Wo Biber bauen, speichert der Grund vermehrt Kohlenstoff
Biber können nicht nur ganze Landstriche unter Wasser setzen, sondern auch dafür sorgen, dass der Grund verstärkt Kohlenstoff speichert. Dies ist das Resultat einer internationalen Studie. Das Untersuchungsobjekt: der Bibersee beim zürcherischen Marthalen, einer der schweizweit grössten seiner Art.
Quelle: NPS Photo / Emily Mesner, NPGallery, Gemeinfrei
Biber sind kleine Baumeister, sie legen bisweilen riesige Systeme aus Dämmen an.
Das Niederholz bei Marthalen im Zürcher Weinland birgt ein besonderes Kleinod: eine beinahe mystisch anmutende, kleine Auenlandschaft oder vielmehr einen der grössten Biberseen der Schweiz. Angelegt wurde er von einer Biberfamilie, die hier seit rund 20 Jahren zu Hause ist und den geraden Lauf des Mederbachs im Laufe der Zeit derart bearbeitet hat, dass sein Wasser schliesslich die Umgebung flutete. Laut Pro Natura siedelten sich im Zuge dessen wieder einige Arten an, zum Beispiel die Gelbbauchunke, der Pirol oder die Binsenjungfer.
Biber, nützliche Wasserbauingenieure?
Die tierische Infrastruktur hat laut einer Internationalen Forschungsgruppe allerdings noch einen weiteren Vorteil: Ein Team unter Leitung der Universität Bern sowie der Universitäten von Birmingham (UK) und Wageningen (NL) hat im Rahmen einer Studie untersucht, wie stark die Bautätigkeit von Bibern den Kohlenstoffkreislauf verändert und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die tierischen Bauingenieure Flussbette so verändern, dass sie weniger Kohlenstoffdioxid in die Luft freisetzen. Konkret speichern die von den Bibern angelegten Gebiete bis zu zehnmal mehr Kohlenstoff als vergleichbare in denen Biber nicht aktiv sind.
Das funktioniert so: Mit dem Bau von Dämmen werden die Flussauen überschwemmt, in der Folge entstehen Feuchtgebiete. Weil sich die Grundwasserfliesspfade verändern werden auch grosse Materialmengen zurückgehalten, etwa pflanzliche und tierische Überreste, Sand, Schluff oder Ton und damit auch Kohlenstoff. Die Unterschiede zwischen von Bibern angelegten Feuchtegebieten und vergleichbaren Gebieten ohne Biber sind markant: Wo die Nager ihren Bauprojekten fröhnen, speichert der Grund zehn Mal mehr Kohlenstoff als ein vergleichbares Stück Land ohne Biber.
10,1 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar und Jahr
Wie die Untersuchungen des Teams zeigen, wurden über einen einen Zeitraum von 13 Jahren in dem Feuchtgebiet bei Marthalen schätzungsweise 1194 Tonnen Kohlenstoff gespeichert, was 10,1 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar und Jahr entspricht. «Dies sind sehr hohe Werte. Bekannte Massnahmen in der Landwirtschaft zur langfristigen Kohlenstoffeinlagerung im Boden führen meist zu weniger als eine Tonne pro Hektar und Jahr», konstatiert Bettina Schaefli vom Geografischen Institut der Universität Bern und Mitautorin der Studie. Und Hauptautor Joshua Larsen von der Universität von Birmingham ergänzt:
«Unsere Ergebnisse zeigen, dass Biber nicht nur Landschaften verändern, sondern auch die Art und Weise, wie sich Kohlenstoff durch sie bewegt. Indem sie das Wasser verlangsamen, Sedimente zurückhalten und Feuchtgebiete ausweiten, verwandeln sie Bäche in leistungsfähige Kohlenstoffsenken.» Diese erstmalige Studie stelle eine wichtige Chance und einen Durchbruch für künftige naturbasierte Klimalösungen in ganz Europa dar, ist er überzeugt.(mai/mgt)
Weiterlesen:
Die ausführliche Medienmitteilung der Universität Bern zur Studie auf https://mediarelations.unibe.ch
Informationen zum Bibersee bei Marthalen ZH von Pro Natura auf www.pronatura.ch