13:06 VERSCHIEDENES

Studie zum Klimawandel: Grünfläche in den Alpen nimmt zu

Teaserbild-Quelle: Achim Ruhnau, Unsplash

Der Alpenraum ist besonders stark vom Klimawandel betroffen: Das europäische Gebirge wird – wie die Arktis - immer grüner, mittlerweile hat die Vegetation oberhalb der Baumgrenze um beinahe 80 Prozent zugenommen. Dies stellte ein Forschungsteam der Universitäten Lausanne und Basel in einer Studie fest. Auch die Schneefläche ist kleiner geworden, wenn auch bisher nur leicht.


Sie sind zum Symbol des Klimawandels geworden: schmelzende Gletscher. Auch die schneebedeckten Flächen beginnen zu schwinden, wie Satellitenbilder zeigen. Dass dies bei Weitem nicht die grösste Veränderung infolge steigender Temperaturen ist, diesen Schluss ziehen Sabine Rumpf von der Universität Basel sowie um Grégoire Mariéthoz und Antoine Guisan von der Universität Lausanne und ihr Team.

Anhand hochaufgelöster Satellitendaten aus den Jahren 1984 bis 2021 haben sie mit Kollegen aus Holland und Finnland die Veränderung der Schneefläche und der Vegetation analysiert: Sie stellten fest, dass in diesem Zeitraum das Pflanzenwachstum auf 77 Prozent der Fläche oberhalb der Baumgrenze zugenommen hat; dieses Phänomen des «Ergrünens» im Zuge steigender Temperaturen wird in der Arktis schon länger beobachtet respektive dokumentiert worden.

Stärkeres Pflanzenwachstum, geringere Artenvielfalt

„Das Ausmass in den Alpen erweist sich als wirklich enorm“, sagt Sabine Rumpf, Erstautorin der Studie. Die Alpen ergrünen, weil Pflanzen in neuen Gebieten gedeihen und die Vegetation allgemein dichter und höherwüchsiger wird.

Bis anhin lag stand vor allem die alpine Artenvielfalt und die Veränderungen der Verbreitung von Pflanzenarten im Fokus von entsprechenden Studien zum Einfluss des Klimawandels. Eine so umfassende Analyse des zunehmenden Pflanzenwachstums in den Alpen habe es bisher jedoch nicht gegeben, schreibt die Universität Basel in ihrer Medienmitteilung. Die Ursache für Zunahme pflanzlicher Biomasse-Produktion liegt vor allem in den Veränderungen der Niederhläge und in längeren Vegetationsperioden wegen steigender Temperaturen. „Alpenpflanzen sind an harsche Bedingungen angepasst, aber nicht sehr konkurrenzstark“, erklärt Rumpf. Durch die Veränderung der Umweltbedingungen verlören die spezialisierten Arten ihren Vorteil und würden verdrängt. „Die einzigartige Artenvielfalt der Alpen steht also unter hohem Druck.“

Schneefläche geht zurück

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Quelle: Achim Ruhnau, Unsplash

DIe Greina-Hochebene im Juni 2020: im Gebirge wird es zunehmend grüner.

Im Vergleich zur Vegetation veränderte sich die Ausdehnung der Schneefläche oberhalb der Baumgrenze seit 1984 nur leicht. Für ihre Analyse schlossen die Wissenschafter Regionen unterhalb von 1700 Höhenmetern sowie Gletscher und Wälder aus. Bezogen auf die übrigen Bereiche stellten sie fest, dass die Schneedecke auf knapp 10 Prozent dieser Fläche deutlich abgenommen hat: Das töne zwar nicht nach viel, sei aber dennoch besorgniserregend.

„Frühere Auswertungen von Satellitendaten hatten noch keinen solchen Trend festgestellt“, sagt Antoine Guisan, einer der beiden Letztautoren der Studie. Einen möglichen Grund sieht er darin, dass die Auflösung der Satellitenbilder früher nicht ausgereicht oder man zu kurze Zeiträume betrachtet hat. „Lokale Messungen zeigen seit Jahren einen Rückgang der Schneedicke in tieferen Lagen“, ergänzt Grégoire Mariéthoz. „Zumindest stellenweise hat dieser Rückgang bereits dazu geführt, dass Flächen grösstenteils schneefrei geworden sind.“ Anhand der Satellitendaten lässt sich nur unterscheiden, ob eine Parzelle schneebedeckt ist oder nicht. Aussagen über die Schneedicke erlauben die Daten indes nicht.

Mehr Bergrutsche und Murgänge?

Mit fortschreitender Klimaerwärmung dürften die schneefreien Flächen in den Alpen weiter zunehmen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: „Eine grünere Bergwelt reflektiert weniger Sonnenlicht und führt somit zu einer weiteren Klimaerwärmung – und daher zum weiteren Schwinden reflektierender Schneeflächen“, sagt Sabine Rumpf. Die Erwärmung lässt zudem die Gletscher weiter schmelzen und den Permafrost tauen. Mehr Bergrutsche und Murgänge könnten die Folge sein. Zudem spiele Schnee und Eis der Alpen eine wichtige Rolle für die Trinkwasserversorgung und nicht zuletzt für den Tourismus, betont Rumpf. (mai/mgt)



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