Taucher finden Reste spätantiker Römerbrücke in Aare bei Solothurn
Taucher haben in der Aare bei Solothurn Pfähle einer Holzbrücke aus dem vierten Jahrhundert entdeckt. Sie stiessen bei Tauchgängen anlässlich der Sanierung der Eisenbahnbrücke darauf. Die Hölzer bleiben im Wasser, wo sie am besten vor Zerfall geschützt sind.
Pfähle der Römerbrücke in der 3D-Ansicht. Video: Kantonsarchäologie Solothurn, Carlos Pinto.
Vor dem Baustart für die neue SBB-Eisenbahnbrücke über die Aare suchten Taucher seit Frühjahr 2025 den Aaregrund wiederholt nach Spuren älterer Brücken ab. Fündig wurden sie wenige Meter flussaufwärts neben der Wengibrücke: Rund zehn Meter vom Südufer entfernt verläuft eine knapp zwei Meter lange Pfahlreihe in Flussrichtung.
Die Hölzer gehören wahrscheinlich zu einem Brückenpfeiler,
einem sogenannten Pfahljoch, der den Oberbau mit der Fahrbahn trug, wie die
Staatskanzlei Solothurn am Mittwoch mitteilte. Die Taucher entnahmen Holzproben
für eine Datierung. Nun liegen die Ergebnisse vor: Die Hölzer datieren ins
vierte Jahrhundert, als die römische Siedlung zu einem befestigten Castrum
umgestaltet wurde.
Vermuteter Flussübergang nun belegt
Die Brücke sei Teil der antiken Fernstrasse, die von Italien über den Grossen St. Bernhard durch das westliche Mittelland und den Jura an den Rhein geführt habe. Vor Solothurn fanden sich gemäss Mitteilung Reste dieser Strasse zwischen Büren an der Aare BE und Nennigkofen SO. «Es ist kein Zufall, dass die römische Strasse gerade bei Solothurn die Aare überbrückte: Die flussaufwärts stark gewundene Aare wird hier in ein enges Bett gezwungen – ein idealer Ort für einen Flussübergang», heisst es.
Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Roman Sollberger
Ein Taucher dokumentiert einen rund 1700 alten Pfahl der römischen Brücke bei Solothurn.
Auch der antike Ortsname beziehe sich auf diese Topografie: Salodurum sei die lateinische Form eines keltischen Flurnamens, der soviel wie Flussenge oder Wogentor bedeute. Archäologen und Archäologinnen sowie Historikerinnen und Historiker hätten hier deshalb seit langem einen Flussübergang aus der Römerzeit vermutet. Dieser ist nun durch die Bodenfunde belegt.
Weitere Tauchgänge geplant
Dass die Pfähle der spätrömischen Brücke nach rund 1700 Jahren noch immer im Aaregrund steckten, sei ein Glücksfall: Denn bei der Juragewässerkorrektion von 1969 wurde das Flussbett bei Solothurn grossflächig abgetieft. Im Schutz der Wengibrücke blieben dabei die Pfähle der spätrömischen Brücke stehen. Vom aktuellen Neubau der Eisenbahnbrücke sind die Hölzer nicht betroffen
Die Taucher werden bei ihren kommenden Einsätzen den Aaregrund nach weiteren Pfählen der spätrömischen Brücke absuchen. (pb/mgt/sda)
Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Carlos Pinto
Pfähle der Römerbrücke aus dem 4. Jahrhundert.
Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Roman Sollberger
Taucher beim Einmessen der Holzpfähle auf dem Aaregrund. Über dem Wasser das Alte Spital.
Quelle: Kantonsarchäologie Solothurn, Pierre Harb
Die Römerbrücke aus dem vierten Jahrhundert führte oberhalb der Wengibrücke über die Aare.