11:10 KOMMUNAL

Mit Tümpel und Teich gegen das Aussterben bedrohter Amphibien

Teaserbild-Quelle: Thomas Reich / WSL

Ein Grossteil der Frösche, Kröten, Molche und Salamander zählt in der Schweiz zu den gefährdeten Arten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine der Ursachen: Schwindende Lebensräume. Das Anlegen von Tümpen und Teichen kann helfen, wie eine Studie zeigt.

Laubfrosch

Quelle: Thomas Reich / WSL

Der Laubfrosch hat im Reusstal (AG) stark zugenommen.

Ob eine Pestizideinsatz in der Landwirtschaft, der Strassenverkehr, der Klimawandel oder der Verlust des Lebensraums - all dies gefährdet den Fortbestand vieler Amphibien. Einige dieser Bedrohungen sind schwierig anzugehen. Doch immerhin gibt es gegen den Verlust des Lebensraumes  eine vergleichsweise einfache Lösung: das Anlegen von Tümpeln und Teichen, in denen sich die Tiere fortpflanzen können. So erhöht sich einerseits die Zahl der Nachkommen, andererseits sind die Populationen dank einer hüheren Dichte an Tümpeln in der Landschaft besser vernetzt.

Dass das grossräumige Anlegen von neuen Teichen nützt den Amphibien tatsächlich nützt zeigt eine aktuelle Studie. Erstellt hat sie die Ökologin Helen Moorkonnte  zusammen mit einem Forschungsteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt Wald Schnee und Landschaft (WSL) und des Wasserforschungsinstituts Eawag in Zusammenarbeit mit Info Fauna Karch.

>Die Daten zur Studie stammen aus dem Kanton Aargau, wo innerhalb von zwanzig Jahren über 400 neue Tümpel und Teiche geschaffen worden sind. Die Amphibien besiedelten die neuen Gewässer, die Bestände von zehn der zwölf Arten nahmen bis 2019 zu. «Wir waren erstaunt über das deutliche Resultat», sagt Moor, «gerade im Hinblick darauf, dass ja die anderen Bedrohungen zwischenzeitlich nicht abgenommen haben.»

Population der Gelbbauchunke im Aare- und Rheintal gewachsen

Der Kanton Aargau überwacht seit 1999 mit einem Monitoringprogramm entlang der fünf grossen Flusstäler. Er verfügt so über einen der besten verfügbaren Langzeitdatensätze. Die Daten wurden grösstenteils von Freiwilligen erhoben und von Fachleuten in ein komplexes statistisches Modell eingegeben. Das Modell glich einerseits die Fehler aus, die beim Beobachten entstehen können. Andererseits konnten die Forschenden mit dem Modell die Veränderung der Besetzung der Teiche vorhersagen.

Dabei zeigte sich: Je grösser ein neu angelegter Teich war, desto höher war die Chance, dass er besiedelt wurde. Die Nähe zum Wald und zu anderen kleinen Gewässern förderten eine Besiedelung ebenfalls. So hat die Gelbbauchunkenpopulation insbesondere im Rhein- und im Aaretal stark zugenommen. Als Pionierart besiedelt sie denn auch gerne neugeschaffene, offene Gewässer, wie die Studie zeigt.

Als Pionierart besiedelt die Gelbbauchunke gerne neugeschaffene, offene Gewässer.  (Foto: Thomas Reich / WSL)

Als Pionierart besiedelt die Gelbbauchunke gerne neugeschaffene, offene Gewässer. (Foto: Thomas Reich/ WSL)

Derweil hatte sich die Laubfroschpopulation im Reusstal im untersuchten Zeitraum sogar mehr als verdoppelt. Mit weiteren Analysen soll nun geklärt werden, ob allein die neuen Tümpel und Teiche dazu geführt haben – und von wo die Tiere eingewandert sind.

Allerdings profitierten nicht alle Arten: So bevorzugt zum Beispiel die Kreuzkröte sehr grosse, temporär überschwemmte Flächen im offenen Land mit schwankendem Wasserstand. «Diese Art hat spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum, diese müssen entsprechend berücksichtigt werden beim Teichbau», sagt Moor. Das wurde bislang im Kanton Aargau offenbar noch zu wenig getan.

Kanton, Naturschutzorganisationen und Landeigentümer spannen zusammen

«Auch wenn die Negativmeldungen zum Verlust der Biodiversität überwältigend sein können: Unsere Studie zeigt, dass es sich lohnt, Naturschutzmassnahmen umzusetzen und dass sich Populationen wieder erholen können», sagt Moor. Über kurz oder lang sei jeder neu angelegte Teich für Amphibien wertvoll.

Zur Erfolgsgeschichte aus dem Kanton Aargau hat laut Moor auch beigetragen, dass der politische Wille zum Handeln vorhanden istund dass alle Akteure am gleichen Strick ziehen: Kanton, Naturschutzorganisationen und  Landeigentümer. Dank dem sorgfältig aufgegleisten Monitoringprogramm können nun die Massnahmen bestimmt und angepasst werden, so etwa zugunsten der Kreuzkröte. (mgt/mai)

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit info fauna karch und wurde in der Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlicht.

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