15:09 KOMMUNAL

Allergikerfreundlicher Gartenbau: Gesucht sind Bäume ohne Nebenwirkungen

Teaserbild-Quelle: Alexandra von Ascheraden

Stadtbäume müssen mit Hitze, Trockenheit und Streusalz zurechtkommen und Schatten spenden. Wegen der Entsorgung sollen sie zudem keine Früchte ausbilden. Birken wiederum sind für Pollenallergiker ein Ärgernis. Stadtgärtner suchen nun nach geeigneten Baumarten.

Turbinenplatz

Quelle: zvg

Die robusten Birken eignen sich zwar als Stadtbäume, doch gleichzeitig setzen die Pollen vielen Allergikern stark zu. Auf grossen Plätzen ist das Problem weniger akut als bei schlecht durchlüfteten Innenhöfen. Bild: Turbinenplatz in Zürich.

Zwanzig bis dreissig Mikrometer winzig sind die grössten Feinde vieler Pollenallergiker. Birkenpollen beispielsweise können tief in Atemwege vordringen und Niesreiz auslösen, begleitet von juckenden Augen und triefender Nase. Zwanzig Prozent der Bevölkerung sind von einer Pollenallergie betroffen. Birke, Erle und Hasel gehören zu den Baumarten, auf die Allergiker am häufigsten reagieren.

Widerstreitende Ansprüche

Stadtgärtnereien werden einerseits zunehmend mit dem Wunsch konfrontiert, bestimmte Baumarten nicht mehr zu pflanzen oder sie gar zu entfernen. Andererseits sollen aus Gründen der Biodiversität nach Möglichkeit heimische Bäume gepflanzt werden. Und mit dem Klimawandel muss der Baumbestand mit Hitzestress und wenig Niederschlägen zurechtkommen. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen müssen Stadtgärtner daher für jeden Standort die beste Lösung finden. 

Wie aber gehen die Stadtgärtnereien damit um, wenn Anwohnerinnen und Anwohner konkrete Wünsche vorbringen? Peter Kuhn, Leiter des Berner Baumkompetenzzentrums sagt dazu: «Das hatten wir tatsächlich schon. Die Stadtplaner hatten vor, an der neu angelegten Verlängerung einer Strasse die vorhandene Birkenallee weiterzuführen, da diese an dieser Strasse historisch verankert war.» Ein entsetzter Heuschnupfenpatient des betroffenen Quartiers griff daraufhin zum Telefon.

Am Ende wurde das Vorhaben nochmals neu beurteilt und nach Alternativen gesucht. «Da das Neubauensemble aus baulicher Perspektive nicht weitergeführt, sondern angehängt worden war, haben wir entschieden, die Allee zwar weiterzuziehen, aber die Baumarten zu mischen. Mischalleen haben in Bern zum Glück Tradition. In der bestehenden Allee werden wir aber Birken nachpflanzen, falls welche abgehen», betont Kuhn. Teilweise berücksichtigt Bern das Problem schon in der Bebauungsordnung. Auf dem Inselareal, dem Standort des Universitätsspitals, werden zum Beispiel keine Sand- und Moorbirken mehr gepflanzt. Dieser Wunsch kam direkt von der Spitalleitung. Nach Gesprächen haben die Stadtgärtner diesen Wunsch aufgenommen.

Birke als heimische, robuste Art

Als Stadtbäume eignen sich immer schon die robusteren Arten, Birken gehören auch dazu. Weil die Herausforderungen durch den Klimawandel steigen, fällt schon seit längerem die Wahl auf mediterrane Arten. Yvonne Aellen, Leiterin Grünflächenunterhalt bei der Stadtgärtnerei Basel, erklärt das bekannte Spannungsfeld: «Die Wuchsform muss in den vorhandenen Raum passen, die Baumart für Boden-, Licht- und Schattenverhältnisse am jeweiligen Standort geeignet sein. Gerade im Strassenraum müssen es Baumarten sein, die auch mit den beengten Wurzelräumen und der abstrahlenden Hitze gut zurechtkommen.»

Nur in windoffenen Lagen

Da im Zusammenhang mit der Bepflanzung von Städten viele Eventualitäten, die künftig eintreten könnten, heute noch nicht absehbar sind, versucht die Stadtgärtnerei Basel, eine möglichst grosse Arten- und Sortenvielfalt zu berücksichtigen. «In dieser Fülle von Kriterien ist auch die Frage des Allergiepotentials wichtig, was aber nicht allein entscheidend sein kann. Leider sind es gerade einige sehr robuste Stadtbäume, die bezüglich Allergien kritisch sind. Auf diese können wir nicht gänzlich verzichten. Wir achten aber darauf, diese Arten in eher windoffenen Lagen zu pflanzen und nicht in enge Wohnquartierstrassen», betont Aellen.

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