08:09 MEINUNG

Kolumne von Michael Meuter: «Energie-Hebel im Bestand ansetzen»

Geschrieben von: Michael Meuter
Teaserbild-Quelle: Lignum

In der Kolumne berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Michael Meuter, Verantwortlicher Information + PR bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, mit der Erneuerung des baulichen Bestandes.

Michael Meuter Lignum

Quelle: Lignum

Michael Meuter ist Verantwortlicher Information + PR bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz in Zürich, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft.

Wir haben einen heissen Sommer hinter uns. Nicht nur der schweisstreibenden Temperaturen wegen, sondern auch wegen des Powerplays um russisches Gas und der befürchteten Winterstromlücke. Spärlich fliessender und zugleich teurer Strom könnte der Schweiz noch mehr wehtun als die Ebbe in der Pipeline.

Einige möchten nun angesichts der ungemütlichen Aussichten für den Winter 2022 das Rad zurückdrehen und brandmarken den mit der Energiestrategie 2050 eingeschlagenen Weg zu mehr Energieeffizienz und einem entschiedenen Ausbau der Erneuerbaren anstelle der Kernenergie als Sackgasse. Müssen wir wirklich das Kind mit dem Bad ausschütten, um wieder auf Kurs zu kommen?

Vielleicht hilft es, einen kühlen Kopf zu bewahren und zum Beispiel daran zu denken, dass die Energie, die gar nicht gebraucht wird, immer die beste ist. 45 Prozent des Endenergiebedarfs gehen auf das Konto des Gebäudeparks, und Gebäude tragen noch immer 24 Prozent zu den CO2-Emissionen der Schweiz bei. Zugleich sind mehr als eine Million Häuser in der Schweiz energetisch nicht auf der Höhe. Eine Mehrheit der Gebäude wird nach wie vor fossil beheizt. Die letzten Mohikaner brauchen dafür sogar noch Strom. Und jetzt, mit den Kassandrarufen aus allen Ecken, explodiert der Absatz von Elektroöfen.

Man hat es schon oft gehört, aber es ist halt immer noch so: In der Verbesserung des baulichen Bestands liegt ein grosser Hebel für Energie und Klima. Und doch wird er noch immer nur zögerlich betätigt, trotz gesetzlicher Verschärfungen und steigender Energiepreise. In die Erneuerung von Bestandesbauten wird jedes Jahr nur halb so viel investiert wie in die Errichtung von Neubauten. Die Sanierungsquote dümpelt bei einem Prozent. Wenn überhaupt etwas gemacht wird, erfolgt oft keine energetische Verbesserung.

Wir sollten den Energie-Hebel im Bestand endlich beherzt führen – aber richtig. Ein nachhaltiger Gebäudepark sollte vor allem möglichst langlebig sein, um energiesparend und klimatauglich zu sein. Das spricht grundsätzlich für Weiterbauen und Sanieren des Bestandes, wo immer möglich, nicht für energieintensiv erstellte Ersatzneubauten. Clevere Umbaumassnahmen wie Aufstockungen – für welche das leichte und klimaschonende Baumaterial Holz prädestiniert ist – verdichten das Bauwerk Schweiz und schaffen neue Werte, welche eine energetische Gesamtsanierung finanzieren helfen. Auch diese erfolgt mit Vorteil mit Holz. Ein noch ungenügend gedämmter Massivbau kann zum Beispiel mit einer Aussenhaut aus vorgefertigten Holzelementen mit integrierten Fenstern ummantelt werden, oder eine ungenügend gedämmte vorgehängte Fassade lässt sich damit ersetzen.

Alle hoffen, dass die Schweiz diesen Winter in Sachen Energie mit einem blauen Auge davonkommt. Aber mit dem anderen Auge, das nicht zugeschwollen ist, sollte Helvetia in die Zukunft blicken und ein paar Entscheidungen fällen. Zum Beispiel zur Erneuerung des baulichen Bestandes. Die Schweizer Holzbauer und Schreiner helfen dabei gern.

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Verantwortlicher Information + PR bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz in Zürich, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft.

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