Winterthurer Busfahrer drohen mit ganztägigem Streik
Die Belegschaft von Stadtbus Winterthur ist im Streikmodus: Um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, haben die Chauffeure am Dienstag für vier Stunden die Arbeit niedergelegt. Weil dies nichts brachte, drohen sie nun mit einem ganztägigen Streik.
Quelle: wikicommons / JoachimKohler-HB
Bis 8.30 Uhr morgens streiken die Busfahrerinnen und Busfahrer in der Stadt Winterhur.
Statt 64 Busse waren am Dienstagmorgen nur 21 Busse im
Einsatz. Die Hauptlinien konnten bedient werden, wenn auch mit Wartezeiten.
Viele Verbindungen fielen aber komplett aus. Die Passagiere mussten mit dem
Velo oder zu Fuss zur Arbeit oder an den Hauptbahnhof.
Hintergrund des Streiks ist ein seit längerem schwelender
Konflikt um die Arbeitsbedingungen fürs Fahrpersonal. Die Gewerkschaft VPOD
kritisiert kurzfristig angekündigte «Springertage», mögliche Minusstunden, zu
tiefe Nachtzuschläge sowie Mängel in der Dienstplanung. Zudem müssten sich
Angestellte an Schäden beteiligen.
«Unhaltbare Arbeitsbedingungen»
«Wir Busfahrer haben in den letzten Jahren unhaltbare
Arbeitsbedingungen ausgehalten, um den Nahverkehr in dieser Stadt zu sichern.
Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem es so nicht weitergeht. Der Stadtrat lässt
uns keine andere Wahl, als in den Streik zu treten», so ein anonymer
Mitarbeiter.
Die vier Stunden dauernde Aktion zeigte jedoch keinen
Erfolg: Gewerkschafter diskutierten beim Busdepot lange mit dem zuständigen
Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) - um dann ergebnislos auseinanderzugehen.
Weitere Gespräche sollen aber folgen.
Frist bis Mittwoch nächster Woche
Das erste von wohl mehreren Gesprächen ist nun für
Donnerstag angesetzt. Falls bis Mittwoch nächster Woche keine Einigung erzielt
wird, droht das Personal aber mit einem ganztägigen Streik. Wann dieser
stattfinden soll, ist noch offen.
Fritschi zeigte am Dienstag seine Gesprächsbereitschaft. Für
gewisse Veränderungen brauche es aber politische Entscheide. Wunder dürfe man
deshalb keine erwarten, sagte er vor den Medien.
Fritschi zeigte sich überzeugt, dass Stadtbus auch jetzt
schon gute Arbeitsbedingungen biete. Schliesslich verdiene ein Einsteiger ohne
Ausbildung einen Jahreslohn von 71'000 Franken. «Ich schliesse aber nicht aus,
dass wir gewisse Verbesserungen erzielen können.»
«Lasse mich nicht unter Druck setzen»
Der FDP-Stadtrat betonte gleichzeitig, dass er sich «nicht
unter Druck setzen» lasse - auch nicht mit einem Streik. «Streiken ist nicht
lösungsorientiert. Es wird viel Geschirr zerschlagen.»
Er habe der Gewerkschaft deshalb angeboten, am Montag nach den kommunalen Wahlen vom 8. März ein erstes Gespräch zu führen. «Aber die Gewerkschaft wollte die Aufmerksamkeit», sagte er weiter. Dass der Streik nun ausgerechnet in der Woche vor den Wahlen stattfand, hat gemäss Fritschi sicher «einen Zusammenhang».
«Unter aller Kanone»
Mit dem Auftritt der Gewerkschaft VPOD und einigen
Aktivisten ist Fritschi generell nicht glücklich. So seien etwa Busfahrer, die
hätten fahren wollen, vom Arbeiten abgehalten worden. Zudem seien auch
Aktivisten vor Ort gewesen, die nichts mit dem Fahrpersonal zu tun gehabt
hätten. «Sie haben vermummt Stimmung gemacht.»
Diese Aktivisten hätten sich respektlos und «unter aller Kanone» ihm gegenüber verhalten. «Ich erwarte vom VPOD, dass er solche Leute nicht mehr beizieht.» Punkt 08.30 Uhr fuhren die ersten Busse wieder aus dem Depot - zurück zum Normalfahrplan. (Monika Freund / Keystone-SDA)