17:08 KOMMUNAL

Nachbarschaft in der Schweiz: Distanzierte Nachbarn, die sich vertrauen

Teaserbild-Quelle: Lawrence Chismorie; Unsplash

In der Regel vertrauen sich Nachbarn in der Schweiz. Daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert. Das zeigt eine kürzlich publizierte Studie des Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI); Sie kann auf der GDI-Website kostenlos heruntergeladen werden.

Geschichten rund um Streit mit Nachbarinnen und Nachbarn gibt es in der Schweiz zu Hauf. Dass sie die Wirklichkeit aber nur zum Teil abbilden, zeigt die aktuelle Studie zur Nachbarschaft in der Schweiz. Sie ist im Rahmen der Aktion „Die #nachbarschaftsinitiative“ derer Migros erstellt worden.

So geht aus der repräsentativen Umfrage des GDI hervor, dass das Gros der Bevölkerung der Schweiz zwar ein eher distanziertes Verhältnis zur Nachbarschaft pflegt, ihr aber einen grossen Vertrauensvorschuss entgegen  bringt. Obwohl die meisten Befragten gemäss eigener Einschätzung ihre Nachbarn nicht gut kennen, fühlen sich drei Viertel in ihrer Nachbarschaft sicher. Beinahe 90 Prozent geben an, ihren Nachbarn zu vertrauen.

Die Studie ergab zudem, dass der Begriff der Nachbarschaft in der Romandie und im Tessin um einiges breiter gefasst wird als in der Deutschschweiz: Während in der Deutschschweiz nur die unmittelbaren Nachbarn im Haus oder in den umliegenden Häusern zur Nachbarschaft gezählt wer- den, schliesst man in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz das ganze Quartier mit ein. Das Nachbarschaftsleben und der Austausch mit Nachbarinnen und Nachbarn in der Schweiz findet daher zu einem Grossteil spontan im Treppenhaus oder auf der Quartierstrasse statt.

Mehr Kontakt zur Nachbarschaft in der Stadt und in der Romandie gewünscht

Die nachbarschaftlichen Beziehungen haben sich durch die Covid-Pandemie nicht spürbar verändert, auch das zeigt die Untersuchung. Nichtsdestotrotz hat die Schweizer Bevölkerung während der Corona-Zeit unter Beweis gestellt, dass sie mit den Nachbarn intensivere Beziehungen pflegen kann, wenn es darauf ankommt. In Bezug auf die Häufigkeit der Kontakte zeigt sich ein Unterschied zwischen Stadt- und Landbewohnern: Während Personen in ländlichen Gegenden mit der heutigen Situation zufrieden sind, wünscht man sich in Städten und der Romandie mehr Kontakt mit der Nachbarschaft. Allem voran hätte man gerne mehr Anlässe.

Das gute Verhältnis und das Vertrauen zwischen Nachbarn äussert sich auch in ihrem Engagement: So helfen die meisten Befragten bei Bedarf aus. Die kleinen Aufmerksamkeiten und Hilfeleistungen reichen vom Ausleihen von Essenszutaten und Werkzeugen, was über zwei Drittel der Befragten (67%) tun, zum Pflanzengiessen (48%) bis hin zur gelegentlichen Kinder- und Haustierbetreuung (26%).

Vier verschiedene Nachbarschaftstypen

Im Rahmen der Studie wurden vier Nachbarschaftstypen identifiziert: die Distanzierten, die Inspirationssuchenden, die Beziehungspflegerinnen und -pfleger sowie die Werteorientierten.

  • Die Distanzierten machen beinahe die Hälfte der Schweizer Bevölkerung aus. Trotz ihrem Wunsch nach natürlicher Distanz zu den Nachbarn pflegen sie ein umgängliches Verhältnis. 
  • Die Inspirationssuchenden umfassen etwa ein Drittel der Bevölkerung. Sie begrüssen Unterschiedlichkeit und Diversität und legen Wert auf eine durchmischte Nachbarschaft. Sie suchen  Begegnungen und  Austausch mit anderen Menschen. 
  • Die Beziehungspflegerinnen und -pfleger schätzen ein Gefühl von Gemeinschaft und Nähe. Sie  machen 14 Prozent der Bevölkerung aus
  • Für die Werteorientierten steht das gemeinsame Verständnis von guter Nachbarschaft im Vordergrund. Sie wohnen bewusst in Nachbarschaften, die dieses Verständnis teilen und umfassen etwa 10 Prozent der Bevölkerung. (mai/mgt)

Die GDI-Studie „Hallo Nachbar*in. Die grosse Schweizer Nachbarschaftsstudie“ basiert auf einem mehrstufigen Vorgehen. In qualitativen Interviews (Wertemonitor) wurden zuerst die Werte und Parameter erhoben, die Menschen mit Nachbarschaft verbinden. Anschliessend wurde in einer repräsentativen quantitativen Umfrage (Wertewelten Nachbarschaft) gemessen, wie gross die Gruppen sind, die in der Schweiz zu den jeweiligen Werte-Clustern (Nachbarschaftstypen) gehören. Die Auswertung der beiden methodisch unterschiedlichen Untersuchungen, die sich gegenseitig ergänzen, ermöglicht eine fundierte Analyse der Nachbarschaftsbeziehungen in der Schweiz.

Sie Studie kann über diesen Link heruntergeladen werden: https://gdi.ch


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