11:26 VERSCHIEDENES

Taucher finden Reste spätantiker Römerbrücke in Aare bei Solothurn

Teaserbild-Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Carlos Pinto

Taucher haben in der Aare bei Solothurn Pfähle einer Holzbrücke aus dem vierten Jahrhundert entdeckt. Sie stiessen bei Tauchgängen anlässlich der Sanierung der Eisenbahnbrücke darauf. Die Hölzer bleiben im Wasser, wo sie am besten vor Zerfall geschützt sind.

Pfähle der Römerbrücke in der 3D-Ansicht. Video: Kantonsarchäologie Solothurn, Carlos Pinto.

Vor dem Baustart für die neue SBB-Eisenbahnbrücke über die Aare suchten Taucher seit Frühjahr 2025 den Aaregrund wiederholt nach Spuren älterer Brücken ab. Fündig wurden sie wenige Meter flussaufwärts neben der Wengibrücke: Rund zehn Meter vom Südufer entfernt verläuft eine knapp zwei Meter lange Pfahlreihe in Flussrichtung.

Die Hölzer gehören wahrscheinlich zu einem Brückenpfeiler, einem sogenannten Pfahljoch, der den Oberbau mit der Fahrbahn trug, wie die Staatskanzlei Solothurn am Mittwoch mitteilte. Die Taucher entnahmen Holzproben für eine Datierung. Nun liegen die Ergebnisse vor: Die Hölzer datieren ins vierte Jahrhundert, als die römische Siedlung zu einem befestigten Castrum umgestaltet wurde.

Vermuteter Flussübergang nun belegt

Die Brücke sei Teil der antiken Fernstrasse, die von Italien über den Grossen St. Bernhard durch das westliche Mittelland und den Jura an den Rhein geführt habe. Vor Solothurn fanden sich gemäss Mitteilung Reste dieser Strasse zwischen Büren an der Aare BE und Nennigkofen SO. «Es ist kein Zufall, dass die römische Strasse gerade bei Solothurn die Aare überbrückte: Die flussaufwärts stark gewundene Aare wird hier in ein enges Bett gezwungen – ein idealer Ort für einen Flussübergang», heisst es.

Taucher dokumentiert Pfahl der römischen Brücke

Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Roman Sollberger

Ein Taucher dokumentiert einen rund 1700 alten Pfahl der römischen Brücke bei Solothurn.

Auch der antike Ortsname beziehe sich auf diese Topografie: Salodurum sei die lateinische Form eines keltischen Flurnamens, der soviel wie Flussenge oder Wogentor bedeute. Archäologen und Archäologinnen sowie Historikerinnen und Historiker hätten hier deshalb seit langem einen Flussübergang aus der Römerzeit vermutet. Dieser ist nun durch die Bodenfunde belegt.

Weitere Tauchgänge geplant

Dass die Pfähle der spätrömischen Brücke nach rund 1700 Jahren noch immer im Aaregrund steckten, sei ein Glücksfall: Denn bei der Juragewässerkorrektion von 1969 wurde das Flussbett bei Solothurn grossflächig abgetieft. Im Schutz der Wengibrücke blieben dabei die Pfähle der spätrömischen Brücke stehen. Vom aktuellen Neubau der Eisenbahnbrücke sind die Hölzer nicht betroffen

Die Taucher werden bei ihren kommenden Einsätzen den Aaregrund nach weiteren Pfählen der spätrömischen Brücke absuchen. (pb/mgt/sda)

Pfähle der Römerbrücke

Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Carlos Pinto

Pfähle der Römerbrücke aus dem 4. Jahrhundert.

Taucher beim Einmessen der Holzpfähle

Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Roman Sollberger

Taucher beim Einmessen der Holzpfähle auf dem Aaregrund. Über dem Wasser das Alte Spital.

Römerbrücke über der Aare

Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Pierre Harb

Die Römerbrücke aus dem vierten Jahrhundert führte oberhalb der Wengibrücke über die Aare.

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