11:08 MANAGEMENT

Schweizer Börse lanciert neues Aktiensegment für KMU

Geschrieben von: Stefan Schmid (sts)
Teaser-Quelle: Michel Gaida, Pixabay-Lizenz

Die Schweizer Börse lanciert ein Aktiensegment für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Mit «Sparks» will sie ihnen einen effizienteren Zugang zu Kapital ermöglichen. Das neue KMU-Segment steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Behörden. Im Herbst könnte der Start erfolgen.

Ziegelgeld

Quelle: Annca - Pixabay - Gemeinfreiähnlich

Mit dem neuen Segment «Sparks» können sich kleine und mittelgrosse Unternehmen neue Finanzierungsquellen erschliessen.

Die Wachstumsfinanzierung ist für kleine und mittelgrosse Unternehmen (KMU) eine Herausforderung. Denn die Expansion in neue Marktsegmente oder Regionen erfordert zusätzliches Kapital. Der Vertrieb muss ausgebaut und Maschinen müssen angeschafft werden, auch die Gründung neuer Niederlassungen erhöhen den Kapitalbedarf. Zusätzliches Fremdkapital erhalten KMU oft aber nur, wenn sich auch das Aktionariat mit Eigenkapital engagiert. Doch wollen oder können Aktionäre in der Wachstumsphase oft kein zusätzliches Geld einschiessen.

Die Schweizer Börse will deshalb für KMU den Zugang zu Kapital verbessern und lanciert dazu mit «Sparks» (engl. Funken) ein neues Aktiensegment. Wie in vielen Ländern sind KMU in der Schweiz ein wichtiger Träger der wirtschaftlichen Dynamik. Die Plattform soll Unternehmen eine verbesserte Sichtbarkeit und mit Blick auf eine relevantere Vergleichsgruppe eine effektiveren Preisbildung ihrer Beteiligungspapiere ermöglichen, heisst es in der Mitteilung.

Bestimmte Anforderungen müssen erfüllt sein

Das Handelsmodell ist speziell auf Unternehmen mit kleiner Marktkapitalisierung zugeschnitten. Gleichzeitig soll «Sparks» Investoren Transparenz und Kontrolle bieten. Die Schweizer Börse stellt daher wesentliche Anforderungen an die Unternehmen, die am Tag der Börsennotierung erfüllt sein müssen. Dazu gehören etwa:

  • Die Marktkapitalisierung darf nicht höher sein als 500 Millionen Schweizer Franken.
  • Das Unternehmen muss bereits seit mindestens zwei Jahren bestehen.
  • Die Aktionärsbasis muss mindestens 50 Investoren umfassen.
  • Das Eigenkapital muss mindestens 12 Millionen Franken betragen.

Weitere Erfordernisse betreffen etwa Kapitalerhöhungen und mögliche Wechsel ins Hauptmarktsegment. Damit die Börse eine hohe Transparenz gewährleisten kann, sind jährlich (geprüfte) und halbjährlich (ungeprüfte) Geschäftsberichte vorzulegen. Zu den Richtlinien der Börse gehört zudem eine Corporate-Governance-Berichterstattung. Wie in anderen Segmenten sind Beteiligungen und Management-Transaktionen und kursbeeinflussende Ereignisse offenzulegen.

In anderen Ländern bereits etabliert

Das Interesse von KMU an öffentlichen Kapitalmärkten nimmt seit Jahren stetig zu. Investitionen von Venture Capital (Wagniskapital) haben sich in der Schweiz in den letzten zehn Jahren verfünffacht, wie die Schweizer Börse beobachtet hat. Der Investitionsanstieg zeige, dass eine höhere Anzahl von KMU einen Börsengang ins Auge fassen könne. Auf kleinere Unternehmen ausgerichtete Segmente haben sich bei anderen europäischen Börsen seit Jahren etabliert.

Mit «Stage» bietet die Börse für diese Gruppe von Unternehmen bereits Research-Dienstleistungen an. Organsiert werden in diesem Rahmen Konferenzen, die Unternehmen mit Anlegern zusammenbringen sollen, sowie Schulungsworkshops und E-Learning-Lösungen. «Sparks» ist somit lediglich der nächste Schritt, wie es von Seiten der Börse heisst. Wenn die zuständigen Behörden die Genehmigung erteilen, dürfte laut Angaben das Opening voraussichtlich im Herbst eingeläutet werden.

Geschrieben von

Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

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