Verdichtungsbarometer der Schweiz: Verdichtung ist breit akzeptiert, Fragezeichen gibt es dennoch
Angesichts der wachsenden Bevölkerung und der vielerorts schwierigen Wohnungssuche ist das Thema Verdichtung allgegenwärtig. Darüber, dass sie notwendig ist, sind sich viele einig. Dennoch traut es mehr als der Hälfte ihrer Gemeinde oder Stadt nicht zu, dass sie sinnvoll verdichten kann. Das zeigt der aktuelle Verdichtungsbarometer von Raumpioniere.
Quelle: ESA
Die Stadt Genf und aus dem Orbit, aufgenommen im 2021: Sie gilt als die dichtetste Stadt der Schweiz.
Dichtestress herrscht in den grossen Schweizer Städten im Vergleich zu Megametropolen wie Tokio oder New York wenig. Dennoch sorgen sich viele um die wegen der Zuwanderung wachsenden Bevölkerung, davon zeugt auch die anstehende «Keine Zehn-Millionen Schweiz»-Abstimmung.
Aber wie steht tatsächlich um die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Verdichtung in der Schweiz bestellt? Antworten auf diese Frage will das «Verdichtungsbarometer Schweiz» liefern, das vor kurzem erstmals publiziert worden ist, und künftig alljährlich erscheinen soll. Hinter dem Barometer respektive der Onlineumfrage steckt das St. Galler Proptech-Unternehmen Raumpioniere, das sich auf Verdichtungspotenziale bestehender Immobilien spezialisiert hat.
Rund 75% der Befragten ist eine erhöhte Verdichtung in den Städten wichtig
«Grosse städtebauliche Visionen zielen sehr oft an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei. Dabei geht viel Vertrauen verloren», lässt sich Atilla Färber, Architekt und Raumpioniere-CEO, in der Medienmitteilung zitieren. So geht aus den Resultaten des Barometers hervor, dass sich die Mehrheit der Befragten zwar an ihrem Wohnort wohl fühlt und der Verdichtung offen gegenübersteht und sie als notwendig erachtet, aber gleichzeitig traut es mehr als die Hälfte ihrer Gemeinde oder Stadt nicht zu, dass sie qualitativ hochstehend verdichten kann. Und je nachdem wo die Verdichtung stattfindet, unterscheidet sich auch der Rückhalt in der Bevölkerung: So können sich rund 75 Prozent auf eine erhöhte Verdichtung in den Städten einigen, rund 66 Prozent erachten sie in der Agglomeration und 40 Prozent in den ländlichen Regionen als sinnvoll.
Weiteres Resultat der Umfrage: Verdichtet eine Gemeinde, soll sie zu allererst auf hochstehende Bauqualität und Architektur achten, an zweiter Stelle auf den Erhalt und Ausbau von Grünräumen und am dritter bezahlbare Wohnungen. Weniger wichtig sind offenbar die Themen Verkehr & Mobilität, Soziale Durchmischung, Gemeinschaftsräume und Lärmschutz. (mai/mgt)