Adrian Dinkelmann: «Bauen für morgen – mit Stolz, Weitsicht und Mut»
In seiner Kolumne beschäftigt sich der Geschäftsführer von Infra Suisse, Adrian Dinkelmann, mit der Infrastrukturpolitik. Er fordert auch in Zukunft eine partnerschaftliche Vergabekultur, damit es für alle Seiten fair bleibt und keine falschen Anreize geschaffen werden.
Quelle: zvg
Adrian Dinkelmann ist Geschäftsführer von Infra Suisse.
Die Schweiz steht auf einem Fundament, das wir viel zu oft für selbstverständlich halten. Unsere Verkehrswege sind keine stummen Bauwerke, sie sind die Lebensadern unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Als Ergebnis strategischer Planung, hochstehender Ingenieurskunst und jahrzehntelanger Kontinuität im Unterhalt.
Doch dieses Erfolgsmodell gerät unter Druck. Mobilitätsbedürfnisse wachsen, Engpässe werden spürbar, und die ambitionierten Klimaziele fordern uns. Diesen Anforderungen mit beschränkten Ressourcen – personell wie finanziell – gerecht zu werden, ist schwierig.
Innovation auf solider Basis
Dennoch ist der Stillstand keine Option. Im Gegenteil: Wer die Zukunft gestalten will, muss heute Verantwortung übernehmen. Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und neue Materialien bieten enorme Chancen, um effizienter und nachhaltiger zu bauen.
Doch Innovation gedeiht nicht im luftleeren Raum. Sie braucht Planungssicherheit und eine gesunde Finanzierung. Die finanziellen Instrumente, namentlich der Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds NAF und der Bahninfrastrukturfonds BIF, haben sich bewährt. Sie sind das Rückgrat eines Systems, das Stabilität ermöglicht, auf Bedürfnisse eingeht und Fortschritte zulässt.
Genauso wichtig ist die Koordination zwischen den Verkehrsträgern. Mobilität funktioniert nur als Gesamtsystem. Wer Strasse gegen Schiene oder Luftverkehr ausspielt, löst keine Probleme – er schafft zusätzliche.
Nachfragemacht verpflichtet
Die Hauptrolle in unserer Infrastrukturpolitik spielt die öffentliche Hand. Bund, Kantone und Gemeinden vergeben den Grossteil aller Aufträge im Verkehrswegbau. Damit tragen sie Verantwortung – gegenüber den Steuerzahlenden, aber ebenso gegenüber den Unternehmen, die diese Infrastrukturen realisieren. Diese ausführenden Unternehmen sind wirtschaftlich von öffentlichen Auftraggebern abhängig. Dies liegt in der Natur der Sache – wir alle kennen den Spruch «Wer zahlt, befiehlt».
Wenn sich aber Unternehmen unter Druck gesetzt oder zu problematischen Vertragsbedingungen gedrängt fühlen, wird diese natürliche Nachfragemacht ausgenutzt. In der Regel ist die Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Unternehmen konstruktiv. Dies im wahrsten Sinne des Wortes: Man baut zusammen. Genau deshalb fordern wir eine klare, rechtskonforme und partnerschaftliche Vergabekultur.
Dialog statt Dogma
Es geht nicht um Pauschalvorwürfe. Es geht um den Respekt vor marktwirtschaftlichen Prinzipien. Macht soll nicht missbraucht, sondern verantwortlich eingesetzt werden. Hierzu haben wir als Branchenverband der Infrastrukturbauer einen Leitfaden für unsere Unternehmen entwickelt. Dieser soll sensibilisieren, Orientierung schaffen und Komplexität reduzieren. Vor allem aber soll er den Dialog fördern, bevor Konflikte eskalieren. Denn die Infrastruktur der Zukunft entsteht nicht im Gerichtssaal, sondern im gemeinsamen Verständnis darüber, wie wir dieser Verantwortung gerecht werden.
Den Mut zum Aufbruch wollen wir unter anderem an der Infra-Tagung vom Donnerstag, 22. Januar im KKL in Luzern gemeinsam vertiefen. Wir laden Politik, Verwaltung und Wirtschaft ein, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Die Verkehrswege der Schweiz sind mehr als Baustellen oder Bauwerke. Sie sind das Rückgrat unserer Entwicklung. Also tragen wir Sorge, dass sie gesund bleiben.
Unter dem folgenden Link finden Sie mehr Infos zur Infra-Tagung vom 22. Januar 2026: Tagung KKL.
Quelle: Denys Nevozhai, Unsplash
Für eine partnerschaftliche Vergabekultur – damit der Infrastrukturbau von morgen nicht in Gefahr gerät.