Frank Kunert oder die Architektur der Absurdität
Der Frankfurter Künstler Frank Kunert schafft mit seinen fotografierten Miniaturwelten Gelegenheiten, im Kleinen das Grosse zu entdecken. Doch schon beim zweiten Blick bricht die Illusion.
Quelle: Frank Kunert
«Ein Platz an der Sonne» lautet der Titel dieses Fotos. Wie hübsch es auf den ersten Anblick auch scheint, so schal wird der Beigeschmack bei genauerem Hinsehen.
Frank Kunert baut Welten im Massstab der Hand. Seine fotografierten Miniaturen wirken wie Architekturaufnahmen. Zumindest so lange, bis die Betrachtenden die kleinen Verschiebungen bemerken, welche den Blick kippen lassen: zugemauerte Balkone, ein Snackstand im Laufoval, ein Esstisch auf einem Sprungturm im Schnee. Das Absurde wird zum Prüfstand für Funktion, Detail und Wahrnehmung. Die Motive seiner Fotografien fertigt Kunert in langwieriger, kniffliger Handarbeit an, ähnlich wie im Modellbau mit handgebauten Miniaturen. Seine Bühnen sind menschenleer – und gerade deshalb voller Geschichten.
Für sein Werk erhielt der Frankfurter diverse Auszeichnungen. Ein Gespräch mit dem Künstler über Licht als Baustoff, darüber, warum er seine Modelle neben den Fotografien zeigt, und vieles mehr.
Frank Kunert, Ihre Szenen lesen
sich zunächst wie klassische Architekturaufnahmen. Ab wann kippt es in die
Surrealität?
Der Kipppunkt liegt meist im Detail. Ich baue so, dass eine Fassade, ein Fenstersturz, eine Treppe erst einmal plausibel sind. Erst auf den zweiten Blick merkt man: Da stimmt etwas nicht – die Funktion ist blockiert, der Kontext verschoben. Das Realistische holt die Betrachterin hinein, der Bruch hält sie fest.
Zu Beginn haben Sie mit Knetfiguren gearbeitet. Warum haben Sie diese «Bewohner» verbannt?
Weil die Kulissen immer realistischer wurden und irgendwann für sich sprachen. Menschen sind physisch abwesend, aber ihre Spuren sind da: ein Glas, Müll, eine angelehnte Tür. Architektur wird zur Metapher für unser «zivilisiertes» Leben – und zur Projektionsfläche. Bühnenbild statt Besetzung.
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