20:12 KOMMUNAL

Mit Suonen und Wässermatten gegen trockenes Kulturland

Teaserbild-Quelle: IZTB / Werner Stirnimann

Seit Jahrhunderten versorgen Suonen Walliser Kulturland mit Wasser. Suonen sind offene Wasserleitungen, die teils an Felswänden entlang zu entlegenen Plätzen führen. Und im Oberaargau erfüllen Wässermatten einen ähnlichen Zweck. Seit kurzem gehören die beiden traditionsreichen Bewässerungstechniken zum Immateriellen Unesco-Weltkulturerbe.

Suone von Ayvent

Quelle: Barbara Steinemann, derivative work: Zacharie Grossen, Suone von Ayent.jpg, CC BY-SA 4.0

Die Grosse Suone von Ayvent. Im Hintergund Holzleitung an der Felswand.

Bis heute sorgen im Wallis vielerorts die Suonen dafür, dass es auch Weiden, Äcker, Obstgärten und Rebberge in trockenen Gebieten blühen und gedeihen. Teils offene Gräben, teils Leitungen aus Holz, die als abenteuerliche Konstruktionen hoch über dem Abgrund schroffem Fels entlang führen, blicken die Bewässerungskanäle auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurück. Ihre Erbauer hatten gewaltige  Herausforderungen zu meistern. Oft war die Errichtung der Suonen mit tödlichen Gefahren verbunden, etwa wenn es galt, in schwindelerregender Höhe die Leitungen am Fels zu installieren oder zu flicken. Zudem mussten sie die Suonen so konstruieren, dass das Gefälle einen stetigen Wasserfluss sicher stellte

Eine dieser Leitungen schmückt die 100-Franken-Note: die  Suone von Ayent. Sie ist vor über 600 Jahren angelegt worden, Teile davon sind bis heute in Betrieb. Mittlerweile führt an ihrein  Wanderweg vorbei, für den man streckenweise keine Höhenangst haben darf. Er bietet einen faszinierenden Blick die Vergangenheit der Suone  oder vielmehr auf restaurierte Überreste an der Felswand bei Torrent-Croix.

Unterhalten wird eine Suone übrigens von so genannten Geteilschaften. Diese bestehen aus einem Vorstand, einem Waserhüter, der die Suone überwacht und für Wartungsarbeiten besorgt ist, sowie den sogenannten Geteilen, die das Wasser aus der Suone bezoehen und sich auch an Instandstellungsarbeiten beteiligen müssen. 

Wässermatten bringen Äcker zum Blühen

Eine ebenfalls traditionsreiche Technik, mit deren Hilfe Wiesen gedüngt und auch mit Wasser versorgt werden, ist jene der Wässermatten. Vor Jahrhunderten im ganzen Mittelland verbreitet, findet man sie heute noch im Oberaargau und im angrenzenden Luzernbiet. Konkret handelt es sich um ausgedehnte, verzweigte Systeme aus Kanälen und Gräben mit Dämmen, Schleusen, Wehren und Staubrettern. Die Matten werden je nachdem mehrmals pro Jahr gewässert, düngen so über die mitgeschwemmten Schwebstoffe das Kulturland. 

Ähnlich wie der Unterhalt und der Betrieb der Suonen ist auch jener der Wässermatten die Aufgabe einer Gemeinschaft: So werden die Hauptgräben von den Wässermatten-Genossenschaften im Gemeinwerk und die Seitengräben privat unterhalten. Und für die Ufer sind die Anstösser zuständig. Die Wässermatten seien exemplarisch für das traditionelle Wissen im Umgang mit der Natur und stünden für frühe genossenschaftliche Organisationsformen, vermerkt dazu Bundesamt für Kultur auf seiner Website. - Vor vierzig Jahren sind die Wässermatten ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen worden.

Geteilschaften als immaterielles Kulturerbe

Seit letztem Dienstag werden die Suonen und die Wässermatten unter dem Titel “Traditionelle Bewässerung. Wissen, Technik und Organisation” im Immateriellen Kulturerbe der Unesco gelistet. Beim Eintrag geht es allerdings nicht nur um die Suonen im Wallis und die Wässermatten im Oberaargau, sondern auch um weitere Bewässerungstechniken aus Österreich, Deutschland, Belgien, Italien und den Niederlanden. Durch die Aufnahme ins Unseco-Kulturerbe sollen traditionelle Modelle der Bewässerung und der  Wasserwirtschaft aufgewertet werden, vor allem aber die Bewirtschaftung in Geteilschaften.  (mai)

Link- und Videotipps

Video der Wässermattenstiftung Oberaargau über die Wässermatten im Oberaargau und wie sie funktionieren von Steve Diener: https://vimeo.com/592216599

Hintergrundinformationen zu den Wässermatten auf der Website zu Traditionen in der Schweiz des Bundesamts für Kultur: www.lebendigetraditionen.ch 

Website des Internationalen Netzwerks für Traditionelle Bewässerung (International Network on Traditional Water Use) Informationen zu den gelisteten Bewässerungstechniken www.intwater.uni-freiburg.de

Hintergrundinformationen zu den Geteilschaften im Wallis auf der Website zu Traditionen in der Schweiz des Bundesamts für Kultur: www.lebendigetraditionen.ch

Umfassendes Suoneninventar von Johannes Gerber mit vielen Hintergrundinformationen: www.suone.ch

Wandertipps entlang der Suonen auf www.les-bisses-du-valais.ch/de/

An heiligen Wassern, Filmdrama von Alfred Weidenmann mit Gustav Knuth, Hansjörg Felmy, Gisela Trantow u.a. von 1960 nach dem gleichnamigen Roman von Jakob Christoph Heer. Im Film geht es um eine Suone, die von einer Lawine zerstört wird und wieder reparierte werden muss.  Ganzer Film auf www.youtube.com
(mai)

Bisse de Montana um 1942

Quelle: Burgeat, Sammlung der ETH-Bibliothek, CC BY-SA 4.0

Der Bau und die Reparatur der Suonen in schwindelerregender Höhe war oft gefährlich.

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