15:12 KOMMUNAL

Die älteste Ortstafel der Welt steht in Ägypten

Teaserbild-Quelle: Ludwig Morenz

In der Nähe von Assuan im Wadi Abu Sueiera befindet sich die älteste Ortstafel der Welt, sie ist über 5000 Jahre alt. Archäologen vom Ägyptischen Antikenministerium und der Universität Bonn konnten die vier Hieroglyphen nun entziffern: „Domäne des Horus-Königs Skorpion“.

Der Herrscher namens ‚Skorpion‘ sei eine prominente Figur während der Entstehung des ersten Territorialstaates der Welt gewesen, sagt Ägyptologe Ludwig D. Morenz von der Universität Bonn. Der König lebte um 3070 v.Chr., über seine genauen Lebensdaten und die Dauer seiner Regierungszeit ist allerdings nichts bekannt.

Die Inschrift setzt sich aus insgesamt vier Hieroglyphen zusammen, von denen die Kreis-Hieroglyphe darauf verweist, dass es um eine Ortsbezeichnung geht. „Damit handelt es sich um das älteste bekannte Ortsnamenschild der Welt“, so Morenz.

Da man wenig über den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Alltag der Zeit vor mehr als fünftausend Jahren weiss, sieht Morenz in der Entzifferung der Felsinschrift eine Bereicherung. Zumal damals eine solche Inschrift oder vielmehr geschriebener Text an dem eher abseitigen Ort eher ungewöhnlich gewesen sein dürfte. Und so öffnet sie gemäss Morenz trotz ihrer Kürze ein Fenster in die Zeit der Entstehung des ägyptischen Reiches und seiner Kultur: Der Prozess der Binnenkolonisation im Niltal konkreter werde erstmals konkreter schriftlich greifbar.

Ägypten, erster Territorialstaat der Welt?

Nach Einschätzung Morenz‘ war Ägypten der erste Territorialstaat der Welt. „Es gab vorher auch schon anderswo Herrschaftssysteme, die aber viel kleinflächiger waren“, so der Wissenschaftler. Länger bekannt ist, dass sich die Nord-Süd-Ausdehnung Ägyptens über rund 800 Kilometer erstreckte. „Tatsächlich gingen mehrere rivalisierende Zentren im neuen Zentralstaat auf“, sagt Morenz. An der Peripherie des Reiches wurden damals gezielt Königsgüter – sogenannte Domänen – gegründet, um das Pharaonenreich zu festigen.

In der Zeit, als die Inschrift in den Stein gehauen wurde, hatte sich bereits eine Verwaltung herausgebildet, was sich wiederum aus niedergeschriebenen Beamtentiteln, Steuern und Abgaben ablesen lesen lässt. – Und auch wenn von kleineren Vermerken auf Etiketten, Rollsiegeln und Gefässaufschriften schon andere Wirtschaftseinheiten oder vielmehr solche Domänen, wie jene bei Aussuan eine war, bekannt sind: Mit der Felsinschrift werde erstmals eine solche Königsdomäne als konkreter archäologischer Ort fassbar, sagt Morenz.

Überdies entdeckte man dort nebst verschiedenen Felsbildern auch noch weitere frühe Felsinschriften, sowie Keramik aus dieser Zeit gefunden. „Dieses Gebiet steht noch am Anfang der archäologischen Erschliessung“, sagt Morenz, der wie seine Kollegen hier die Chance sieht, den Prozess der weltweit ersten Staatsentstehung genauer zu untersuchen, die die Ausweitung und Sicherung des Herrschaftsbereichs an den Rändern im Niltal beinhaltet und ebenso die Festigung des damals neuartigen Königtums. (mai/mgt)

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