Nico Lutz: Arbeiten bei Hitze: Es braucht endlich Taten statt Worte
In der aktuellen Kolumne beschäftigt sich Nico Lutz von der Unia mit den rekordheissen Sommern und ihren Auswirkungen auf die Baubranche. Er plädiert für klare und verbindliche Arbeitsbedingungen während Hitzeperioden.
Quelle: Yoshiko Kusano
Nico Lutz ist Sektorleiter Bau bei der Unia.
Die gute Nachricht ist: Die brutalen Hitzetage sind vorbei. Die schlechte Nachricht: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war 2026 nicht der heisseste Sommer. Die Baubranche ist von grosser Hitze besonders betroffen. Darum diskutieren Unia und der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) schon seit dem Hitzesommer 2023 über notwendige Massnahmen. Bis im März 2026 waren wir gut unterwegs. Die gemeinsamen Forderungen: Solange es möglich ist, weiterarbeiten und die von der Suva und dem Seco empfohlenen Schutzmassnahmen umsetzen. Wenn es aus Gründen des Gesundheitsschutzes nicht mehr möglich ist, werden schwere Arbeiten – dazu gehören die allermeisten Tätigkeiten auf der Baustelle – die im Freien und unbeschattet ausgeführt werden, eingestellt. Dann müssen auch Bauherren akzeptieren, dass die Endtermine und Konventionalstrafen um die ausgefallene Zeit geschoben werden.
Das Ganze muss planbar sein. Es geht nicht, dass der Betonmischer auf der Baustelle steht und dann von einer Minute auf die andere die Arbeit eingestellt wird. SBV und Gewerkschaften waren sich einig: Es braucht eine verbindliche Definition, ab wann die Arbeit nicht mehr zumutbar ist. An diese Definition müssen sich alle halten. Der Vorschlag, den der SBV und die Unia in Diskussion mit der Suva erarbeitet haben: Basierend auf den Prognosewerten von Meteoschweiz wird ab einer Temperatur von 33 Grad die Einstellung von schweren und unbeschattete Arbeiten geplant und umgesetzt, ausser die Arbeitnehmer können pro Stunde 15 Minuten Pause an einem gekühlten Ort machen. Das sind die geltenden Empfehlungen der Suva, aber heute eben nicht verbindlich festgelegt.
An einem Runden Tisch «Hitze auf dem Bau» fand die Festlegung dieser klaren Kriterien für ein unzumutbares Hitzeereignis auch eine breite Unterstützung bei öffentlichen und privaten Bauherren. Und warum war es bisher nicht möglich, diese verbindlichen Massnahmen umzusetzen? Wie meistens: Es gibt immer irgendwo Bedenkenträger. Offensichtlich hat der SBV Angst vor dem eigenen Mut bekommen. Statt gegenüber der Bundesverwaltung und Parlamentarierinnen und Parlamentariern konsequent für eine verbindliche Lösung einzutreten, ist er auf die Bremse getreten. Und hat dann, als es im Sommer heiss wurde, eine Petition lanciert. Aber: Es braucht endlich Nägel mit Köpfen. Die schlechte Nachricht: Es gibt für die Baufirmen und Bauarbeiter heute nach wie vor keine befriedigende Lösung. Die gute Nachricht: Gemäss einer Umfrage der Sonntagszeitung unterstützten über 80% eine Lösung, dass ab 33 Grad schwere Arbeiten an der prallen Sonne eingestellt werden. Vielleicht trägt dies dazu bei, dass endlich Taten statt Worte folgen. Am besten noch vor der nächsten Rekordhitze.
Quelle: Fatih Kaan, Unsplash
Der nächste Hitzesommer kommt bestimmt: Die Unia fordert klare und verbindliche Regeln für die Arbeit während Hitzeperioden.