Giancarlo Weingart: «Ich gebe jungen Mitarbeitenden früh Verantwortung und lasse bewusst auch Fehler zu.»
In der «Chefsache» nehmen Exponenten der Baubranche Stellung zu Fragen rund um Führung und ihre Arbeit. Diesmal im Fokus: Giancarlo Weingart, der auf Eigenverantwortung, Engagement und klare Kommunikation setzt. Er erklärt, weshalb junge Mitarbeitende früh Verantwortung übernehmen sollten, was ihm in der aktuellen Bauwirtschaft Sorgen bereitet – und warum das Handwerk wieder mehr Wertschätzung verdient.
Quelle: Oleksandr Skochko, Unsplash
Führung auf Augenhöhe: Der direkte Bezug zur Praxis ist Giancarlo Weingart wichtig. Er will Verantwortung übertragen, junge Talente fördern und gleichzeitig die Wertschätzung für das Handwerk stärken.
Was macht Sie zu einem guten Chef?
Ich gehe meine Arbeit mit viel Freude und grossem Engagement an. Mich motiviert jeden Tag der Wunsch, etwas zu bewegen und unser Unternehmen weiterzuentwickeln. Diese Begeisterung möchte ich auch in meinem Führungsteam und bei meinen Mitarbeitenden spürbar machen.
Wie fördern Sie junge Talente?
Ich gebe jungen Mitarbeitenden früh Verantwortung, lasse bewusst auch Fehler zu und begleite ihre Entwicklung aktiv. Gleichzeitig fordere ich Eigenverantwortung und Einsatz ein – beides gehört zwingend dazu. Wichtig ist mir auch, Perspektiven aufzuzeigen, damit eine langfristige Entwicklung möglich wird.
Was beunruhigt Sie aktuell in der Bauwirtschaft – und was stimmt Sie zuversichtlich?
Beunruhigend ist, dass Einstiegsberufe zu wenig nachgefragt werden und der Druck auf junge Führungskräfte stark zunimmt. Gleichzeitig nimmt der Preiskampf zu, und der Wert des Handwerks gerät teilweise in den Hintergrund. Zuversichtlich stimmt mich, dass ein Umdenken möglich ist – vor allem dann, wenn wir dem Handwerk wieder mehr Wertschätzung geben.
Welche Konflikte kommen, am häufigsten vor – und wie entschärfen Sie sie?
Oft entstehen Konflikte durch unklare Prozesse oder nicht klar kommunizierte Erwartungen. Ich spreche solche Themen frühzeitig und offen an und schaffe Klarheit. Wichtig ist mir auch, sachliche und persönliche Themen zu trennen und Konflikte anzugehen – statt sie zu verdrängen.
Von welcher Person haben Sie am meisten über Führung gelernt?
Von meinem damaligen Projektleiter Marc Wyss, bei dem ich nach dem Studium als Bauführer gestartet bin.
Welche Eigenschaften erwarten Sie von modernen Führungspersönlichkeiten in der Baubranche?
Empathie, langfristiges Denken, Offenheit gegenüber neuen Technologien und Arbeitsformen sowie echte Begeisterung für Projekte, Lösungen und Produkte.
Welche Eigenschaften erwarten Sie von modernen Führungspersönlichkeiten in der Baubranche?
Empathie, langfristiges Denken, Offenheit gegenüber neuen Technologien und Arbeitsformen sowie echte Begeisterung für Projekte, Lösungen und Produkte.
Wenn Sie morgen eine neue Fähigkeit «downloaden» könnten: Welche wäre das?
Ein «Update» für Geduld.
Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Hannibal Smith aus der Serie «A-Team».
Welche Eigenschaft an sich selbst überrascht Ihre Mitarbeitenden vermutlich am meisten?
Dass ich auch körperlich hart arbeiten kann und den direkten Bezug zur Praxis habe.
Wie laden Sie Ihre Energie wieder auf?
Vor allem in der Familie und durch positive Erlebnisse im Alltag. Ich habe viel Freude an meiner Arbeit, deshalb habe ich selten grosse Energiedefizite. Besonders gut tun mir die die Tage auf der Bündner Hochjagd im Herbst.
Wenn Sie Ihr Unternehmen mit einer Filmszene vergleichen müssten: Welche wäre es – und weshalb?
Eine Szene wie in «Apollo 13», in der ein Team unter Druck gemeinsam kreative Lösungen entwickelt. Das passt gut zu uns, weil wir dynamisch, lösungsorientiert, kundenfokussiert und zielgerichtet arbeiten.
Was wünschen Sie der Schweiz?
Engagement, Innovationsgeist und Zusammenhalt. Daraus entstehen Wohlstand, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. ■
Giancarlo Weingart
Quelle: zvg
Giancarlo Weingart ist 39 Jahre alt, gelernter Maurer, Hochbauzeichner, Bauingenieur und Absolvent eines Executive MBA der Universität St. Gallen (HSG). Nach seiner Ausbildung sammelte er Berufserfahrung als Bauführer bei Implenia in Zürich und wechselte anschliessend in die Baustoffbranche. Seit über zehn Jahren führt er die Calanda Gruppe als Geschäftsführer, seit 2025 ist er CEO der Gribag AG und verantwortet die strategische und operative Führung der Unternehmensgruppe in den Bereichen Kies, Beton, Recycling, Deponien und Logistik.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Giancarlo Weingart seit vielen Jahren politisch und gehört seit zwei Jahren dem Gemeinderat der Stadt Chur an. Seine politischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Wirtschaft, Energie, Infrastruktur und Berufsbildung. Als Präsident der Gewerblichen Berufsschule Chur setzt er sich besonders für die Stärkung der dualen Berufsbildung und die Förderung des Fachkräftenachwuchses ein.
Privat ist er Familienvater von zwei Töchtern. Seinen Ausgleich findet er bei einem guten Essen mit Familien und Freunden und einem guten Glas Wein. Sein Lieblingsort ist das Maiensäss oberhalb von Filisur, wo er gerne Zeit in den Bergen verbringt. (zvg)
Gribag AG
Quelle: zvg
Gribag AG ist als Baustoffdienstleister in den Bereichen Beton- und Kiesproduktion, Baustoffrecycling, Logistik und Deponiemanagement tätig. Das Unternehmen verfügt über regionale Standorte und bietet Leistungen entlang verschiedener Stufen der Baustoffkette an – von der Herstellung und Lieferung von Baustoffen über deren Transport und Recycling bis zur Entsorgung. Dabei werden auch mineralische Baustoffe aufbereitet und wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt. (cpo)