08:09 KOMMUNAL

Geschichte der Elektrizität: Zürichs steter Strom aus Wasserkraft

Geschrieben von: Stefan Schmid (sts)
Teaser-Quelle: Heinrich-Wolf Bender, Baugeschichtliches Archiv Zürich

Den Strom für die elektrische Beleuchtung der Stadt Zürich Ende des 19. Jahrhundert lieferte das Letten-Kraftwerk an der Limmat. Es war der Beginn einer langen Reihe von Kraftwerkprojekten. Umsiedlungen waren die Schattenseiten. Bis heute spielt die Wasserkraft bei der Stromproduktion eine zentrale Rolle.

Kraftwerk Wägital

Quelle: Heinrich-Wolf Bender, Baugeschichtliches Archiv Zürich

Das Kraftwerk im Wägital war bei seiner Inbetriebnahme 1926 eines der weltgrössten Speicherkraftwerke. Der Bau war der Auftakt zur intensivenWasserkraftnutzung in der Schweiz. Aufnahme: 1930.

Die moderne Beleuchtung in der Stadt Zürich warf ein Schlaglicht auf das kommende Zeitalter der Elektrizität. Der Bedarf nach Strom nahm rasch zu, denn ab 1893 schloss sich die Stadt mit elf Nachbargemeinden zur ersten Schweizer Grossstadt mit damals über 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern zusammen. Und aufgrund des technischen Fortschritts und der Industrialisierung konnte die Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu anderen Ländern ein sehr starkes Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Technik ermöglichte die Erschliessung neuer Anwendungsfelder.

Auch die Erweiterung des Lettenwerks mit Dampfkrafttechnik wenige Jahre später konnte die Stromnachfrage bei weitem nicht decken. Der städtische Energieversorger EWZ evaluierte daher damals potenzielle Energiequellen in der näheren Umgebung. Strom liefern konnte schon ab 1904 das Aarekraftwerk Beznau im Kanton Aargau. 

Laufkraftwerke dieser Art eignen sich in der Regel für Standorte mit einem sehr kleinen Gefälle und zur Deckung von Grundlasten, weil die Turbinen rund um die Uhr Strom produzieren, der entsprechend einer Nutzung zugeführt werden muss. Bei diesem Kraftwerkstyp kann die Produktion nur bedingt bedarfsgerecht ausgerichtet werden.

Die Suche nach neuen Ressourcen dehnte das EWZ daher auf die weitere Umgebung aus. Gemeinden in den Kantonen Schwyz, Glarus und Zug kamen als potenzielle Standorte für die Nutzung der Hydroenergie in Frage. Schliesslich fiel die Wahl zuerst auf Sils im Kanton Graubünden, der 1906 ein neues Wasserrechtsgesetz in Kraft gesetzt hatte, um die Entwicklung für die Wasserkraftnutzung in geordnete Bahnen zu lenken. Zuvor machten Konzessionsjäger mit möglichen Standortgemeinden für Wasserkraftwerke ihren Reibach.

Bauvorhaben «gewagte Spekulation»

Die Zürcher Bevölkerung stimmte einem Kredit für den Bau des Albula-Kraftwerks bei Sils zu. Den Gegnern, die das Bauvorhaben als «gewagte Spekulation» bezeichneten, war die für damalige Verhältnisse horrende Summe von 11 Millionen Franken ein Dorn im Auge. Der Strom musste zudem über eine 140 Kilometer lange Hochspannungsleitung vom Kraftwerk nach Zürich transportiert werden.

1906 erfolgte der Startschuss für den Bau des Albulawerks und der Leitung, die bereits 1909 in Betrieb genommen werden konnten. Auf der Baustelle waren vor allem Arbeiter aus Norditalien beschäftigt, welche die Talschaft willkommen hiess, wie das Begleitbuch zur Ausstellung «Elektrizität und keine Ende» im Zürcher Stadtarchiv vermerkt, war die Gegend im Oberengadin doch von Abwanderung betroffen.

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Redaktor Baublatt

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