15:08 VERSCHIEDENES

Ein Lager für Eisbohrkerne aus den Alpen in der Antarktis

Teaserbild-Quelle: R. Ascione, ENEA/ PRNA-IPEV

Im Eis des antarktischen Hochplateaus sollen Eisbohrkerne von Gletschern kommende Jahrhunderte überdauern – sodass sie auch dann noch untersucht werden können, wenn das Eis in den Gebirgen verschwunden ist. Dieser Tage landete die erste Ladung am Südpol, darunter Eisbohrkerne aus dem Wallis. 

Eiskaverne

Quelle: R. Ascione, ENEA/ PRNA-IPEV

Mit Hilfe dieser ins Eis der Antarktis geschlagenen Höhle sollen Eisbohrkerne aus den Alpen und anderen Gebirgen kommenden Generationen erhalten werden.

Welches Klima herrschte, als Pfahlbauer an den Gestaden des Zürichsees ihre Hütten errichteten? Wie wirkte sich der Ausbruch des Vesuvs auf das Wetter aus? Und wie prägte die beginnende Industrialisierung die Luftqualität? Antworten auf solche Fragen liefert das Jahrtausende alte Eis der Gletscher, oder vielmehr die Einschlüsse aus winzigen Staubkörnchen oder Luftblasen darin. Doch die steigenden Temperaturen bedrohen dieses gigantische Archiv zunehmend.

Um solches für Zeiten zu erhalten, in denen die Gletscher geschmolzen sein werden, sollen im Rahmen des «Ice Memory»-Projekts Eisbohrkerne aus den Alpen und weiteren Gebirgen im 3200 Meter hohen antarktischen Plateau gelagert werden, darunter auch solche aus der Schweiz. Konkret werden die vergänglichen Stücke Eis unter der italienisch-französischen Forschungsstation Concordia deponiert: Hier sollen sie die kommenden Jahrhunderte überstehen. DIe Bedingungen sind dort für ihren Erhalt laut World Meteorological Organization ideal: Es herrschen konstant Minus 50 Grad. 

Minus 50 Grad für Eisbohrkerne vom Grand Combin VS 

Grand Combin im Wallis

Quelle: Xperience, eigenes Werk, Gemeinfrei

Der stark vergletscherte Grand Combin im Wallis gehört zu den höchsten Berggipfeln der Alpen, mit seinem drei Hauptgipfeln Combin de Valsorey (4184 m.ü.M.), Combin de la Tsessette (4132 m.ü.M.) und Combin de Grafeneire (4309 m.ü,M.).

Für das Lager wurde eine Höhle aus dem Eis gebrochen, die eine langfristige Konservierung der Proben mittels einer «hundertprozentig natürlichen Lagerung» gewährleisten soll; das heisst, ohne dass die Kühlung Energie verbraucht. Wie es weiter im Communiqué heisst, ist mit diesem abgelegenen Ort auch sichergestellt, dass die Proben «vor jeglichem Risiko einer Unterbrechung der Kühlung» geschützt sind, etwa vor technischen Problemen, menschlichem Versagen, Wirtschaftskrisen oder Konflikten.

Letzte Woche ist nun die erste Ladung der fragilen Stücke im anatarktischen Grund gelandet: Es handelt sich um Eisbohrkerne vom Grand Combin im Wallis, die zwischen 2016 und 2023 entnommen wurden, sowie um solche aus dem Col du Dôme vom Mont Blanc aus Frankreich. Sie sind letzten Oktober von Triest aus mit dem italienischen Forschungseisbrecher RV Laura Bassi  zum Südpol transportiert worden. (mai/mgt)

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