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Adrian Dinkelmann: «Weniger Komplexität, mehr Kooperation»

Geschrieben von: Adrian Dinkelmann
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In seiner Kolumne zeigt Adrian Dinkelmann auf, weshalb immer komplexere Werkverträge im Infrastrukturbau zum Problem werden – und warum ausgewogene Risiken und mehr Kooperation entscheidend für erfolgreiche Projekte sind.

Adrian Dinkelmann Geschäftsführer Infra Suisse

Quelle: zvg

Adrian Dinkelmann ist Geschäftsführer von Infra Suisse.

Infrastrukturprojekte gehören zu den anspruchsvollsten Bauvorhaben. Technisch komplex, langfristig ausgelegt, meistens finanziert mit öffentlichen Mitteln – und deshalb politisch sensibel. Hinzu kommt ihre Einzigartigkeit: «Jedes Infrastrukturprojekt ist ein Prototyp», hört man oft in unserer Branche. Gerade diese Tatsache dient jedoch zunehmend als Begründung für immer umfangreichere und detailliertere Werkverträge. Mit der SIA-Norm 118 verfügen wir über eine bewährte, paritätisch entwickelte Grundlage für diese wichtigen Verträge. Eine Norm, von der abgewichen werden darf – was in Einzelfällen auch nachvollziehbar ist.

Doch die Praxis zeigt ein anderes Bild. Abweichungen sind längst nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. In einer aktuellen Ausschreibung eines öffentlichen Bauherrn erstreckt sich die Liste der Abweichungen von dieser etablierten Norm über neun Seiten. Neun Seiten – nicht für Besonderheiten des Projekts, sondern für systematische Anpassungen. Das Muster ist einfach zu erkennen: Mehr Pflichten, mehr Risiken, mehr Formalitäten. Alles zu Lasten der Unternehmen. Das Resultat am Ende ist weit entfernt von einem ausgewogenen Vertrag. Das eigentliche Problem liegt selten in der einzelnen Klausel. Es liegt in der Summe der Abweichungen, die durch die Bauherrschaft vorgegeben werden. In der kumulativen Wirkung zahlreicher Regelungen, die alle in dieselbe Richtung zeigen: weg vom Gleichgewicht, hin zu einer schleichenden Überwälzung von Verantwortlichkeiten und Projektrisiken. Damit entsteht eine neue Realität: Der Unternehmer übernimmt nicht nur die Ausführung, sondern immer häufiger auch Risiken, die er weder beeinflussen noch verlässlich kalkulieren kann. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung in vier Bereichen:

  • Im Leistungsumfang, der über Vollständigkeitsklauseln faktisch ausgeweitet wird – oft ohne entsprechende Vergütung.
  • Bei Vergütungsansprüchen, deren Durch­setzung durch formale Hürden erschwert wird.
  • Durch die steigende Haftung und Gewährleistung, wo Anforderungen teilweise über das wirtschaftlich Versicherbare hinausgehen.
  • Und bei Verfahrensregeln, die mit Meldefristen und Dokumentationspflichten eine eigene Bürokratie erzeugen.

Keine dieser Entwicklungen scheint für sich genommen spektakulär. Ihre Wirkung entfalten sie jedoch im Zusammenspiel. Genau hier liegt der blinde Fleck vieler Vertragsdiskussionen. Denn beurteilt wird oft die einzelne Bestimmung – während das Gesamtsystem aus dem Blick gerät. Die Folgen sind in der Praxis längst spürbar. Wenn Risiken nicht mehr klar zugeordnet und kalkulierbar sind, werden sie einkalkuliert – oder gemieden. Angebote werden teurer, vorsichtiger oder bleiben ganz aus. Der Wettbewerb leidet. Und mit ihm die Grundlage für wirtschaftlich effiziente Projekte.

Rechtliche Verbindlichkeit und die individuelle Anwendung einzelner normativer Grundlagen haben sich auch in der Schweizer Bauwirtschaft bewährt. Was aber zunehmend leidet, ist die Verhältnismässigkeit. Risiken gehören dorthin, wo sie gesteuert werden können. Das ist kein theoretisches Ideal, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Ohne Kalkulierbarkeit und Rechtssicherheit gibt es keinen funktionierenden Wettbewerb. Verträge sind der Kern eines Projekts. Sie prägen, wie Entscheidungen getroffen werden, wie Konflikte vermieden werden – und wie die Zusammenarbeit tatsächlich funktioniert. Eine ausgewogene Vertragsgestaltung liegt somit doch genauso im Interesse aller Projektbeteiligten wie eine gute Kooperationskultur. Denn am Ende entscheidet nicht die juristische Raffinesse eines Vertrags über den Projekterfolg, sondern die Zusammenarbeit.

Neue Modelle wie Allianzverträge zeigen, dass ein anderer Umgang mit Risiken möglich ist. Auch die Revision der SIA-Norm 118 bietet Chancen. Doch kein Modell ersetzt den entscheidenden Faktor: die Haltung der Beteiligten. Hier sind alle gefordert: Bauherr, Planer und Unternehmer. Weniger Komplexität ist deshalb die Voraussetzung für mehr Kooperation. Genau diese Kooperation wird darüber entscheiden, ob wir die Herausforderungen im Infrastrukturbau künftig besser bewältigen. 

Symbolbild_thisisengineering-unsplash

Quelle: ThisIsEngineering, Unsplash

Kooperation statt Komplexität: Gemeinsam planen für erfolgreiche Infrastrukturprojekte.

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Geschäftsführer von Infra Suisse.

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