08:12 MEINUNG

Kolumne zum Freitag: Sprungbrett BIM – Die Chance für Zeichner?

Geschrieben von: Vanessa Ott
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag schreiben Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Vanessa Ott, dipl. Bauingenieurin FH und Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Nichts ist so konstant wie die Veränderung – eine alte Weisheit, welche in unserer schnellen und immer digitalisierteren Gesellschaft mehr denn je der Wahrheit entspricht. Klassische Berufsbilder werden durchgerüttelt und neu geformt – da ist es für manche nicht so einfach, am Ball zu bleiben. Wir beobachten die rasante Fahrt der Veränderung vor allem im Berufsbild der Zeichnerinnen und Zeichner, welche für die Entwicklung eines Projektes – vom Konzept bis zum Bewehrungsplan – von unschätzbarem Wert sind.

Seit Jahren wandern junge Berufsleute – nach kurzer Zeit im Beruf – in andere Berufsfelder ab oder wählen den Weg einer Zweitausbildung. Ist der Beruf des klassischen Zeichners wirklich so uninteressant, sind die Weiterentwicklungsmöglichkeiten so gering? Fakt ist, in den letzten Jahren drängten vermehrt Anbieter von externen Zeichnerleistungen aus dem In- und Ausland auf den Markt, bieten diese zu sehr günstigen Konditionen an. Auch die tiefen Preise lassen die Verlagerung von Zeichnerarbeiten an diese externen Anbieter reizvoll erscheinen.

Firmen, welche sich auf Fahne geschrieben haben, den Nachwuchs zu fördern, sprich Lernende auszubilden, sind gefordert. Das Berufsbild des klassischen Zeichners nach der Ausbildung ist zu erweitern, um den jungen Fachkräften eine faire und interessante Entwicklung – auch beim Lohn – bieten zu können. Diese Hürde ist hoch und schwierig zu bewältigen. Ausserdem darf nicht vergessen werden: Fehlen die Zeichner, wird mittelfristig auch der Nachwuchs bei den Ingenieurinnen und Ingenieuren ausbleiben.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt mehr und mehr zwei Klassen. Die Fleissarbeiten (zum Beispiel das Erstellen von Bewehrungsplänen) werden an externe Anbieter «billig» ausgelagert. Komplexe Aufgaben, welche in intensiver Zusammenarbeit mit dem Ingenieur entstehen, werden inhouse bearbeitet. Ist dies die Zukunft dieses Berufsstandes? Soll dies das Bild darstellen, welches jungen Menschen vom Beruf des Zeichners vermittelt wird? Oder nutzen wir die Konstante «Veränderung», um der Zeichnertätigkeit ein neues Bild zu geben, in welcher sowohl komplexe als auch einfachere Aufgaben zur täglichen Arbeit gehören?

Die rasant fortschreitende BIM-Technologie bietet die Möglichkeit, Zeichnerinnen und Zeichner zu fordern und fördern. Die klassische Zusammensetzung von Projektteams mit einem Ingenieur und mehreren Zeichnern ändert sich bei BIM-Projekten. Der Zeichner rückt viel näher an den Ingenieur heran, in der Modellbearbeitung des Projektes waltet er als Spezialist und nimmt auch vermehrt Aufgaben der Koordination mit den übrigen Fachplanern am BIM-Modell wahr. Im Projektteam liegt die Modellverwaltung in den Händen des Zeichners.

Mit diesen neuen Perspektiven kann das Berufsbild der Zeichnerin und des Zeichners attraktiver gestaltet werden. Nun liegt es an uns, die Weichen zu stellen und den Beruf des Zeichners in die richtigen Bahnen zu lenken für die Zukunft. Gestalten wir die Veränderungen selber – mit dem Nachwuchs aus unseren Reihen! Eben Swiss made.

Geschrieben von

Dipl. Bauingenieurin FH, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich.

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