Was derzeit im Kanton Aargau geplant und gebaut wird
Welche Bauprojekte stehen im Kanton Aargau an? Vom neuen Wohnquartier mit 380 Wohnungen beim Bahnhof Wettingen bis zum Streit ums alte Kantonsspital Baden – ein Überblick zu Projekten in der Region.
Projekte im Bau oder in Planung
Bahnhofareal wird zum Wohnquartier
Wettingen – Direkt neben den Gleisen beim Bahnhof Wettingen entsteht mit der «Gleislaube» der Auftakt zur Überbauung des SBB-Bahnhofareals. Auf rund 12'000 Quadratmetern plant SBB Immobilien für rund 60 Millionen Franken drei Gebäude nach Entwürfen von Burkard Meyer Architekten: zwei langgezogene, fünfgeschossige Wohnbauten entlang der Gleise mit Läden und Gastronomie im Erdgeschoss sowie ein publikumsorientiertes Dienstleistungsgebäude. Insgesamt entstehen 111 Wohnungen.
Neues Quartier mit rund 380 Wohnungen
Die «Gleislaube» ist Teil des rund 35 000 Quadratmeter grossen Bahnhofareals, auf dem die Gemeinde mit vier Grundeigentümern bis 2029 rund 380 Wohnungen plant. Mit dem Projekt «Dynamo» der Avadis Anlagestiftung entstehen sieben Gebäude mit über 150 Mietwohnungen. Zudem realisieren die Post Immobilien AG und die AZ Invest AG fünf Gebäude mit bis zu 130 Wohnungen sowie Gewerbeflächen; der Baustart ist ab 2027 geplant.
Quelle: ATP architekten ingenieure
Visualisierung: So soll sich der Standort der Hitachy Energy in Lenzburg nach der Erweiterung präsentieren.
Neue Büros schaffen Platz für Mikrochips
Lenzburg – Hitachi Energy baut seit Juni am bestehenden Firmenstandort in Lenzburg ein sechsgeschossiges Bürogebäude. Mit dem Neubau von ATP architekten ingenieure bündelt das Unternehmen seine Verwaltung an einem Ort und schafft rund 200 Arbeitsplätze. Zudem werden damit Flächen für den Ausbau der Halbleiterproduktion frei. Die Kosten belaufen sich auf rund 18,5 Millionen Franken. Die Büroflächen sollen bis 2027 fertiggestellt sein, die Logistikarbeiten für eine automatisierte Lagerinfrastruktur dauern bis 2028.
Quelle: SBB/CFF/FFS
Eine Beschwerde hat den Ausbau des Bahnhofs Lenzburg AG verzögert. Die Hauptarbeiten starten erst im Herbst 2026.
Bund macht Weg frei für Ausbau von Bahnhof Lenzburg
Lenzburg – Nach jahrelanger Planung und der Beschwerde eines Bauunternehmens im Vergabeverfahren, die den Baustart verzögert hatte, hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Juli der SBB die Plangenehmigung für den Ausbau des Bahnhofs Lenzburg erteilt. Sofern keine der 24 eingegangenen Einsprachen bis Ende August ans Bundesverwaltungsgericht weitergezogen wird, können die eigentlich für Anfang 2025 geplanten Hauptarbeiten nun in Angriff genommen werden. Das rund 340 Millionen Franken teure Projekt sieht unter anderem höhere, breitere und längere Perrons, zwei neue Personenunterführungen und ein neues Bahnhofsgebäude vor.
Quelle: Schweizer Salinen AG
Saline Riburg.
Saline macht sich fit für die Zukunft
Rheinfelden – Die Schweizer Salinen bauen den Standort Riburg für rund 280 Millionen Franken neu, da die Anlagen in Riburg und am Standort Schweizerhalle bei Muttenz BL und Pratteln BL das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. Das Projekt «Salina Futura» ist derzeit noch in einer frühen Planungsphase. Vorgesehen sind moderne, energieeffiziente Anlagen. Zudem soll eine unterirdische Transportleitung künftig Sole von Schweizerhalle nach Riburg führen. Die Planungs- und Bauphase dauert von 2026 bis 2032.
Wärme aus der Saline?
Rheinfelden – Auf dem Areal der Saline Riburg planen die AEW Energie AG, die Stadt Rheinfelden und die Gemeinde Möhlin unter dem Namen «Wairemo» eine neue Wärmezentrale. Künftig sollen Wärmepumpen die Abwärme aus der Salzherstellung sowie ergänzend Grundwasser nutzen, um über ein Fernwärmenetz CO2-freie Wärme zu liefern. Rheinfelden profitiert von einem erweiterten Versorgungsperimeter, Möhlin wird schrittweise ans Netz angebunden. Der Grundausbau bis 2029 umfasst Zentrale und Transitleitungen, bis 2033 folgt der Endausbau. Fertig ausgebaut sollen jährlich rund 3500 Haushalte mit Wärme versorgt werden.
Quelle: Google Earth
Auf der Laufäcker-Halbinsel stehen in den nächsten Jahren mehrere Bauprojekte an.
ARA Laufäcker rüstet sich für Zukunft
Baden – Die ARA Laufäcker auf der Laufäcker-Halbinsel zwischen Baden und Turgi rüstet sich für die Zukunft: Der Abwasserverband Region Baden Wettingen investiert 2,9 Millionen Franken in die Erneuerung und den Ausbau von Betriebs- und Feinrechengebäude. Geplant sind unter anderem mehr Garderoben, ein Sitzungszimmer sowie die Behebung von Brandschutzmängeln und eine Erdbebenertüchtigung. Anfang 2027 sollen die Bauarbeiten starten. Es ist aber nicht das einzige Projekt, das die nächsten Jahre auf der Halbinsel ansteht: Direkt daneben soll die Kehrrichtverbrennungsanlage (KVA) Turgi für rund 380 Millionen Franken erneuert und ausgebaut werden. Das Vorhaben zählt zu den teuersten Bauprojekten der nächsten Jahre in Baden.
Quelle: PDAG
Luftbild: Die psychiatrischen Dienste Aargau haben ihr historisches Hauptgebäude in Windisch wieder in Betrieb genommen.
Neues Leben im alten Gemäuer
Windisch – Das 1872 eröffnete Hauptgebäude der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) auf dem Areal Königsfelden wurde in den letzten Jahren umfassend saniert und ist seit Kurzem wieder in Betrieb. Während der dreijährigen Sanierung wurden unter anderem 372 Türen und über 400 Fenster ersetzt, der Erdbebenschutz verbessert sowie energetische Optimierungen vorgenommen. Weiter wurden im grossen Festsaal die originalen marmorierten Säulen und Pilaster teilweise wieder freigelegt. Die Kosten beliefen sich auf rund 36 Millionen Franken; die kantonale und nationale Denkmalpflege beteiligten sich mit 2,5 Millionen Franken. Die seit 2012 laufende Gesamtsanierung des Areals ist damit abgeschlossen.
Aktuelle Projektwettbewerbe aus der Region
Quelle: Filippo Bolognese Images
Wohlen: Der Kanton baut die Kantonsschule Wohlen aus. Aus dem Projektwettbewerb ging das Projekt «Here Comes the Sun» von Franziska Sebastian Müller Architekten als Sieger hervor. Es überzeugte mit einer klaren städtebaulichen Setzung, die das 1988 von Burkard Meyer Steiger & Partner entworfene Hauptgebäude mit Elementen von Santiago Calatrava in eine neue Campusanlage integriert.
Quelle: Dahinden Heim Partner Architekten
Künten: Die Einwohnergemeinde Künten erweitert ihre Schulanlage für Kindergarten, Primarschule und Sport und passt sie an zukünftige pädagogische und betriebliche Anforderungen an. Aus einem mehrstufigen Wettbewerb ging das Projekt «Räuber und Poli» von Dahinden Heim Partner Architekten aus Winterthur als Sieger hervor. Der Entwurf sieht einen Schulhaus-Anbau sowie eine neue Turnhalle entlang des Schulwegs vor, wodurch ein zentraler Pausenhof entsteht. Die Neubauten werden in Holzelementbauweise erstellt, ergänzt durch Stahlbetonkerne für Erschliessung und Garderoben.
Quelle: Bischof Föhn Architektur
Baden: Die Schulanlage im Kappelerhof wird erweitert und saniert. Den Architekturwettbewerb gewann der Entwurf «Calippo» des Büros Bischof Föhn Architektur aus Zürich. Dieser sieht einen kompakten, viergeschossigen Neubau vor, der sich über eine Laubenerschliessung mit dem «Schnebli-Schulhaus» verbindet. Die Kosten werden auf rund 39,8 Millionen Franken veranschlagt.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_C23-105-006 / CC BY-SA 4.0
Eine Aufnahme von 1974 zeigt den Bau des Kantonsspitals Baden.
Im Fokus
Streit ums alte Kantonsspital
Soll das alte Kantonsspital Baden abgerissen werden oder ist es ein schützenswertes Zeitzeugnis der 1970er-Jahre? Um diese Frage tobt derzeit ein Streit zwischen Spitalführung und Aargauer Heimatschutz.
Der Streit um das frühere Bettenhaus des Kantonsspitals Baden (KSB) hat Mitte Juli eine juristische Zwischenrunde erreicht: Das Aargauer Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde des Spitals gegen ein Abbruch- und Veränderungsverbot abgewiesen. Bis zum Entscheid über die Schutzwürdigkeit darf am Gebäude also nichts verändert werden – dieses Interesse gewichtet das Gericht höher als jenes der Spitalverantwortlichen an einer sofortigen Fortsetzung der Sanierungsarbeiten.
Der Konflikt hat eine lange Vorgeschichte: 2014 wurde der Wettbewerb für den KSB-Neubau ausgelobt, 2018 folgte das Baugesuch. Ende Februar 2025 bezog das Spital den 600-Millionen-Franken-Neubau «Agnes» des Büros Nickl & Partner. Zuvor hatte das KSB im Frühjahr 2024 ein Baugesuch für den Rückbau des alten Bettenhauses eingereicht; die Stadt Baden erteilte im Juni 2025 die Bewilligung, ohne jedoch zuvor die Schutzwürdigkeit zu prüfen.
Genau das kritisiert der Aargauer Heimatschutz: Erst mit dem Abbruchgesuch habe er rechtlich intervenieren können, sein Einwand sei zunächst folgenlos geblieben. Im November 2025 verfügte das Kulturdepartement schliesslich das aktuelle Abbruch- und Veränderungsverbot.
Campus-Reserve oder Zeitzeuge?
Die beiden Streitparteien haben ihre Sicht in Gastbeiträgen in der «Aargauer Zeitung» dargelegt. Pascal Cotrotzo, CEO des Kantonsspitals Baden, argumentiert in seinem Beitrag, dass der Rückbau Teil einer langfristigen Arealstrategie sei: An der Stelle des Altbaus liege die strategische Entwicklungsreserve des Gesundheitscampus. Ein Erhalt des funktional wie technisch veralteten Gebäudes erfordere Investitionen ohne realistische Nutzungsperspektive.
Quelle: PD / Kantonsspital Baden KSB
Visualisierung: So könnte der künftige KSB-Campus ohne den Altbau aussehen.
Christoph Brun und Lucia Vettori vom Aargauer Heimatschutz kontern hingegen, es gehe dem Verein nicht um «willkürliche Geschmacksurteile», sondern um den baukulturellen Wert des 1978 fertiggestellten Baus als Zeitzeuge der Spätmoderne. Ihr eigentlicher Vorwurf richtet sich gegen den Prozess: Die Schutzwürdigkeit hätte vor der Wettbewerbsauslobung 2014 geprüft werden müssen, statt erst unter dem Zeitdruck eines laufenden Rückbauprojekts.
Bettenhaus war mal schutzwürdig
Brisant ist im Fall ein Bericht der kantonalen Denkmalschutz-Kommission: Die Kommission empfiehlt dem Kulturdepartement darin, den Altbau nicht unter Schutz zu stellen, da er im heutigen Zustand die Anforderungen an ein Schutzobjekt nicht erfüllt. Vermerkt wird aber auch, dass das Bettenhaus vor der Ausräumung im Zuge des Neubaus «wohl als Schutzobjekt zu bezeichnen gewesen wäre» – als der Altbau noch nicht ausgehöhlt war und alleine auf dem Areal stand. Entscheidend ist für die Kommission aber der aktuelle Zustand des Gebäudes. Nachhaltigkeit lässt sie als Schutzargument nicht gelten. Sie regt aber an, die Schutzwürdigkeit kantonseigener Liegenschaften künftig rechtzeitiger zu klären.
Der Ball liegt nun beim Departement Bildung, Kultur und Sport: Es entscheidet voraussichtlich im Spätsommer 2026, ob der Altbau unter Schutz gestellt wird. Vorher aber entscheidet sich, ob der Streit um das vorsorgliche Bauverbot weitergeht: Das KSB kündigte an, das jüngste Gerichtsurteil zu prüfen, ein Weiterzug ans Bundesgericht wäre möglich.