Wenn die Trockenheit trotz Regen bleibt
Auch wenn es nach den heissen Maitagen kühl geworden ist, allzu viel ändert sich mit den aktuellen Regenfällen nicht: «Die Hitze ist weg, die Trockenheit bleibt», sagt Hydrologin Manuela Brunner, Hydrologin am SLF, im Interview und erklärt, warum das so ist. - Brunner leitet die Forschungsgruppe Hydrologie und Klimafolgen in Gebirgsregionen am Institut WSL-Institut für Schnee-und Lawinenforschung SLF, sie zudem Assistenzprofessorin am Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich.
Quelle: Manuela Brunner / SLF
Die Chli Aa bei Lachen (SZ) führte am 23. Mai 2026 nur wenig Wasser. (Foto:
Frau Brunner, endlich hat es in der Schweiz geregnet. Ist
nach Wochen niedriger Pegelstände wieder mehr Wasser in Flüssen, Bächen
und Seen?
Kurzfristig sind die Pegelstände etwas gestiegen. Nun
sind die Pegelstände vieler Flüsse und Seen im Mittelland wie Rhein und
Aare wieder auf rekordverdächtigem tiefen Niveau, ebenso der Bodensee.
Ihre Pegel sind so tief wie fast nie. In den Alpenflüssen sieht es
leicht besser aus als im Mittelland, aber auch dort liegen die Pegel
unter dem langfristigen Mittel.
Trotz der Niederschläge?
Die waren nur ein Tropfen auf den heissen Stein …
… oder Fluss.
Ja. Der Regen hat für niedrigere Temperaturen gesorgt. Die Hitze ist weg, aber die Trockenheit bleibt.
Warum?
Eigentlich
befinden wir uns in der jährlichen Hochwasserphase. Zu dieser
Jahreszeit fallen normalerweise viele Niederschläge. Gleichzeitig
erreicht die Schneeschmelze ihren Höhepunkt. Aber dieses Jahr ist das
anders. April und Mai waren extrem trocken, und die Schneedecke ist sehr
dünn. Im Dischmatal bei Davos liegt derzeit beispielsweise äusserst
wenig Schnee. Das ist maximal die Hälfte von dem, was im langjährigen
Mittel üblich ist. In noch höheren Lagen sieht es ähnlich aus.
Müssen Gesellschaft und Wirtschaft reagieren?
Das
tun sie bereits. Es gibt viele Massnahmen, beispielsweise, wann wo wie
viel Wasser für die Bewässerung entnommen werden darf. Die
Landwirtschaft macht was. Auch die Füllstände in den Speicherseen sind
noch nicht dramatisch niedrig. Wie trocken der Sommer tatsächlich wird,
wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Im vergangenen Jahr haben sich
die Pegelstände bei ähnlicher Ausgangslage im Spätsommer dank
grosszügiger Regenfälle auch erholt. Für die Landwirtschaft war das
allerdings etwas spät. Im Grunde genommen kam das Wasser, als man es
dort nicht mehr gebraucht hat. Erst ab Ende Juli war es feucht und die
Pegelstände lagen sogar etwas über dem Durchschnitt für die Jahreszeit. (WSL / Interview Jochen Bettzieche)