13:06 VERSCHIEDENES

Wenn Künstliche Intelligenz vor Lawinen warnt

Teaserbild-Quelle: dahu1 - Camptocamp.org, CC BY-SA 3.0

Zwar erstellen auch in Zukunft menschliche Experten das Lawinenbulletin, aber Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt sie sie seit letztem Winter dabei. Indem KI Wetter- und Messdaten einschätzt, liefert sie laut dem WSL Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) eine „wertvolle Zweitmeinung“.  

Lawine

Quelle: dahu1 - Camptocamp.org, CC BY-SA 3.0

Lawine bei Zinal (VS) im März 2007.

Für die Erstellung eines Lawinenbulletins sind am SLF drei Lawinenwarnerinnen oder -warner im Einsatz. Am Vormittag sammeln sie Informationen: Wie hat sich das Wetter entwickelt? Wie lauten die Prognosen? Was melden die Beobachter, welche Rückmeldungen kommen von Bergführerinnen und Skitourengehern?

Alle drei schätzen unabhängig voneinander ein, in welchem Gebiet welche Gefahrenstufe herrscht und welche Geländeteile besonders betroffen sind. Danach entwickeln sie damit eine Prognose für den kommenden Tag. Und schliesslich konsolidieren sie in einem täglichen Briefing sie ihre Einschätzungen.

«Computerprognose eine echte Hilfe»

Seit letztem Winter wird danach die auf künstlicher Intelligenz basierende Einschätzung des Computers beigezogen. Laut SLF deckt sich die KI-Prognose mit derjenigen der Menschen sehr oft. Manchmal gibt es aber Abweichungen: «Der Computer wertet die Daten anders aus als wir Menschen», sagt Lawinenwarner Frank Techel. «Daher kommt er manchmal auch zu einem etwas anderen Ergebnis».

Techel und seine Kollegen nehmen eine abweichende Meinung des Computers als Anlass, ihre konsolidierte Einschätzung nochmals kritisch zu prüfen – und unter Umständen anzupassen. Es ist auch schon vorgekommen, wie er berichtet. «Besonders für die genaue geografische Abgrenzung unterschiedlicher Gefahrenstufen ist die Computerprognose eine echte Hilfe.» Darum will man das Modell auch zukünftig für die Lawinenwarnung nutzen.

Zurzeit nur für trockene Lawinen geeignet

Das diesen Winter eingesetzte Computermodell eignet sich nur für trockene Lawinen. Die Forscherinnen und Forscher des SLF haben aber auch weitergearbeitet: Es liegen nun auch – auf denselben Methoden des maschinellen Lernens beruhende – Modelle für Nassschneelawinen und für die Stabilität der Schneedecke vor. Im kommenden Winter werden auch sie operativ getestet, wie der Medienmitteilung des SLF zu entnehmen ist. (mgt/mai)


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