15:10 VERSCHIEDENES

Geisterstadt: Die verlassene Bergbaustadt Kennicott

Geschrieben von: Pascale Boschung (pb)
Teaser-Quelle: Aboveicefog flickr CC BY-NC-ND 2.0

Die Stadt Kennicott im US-Bundesstaat Alaska liegt an den Südhängen des Wrangell-Berges in der Nähe des Kennicott-Gletschers. Nachdem 1900 ein reiches Vorkommen an Kupfererz entdeckt wurde, wurde die Bergbaustadt von wohlhabenden Investoren gegründet. Heute ist sie aber völlig verlassen.

Nachdem wohlhabende Investoren das reiche Vorkommen an Kupfererz in den Bergen entdeckt hatten und Kennicott gegründet wurde, war schnell eine Eisenbahn gebaut. Damit wurde später das Erz aus den Minen zum nächsten Hafen in Cordova transportiert.

Der Name des Gründungsunternehmens war Kennecott Copper Corporation. Dass der Name der Stadt nicht derselbe ist, ist lustigerweise auf einen Schreibfehler zurückzuführen, der dann einfach weitergeführt wurde.

Zweite Stadt: McCarty

So wurde Kennicott mit den Jahren eine typische Firmenstadt. Die meisten Arbeiter lebten damals in den Unterkünften der Unternehmen und es drehte sich natürlich alles um den Bergbau. So durften Erstere ihre Familien nicht mitnehmen und Glückspiele oder Alkohol waren nicht erlaubt.

Aufgrund dieser Verbote war auch schnell eine neue Stadt entstanden, in der die Bergleute Wein und Frauen geniessen konnten. McCarty, wie der neue Ort genannt wurde, war rund fünf Meilen von Kennicott entfernt und besass unter anderem Salons, Restaurants, Hotels, Poolhallen, Geschäfte und ein blühendes Rotlichtviertel.

Von 1911 bis 1938 wurden fast 200 Millionen Dollar Kupfer verarbeitet. Auf dem Höhepunkt der Bergbaustadt arbeiteten rund 300 Menschen in der Mühlenstadt und 200-300 lebten in den Bergwerken. Nach 27 Jahren wurde der Betrieb der Eisenbahn und die Arbeit in den Bergwerken schliesslich eingestellt. Als die Kennecott Copper Corporation 1938 die Stadt verliess, liessen sie die gesamte Ausrüstung, die Gebäude und ihre persönlichen Gegenstände zurück.

Teilabbruch von Kennicott

In den später 60er-Jahren wurde der Versuch gestartet, den Bergbau wieder aufzunehmen, jedoch machten die hohen Transportkosten die Idee unrentabel. Zur gleichen Zeit ordnete die Gründungsfirma mit Landansprüchen die Zerstörung der Stadt an, um sich von der Haftung für mögliche Unfälle zu befreien.

Dabei wurden zwar einige Strukturen dem Erdboden gleichgemacht, aber die Arbeiten dazu wurden nie vollends beendet. So blieb glücklicherweise ein Grossteil der Stadt bestehen. 20 Jahre später, wandelte sich der verlassene und verwunschene Ort zur beliebten Touristenattraktion und wurde daraufhin sogar zum National Historic Landmark ernannt.(pb/mgt)

Serie «Besondere Orte»

Mit der Serie «Besondere Orte» stellen wir in loser Folge spektakuläre oder besonders bemerkenswerte Plätze, Bauten und Geschichtenauf der ganzen Welt vor.

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Redaktorin Baublatt

Zeichnet, schreibt und kreiert gerne. Themenbereiche: Bauprojekte sowohl international als auch regional, News aus Wissenschaft, Forschung, Technik und Design.

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