10:11 KOMMUNAL

Indoor statt Import mit «Vertical Farming»: Wenn Basilikum immer Saison hat

Geschrieben von: Nadine Siegle
Teaserbild-Quelle: Umami

Lokal angebauter Basilikum, der das ganze Jahr über Saison hat? Die vertikale Landwirtschaft macht es möglich. Auch Schweizer Start-ups setzen auf den Trend und erobern den Markt mit Kräutern aus hoch technisierten «Vertical Farms».

Pinkfarm Vertical Farming Lokal365

Quelle: Pinkfarm, Lokal365

Nicht gestapelt, sondern an sogenannten «Towers» hängend, wachsen die etwa 20'000 Pflanzen der Firma «Lokal365» im St. Galler Sittertobel.

Wer bei Indoor-Plantagen nur an den illegalen Cannabis-Anbau denkt, hat etwas verpasst. Die Indoor-Landwirtschaft in der Vertikalen boomt – auch in der Schweiz. In den letzten Jahren haben etliche sogenannte «Vertical Farms» ihren Betrieb aufgenommen und sich vor allem mit Küchenkräutern einen Platz in den Regalen von Coop, Migros und Co. erarbeitet.

Wurzeln stehen im Wasser

Vertikaler Anbau findet indoor, unter kontrollierten Bedingungen, häufig stark automatisiert und ohne Verbindung zur Natur ausserhalb der Produktionshallen statt. In der Regel wachsen die Pflanzen nicht in der Erde, sondern mit Hilfe geeigneter Anzuchtmaterialien. Die Wurzeln stehen direkt im Wasser oder werden mit einer Nährstofflösung besprüht.

Tageslicht gibt es in «Vertical Farms» in der Regel nicht. Das nötige Licht erhalten sie durch LED-Beleuchtung. Die Unternehmen, die indoor und vertikal anbauen, schreiben sich zudem auf die Fahne, pestizidfrei und mit sehr wenig Wasserverbrauch zu produzieren. Und wie der Name sagt: Angebaut wird in irgendeiner Form vertikal, sei das hängend an einer Art Turm oder gestapelt in Hochregalen.

Pilotanlage in Niederhasli

Durch den vertikalen Anbau nutzen «Vertical Farms» die vorhandene Bodenfläche um ein Vielfaches besser aus als die konventionelle Landwirtschaft. «More with less» ist deshalb das Credo des ETH-Spin-offs Yasai, das Küchenkräuter in der Vertikalen wachsen lässt. «Wir produzieren pro verfügbare Fläche viel mehr, weil wir die Anbauflächen übereinanderstapeln und das ganze Jahr hindurch anbauen können», fasst Co-Gründer und CEO Mark Zahran zusammen.

Das Start-up hat im Juni 2021 mit dem Bau einer Pilotanlage in Niederhasli (ZH) begonnen. Wobei «bauen» in diesem Fall bedeutet, dass Zahran und sein Team eine leere Industriehalle umgenutzt und eine Indoor-Anlage in das bestehende Gebäude hineingebaut haben. Die sogenannte «Grow Chamber», in der die angebauten Pflanzen vollautomatisiert bewässert und beleuchtet werden, bietet auf 10 mal 10 Metern über 6 Etagen insgesamt 600 Quadratmeter Anbaufläche.

Hinzu kommen Verarbeitungsbereiche, wie die Hygiene- und die Verpackungszone. Alles in allem seien rund 1000 Quadratmeter nötig, um in einer sinnvollen Menge indoor anbauen zu können, erklärt Zahran. «Unsere Pilot-anlage ist die kleinstmögliche Farm, die sich wirtschaftlich noch lohnt.»

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Ehemalige Redaktorin Baublatt / ehemals Kommunalmagazin

Nadine Siegle war von September 2016 bis Januar 2019 als stellvertretende Chefredaktorin beim Kommunalmagazin tätig. Nach dessen Einstellung arbeitete sie von Februar bis Juli 2019 als Redaktorin beim Baublatt, mit Schwerpunkt auf kommunale Themen.

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