserleitungen, Wasserhähne, Duschköpfe und Whirlpools
Desinfektionsmittel können die Ausbreitung von Legionellen bremsen. Aufgrund der Klimaveränderungen seien die Dosierungen anzupassen, sagte Parrat weiter. Möglicherweise begünstige die aktuelle Hitze die Vermehrung dieser Bakterien. Daher brauche es entsprechende Feineinstellungen, um der Erwärmung des Wassers in den Anlagen zu begegnen, wobei dieser Punkt noch wissenschaftlich untersucht werden müsse. Legionellen können sich besonders gut in Anlagen vermehren, in denen Wasser nicht ständig erneuert wird und Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad herrschen. Dazu gehören nebst Nasskühltürmen auch Wasserleitungen, Wasserhähne, Duschköpfe und Whirlpools. Klimaanlagen und Wärmepumpen in Privathaushalten sind gemäss GD nicht betroffen.
Die Legionärskrankheit kann zu einer leichten bis schweren Lungenentzündung führen und in manchen Fällen trotz Antibiotikabehandlung tödlich verlaufen. Eine leichte Form der Legionellen-Infektion ist das Pontiac-Fieber mit Grippesymptomen, das innerhalb weniger Tage ausklingt. Wie viele Personen in Basel an Pontiac-Fieber betroffen sind, ist nicht diagnostiziert, wie Eva Würfel sagte. (sda/mai)