Ein Ausflug nach La Chaux-de-Fonds: Eine Stadt für die Uhren
Auf knapp 1 000 Höhenmetern gelegen und Teil des
UNESCO-Welterbes: La Chaux-de-Fonds ist bekannt für seine reiche Geschichte in
der Uhrenindustrie. Ein Besuch in einer Stadt, die einst gezielt für die
Bedürfnisse der Uhrmacherei konzipiert wurde.
Quelle: zvg Tourismusbüro Jura & Trois-Lacs
Das Schachbrettmuster der Stadt La Chaux-de-Fonds ist weltberühmt und sogar Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
«Métropole horlogère» nennt sich die Stadt La Chaux-de-Fonds
selbstbewusst. Gehört sie doch nebst Biel und Le Locle zu den Städten, in
welchen die Uhrenindustrie eine zentrale Rolle einnimmt – bis heute. Und einen
berühmten Sohn hat sie erst noch: Einer der einflussreichsten Architekten des
20. Jahrhunderts, Le Corbusier. Dieser wurde in «La Tchaux», wie die
Einheimischen ihre Stadt nennen, geboren und verbrachte den ersten Teil seines
Lebens dort.
Gemäss aktuellen Zahlen arbeiten auch heute noch über 6 200
Menschen in La Chaux-de-Fonds im Bereich der Herstellung von Uhren und
Präzisionsinstrumenten, dies sind fast 27 Prozent aller Erwerbstätigen. La
Chaux-de-Fonds ist Heimat vieler weltbekannter Uhrenmarken, so unter anderem
TAG Heuer, Breitling oder auch Tissot. La Chaux-de-Fonds erzählt nicht nur die
Geschichte der Uhrenindustrie – auch architektonisch ist die Stadt eine
faszinierende Zeitzeugin. Ein Tagesbesuch in die Neuenburger Romandie lohnt
sich also in vielerlei Hinsicht. Besonders spannend ist die Altstadt: Die
Strassen wurden in einem exakten Schachbrettmuster angelegt, wie man es sonst
eher aus den USA kennt. Die parallelen Häuserzeilen sind so ausgerichtet und
voneinander beabstandet, dass sie sich gegenseitig im Winter nicht die Sonne
wegnehmen. Wer durch die Strassen läuft, sollte den Blick nach oben richten.
Die obersten Etagen der historischen Häuser besitzen oft endlose Fensterbänder.
Hier sassen die Uhrmacher (oft in Heimarbeit), um jede Sekunde des natürlichen
Tageslichts für ihre präzise Arbeit zu nutzen.
Quelle: zvg Tourismusbüro Jura & Trois-Lacs
Uhren sind in La Chaux-de-Fonds allgegenwärtig.
Auf den Spuren von Le Corbusier
1887 wurde in La Chaux-de-Fonds Charles-Édouard Jeanneret
geboren, der später als Le Corbusier zu einem der einflussreichsten Architekten
des 20. Jahrhunderts werden sollte. Sein Vater war Emailleur für Uhrengehäuse.
Nach Reisen durch Europa baute Jeanneret als 25-Jähriger die Maison Blanche für
seine Eltern. Sie bricht radikal mit dem damals im Jura üblichen, schweren
Heimatstil und ist neoklassizistisch angehaucht mit mediterranen Einflüssen von
den Reisen des Architekten. Nur vier Jahre später, 1916, baute er die Villa
Turque. Hier sieht man bereits den Le Corbusier, wie man ihn kennt. Es handelt
sich bei der Villa um einen Bau aus Backstein und Stahlbeton mit einem flachen
Dachgarten und einem riesigen, zweistöckigen Wohnzimmerfenster. Die
orientalischen Einflüsse verdankt das Haus den Reisen Le Corbusier’s in den
Orient. Heute gehört das Gebäude dem Uhrenhersteller Ebel, der es
aufwendig restauriert hat. An einem regnerischen Tag lohnt sich derweil ein
Besuch im «Musée International d'horlogerie». Im weltweit grössten Uhrenmuseum
sind über 4 500 Kollektionsstücke zu bewundern.
La Chaux-de-Fonds ist weit mehr als eine Uhrenstadt: Sie ist
ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Industrie, Architektur und Alltag über
Generationen hinweg eine einzigartige Identität geschaffen haben. Die Stadt ist
ein lohnendes Ausflugsziel, das weit mehr zu bieten hat, als man auf den ersten
Blick vermutet.
La Chaux-de-Fonds wird erste Kulturhauptstadt
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / LBS_H1-018666
Luftaufnahme von La Chaux-de-Fonds im September 1955.
La Chaux-de-Fonds wird im kommenden Jahr eine grosse Ehre zuteil: Die Neuenburger Uhrenmetropole wird die erste Kulturhauptstadt der Schweiz. Geplant sind 300 Veranstaltungen, unter anderem eine Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Locarno. Ziel ist es, La Chaux-de-Fonds einem breiten Publikum näher zu bringen. Erwartet werden über eine Million Besucher.
Die
Initiative geht auf die Kulturbotschaft des Bundesrates zurück. Dieser hatte
2024 die Lancierung einer Kulturhauptstadt angekündigt. Alle drei Jahre soll so
ein kulturelles Grossereignis stattfinden. Für 2030 hat Anfang Juni Aarau das
Rennen gemacht. Die Stadt konnte sich gegen Bellinzona, Thun sowie Lugano (mit
Locarno und Mendrisio) durchsetzen. (cpo)
Mehr Infos unter: Kulturhauptstadt Schweiz.