Klimawandel: Kommenden Montag ist Gletscherschwundtag
Am 29. Juni ist Gletscherschwundtag: Ab dann verlieren die Gletscher mit jedem Liter Schmelzwasser an Substanz. Gemäss Analysen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) wirkt sich der Verlust an Gletscherfläche auf die Menge an Schmelzwasser in Extremjahren bereits aus.
Quelle: M. Huss / WSL
Der Griesgletscher im Walis litt auch im 2025: Die Gletscherzunge fällt in sich zusammen.
Die Schneedecke war auf vielen Gletschern bereits anfangs Jahr rekordwürdig dünn oder für einzelne Gletscher bestenfalls durchschnittlich. Dann wurde im März Saharastaub in die Schweiz geweht, und seit 18. Juni leidet das Land unter einer laut Meteoschweiz aussergewöhnlich starken Hitzewelle. Die Folge: Das Eis schmilzt extrem schnell. Damit ist am Montag bereits Gletscherschwundtag: der Tag, ab dem alles Schmelzen an die Substanz geht und ab dem jeder heisse Tag unmittelbar zu einer Abnahme des Eisvolumens führt. Was noch an Schnee auf dem Gletscher liegt, und ihn «füttern» könnte, ist durch das Schmelzen in den tiefer liegenden Bereichen bereits ausgeglichen.
Dieser Punkt war 2022 etwas früher erreicht, am 26. Juni. Auch in jenem Jahr war im Winter wenig Schnee gefallen, ausserdem ist es mit drei Hitzewellen das in der Schweiz (bislang) wärmste seit Messbeginn 1864. Im 2022 sind die Gletscher laut WSL stärker als jemals zuvor geschmolzen – übers ganze Jahr hinweg hatten sie rund sechs Prozent ihrer Masse verloren. In der aktuellen Hitzewelle scheine es, als wäre ihm dieses Jahr dicht auf den Fersen, schreibt die WSL in einer aktuellen Meldung.
Schmelzwasser mindert den Anstieg der Wassertemperaturen
Quelle: Grafik: GLAMOS
Verlauf der Gletscher-Massenbilanz über die letzten Jahre. Zurzeit schmelzen die Gletscher doppelt so stark wie im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2020 (blaue gestrichelte Linie). Die Rekordwerte für Ende Juni aus dem Jahr 2022 sind fast erreicht. (Grafik vom 26.6.2026.)
Das starke Schmelzen habe auch etwas Gutes, heisst es weiter. Schliesslich hilft das Wasser der Gletscher, sinkende Wasserstände und steigende Wassertemperaturen abzumildern; möglich ist dies aber nur, solange noch genügend Gletscherfläche vorhanden ist. Zwischen dem Hitzesommer-Jahr 2003 und 2022 verschwanden 200 Quadratkilometer Eis, eine Fläche beinahe gross wie der Kanton Zug.
Dass der Gletscherschwund damit in extrem heissen Jahren spürbar werden kann, zeigt ein Blick in den Sommer 2022: Laut einem Forschungsteam der WSL hat das Gletscherschmelzwasser zwischen Juni und August 2022 in den meisten untersuchten Einzugsgebieten weniger zum Abfluss beigetragen als in den drei Monaten des Hitzesommers 2003, obwohl die Gletscher 2022 viel stärker schmolzen sind.
«Der Rückgang der Eisfläche macht
sich schon eindeutig bemerkbar», sagt Matthias Huss, Glaziologe an der
WSL und der ETH Zürich. Noch sei die Reduktion des Schmelzwassers im
Vergleich von 2003 und 2022 aber ein Einzelfall, schreibt die WSL. Und
Huss meint: «Die Schmelzraten, die seit 2022 jedes Jahr extrem hoch
waren und auch im mehrjährigen Mittel seit 2003 deutlich steigen,
verbergen diesen Effekt zurzeit noch.» Aus diesem Grund sehen die
Fachleute der WSL aktuell noch keinen Rückgang des Schmelzwassers. Das
werde aber nur noch eine beschränkte Zeit anhalten, warnt Huss. (mgt/ mai)
Den Artikel der WSL hier im Original lesen.
Quelle: M. Huss / WSL
Höhe des Eisverlustes in den Jahren 2022 bis 2025 am Konkordiaplatz, Grosser Aletschgletscher im Wallis, verglichen mit dem Mittelwert der Messungen zwischen 1953 und 1983.
Quelle: L. Hösli / WSL
Das Gletschertor am Morteratschgletscher in Graubünden ist riesig, aber wegen herbstürzenden Felsblöcken instabil.
Quelle: M. Huss / WSL
An verschiedenen Stellen in den Alpen haben sich eindrückliche EIshöhlen unter dem Gletscher gebildet.
Quelle: M. Huss / WSL
Licht und Eis sorgen für leuchtende Blautöne. Das Farbenspiel ist ein Ausdruck des Zerfallsprozesses im Innern der Gletscher und solche Orte wie das Foto zeigt, sind oft stark einsturzgefährdet.
Quelle: L. Hösli / WSL
Am Lai Verd auf beim Lukmanierpass in Graubünden ist vom ehemals ansehnlichen Gletscher, der sich in den 90er-Jahren noch bis zum See hinunterzog, nur noch kümmerlicher Rest übrig.
Quelle: A. Linsbauer / WSL
Der ehemalige Gletscher bei der Diavolezza in Graubünden verschwand vor zirka 15 Jahren vollständig. Er ist nun aber der einzige Gletscher der Schweiz, der für den Skibetrieb ausschliesslich mittels Snowfarming und Abdeckungen in dienr unnatürlichen Form erhalten wird.