10:06 BAUPROJEKTE

Wassereinbruch in Hochwasserstollen bei Alpnach führte zu Vortriebsstopp

Teaserbild-Quelle: Marti Tunnel AG

Beim Vortrieb des Hochwasserentlastungstollens zwischen Alpnach und Sachseln OW kam es Mitte Mai zu einem Wassereinbruch. Die Arbeiten wurden vorübergehend eingestellt. Inzwischen konnten die Wassermassen erfolgreich abgeleitet werden.

Seit Mitte Januar 2021 fräst sich die Tunnelbohrmaschine (TBM) vom Auslaufbauwerk Etschi in Alpnach in Richtung Süden zum Einlaufbauwerk in Sachseln OW. In den ersten 2200 der insgesamt 6‘500 Tunnelmeter durchstösst die TBM Schrattenkalk. Derzeit befindet sich die Maschine auf Höhe Siebeneich mit rund 200 Metern Distanz zum Wichelsee, wie die Obwaldner Staatskanzlei am Mittwoch mitteilte. Die Stollenachse liege höhenmässig zwischen 6 (Scheitel) und 12 Meter (Sohle) tiefer, als der Wasserspiegel des Wichelsees. 

Vortriebsstopp wegen Wassereinbruch 

Am 19. Mai hat die TBM bei Tunnelmeter 1‘359 einen mit Wasser gefüllten Karsthohlraum angebohrt. Dadurch kam es zu einem Wassereinbruch von etwa 200 Litern in der Sekunde. Mit so einem Ereignis müsse man im Schrattenkalk grundsätzlich rechnen, wie Baudirektor Josef Hess in der Mitteilung erklärt. Die genaue Lage solcher lokalen Klüfte könne man aber trotz der aufwändigen Voruntersuchungen nicht im Voraus feststellen. Nach ersten chemischen Analysen wurde davon ausgegangen, dass eine direkte Verbindung zum Wichelsee bestand. 

Anfang Woche konnte dieser Sachverhalt mit Färbversuchen im Wichelsee bestätigt werden. Am Rande des Tunnelprofils wurden daraufhin Bohrungen in die wasserführende Felszone vorgetrieben, um das austretende Wasser hinter dem Bohrkopf aufzufangen und an der Maschine vorbei zum Auslaufbauwerk zu leiten. Diese Massnahmen konnten gemäss Staatskanzlei inzwischen erfolgreich abgeschlossen werden. Die Wiederaufnahme des Vortriebs ist nun wieder möglich. 

Entlastungsbohrung in Hochwasserentlastungsstollen bei Alpnach

Quelle: Marti Tunnel AG

Am Rande des Tunnelprofils wurden daraufhin Bohrungen in die wasserführende Felszone vorgetrieben, um das austretende Wasser hinter dem Bohrkopf aufzufangen und an der Maschine vorbei zum Auslaufbauwerk zu leiten.

Aufgrund der grossen Mengen kann das Wasser aber nicht über die reguläre Wasserfassung aufbereitet und abgeführt werden. Stattdessen wird es über sogenannte Havarie-Pumpen, die für solche Fälle vorgesehen sind, in die Sarneraa befördert. Die Pumpen haben eine Leistung von bis zu 1000 Litern pro Sekunde und können den derzeitigen Wasseranfall bewältigen. Sicherheitshalber wurden bei der Einmündung in den Alpnachersee Ölsperren installiert.

Vorübergehende Trübungen der Sarneraa 

Das im Stollen fliessende Wasser kann durch den Start des Vortriebs getrübt werden, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Dies aufgrund von für die Umwelt ungefährlichen Feinstoffen – wie etwa Bohrmehl aus dem Felsabtrieb –, die mit dem Wasser ausgeschwemmt und über die Pumpen in die Sarneraa gelangen. Das getrübte Wasser werde sich mit jenem im Fluss vermischen und sich entsprechend verdünnen. 

Die finanziellen Auswirkungen der Verzögerungen und der zusätzlichen Massnahmen werden derzeit noch ermittelt. Ob die momentanen Verzögerungen Einfluss auf die Inbetriebnahme des Hochwasserentlastungsstollens haben werden, ist offen und gemäss Mitteilung abhängig vom Erfolg der geplanten und eingeleiteten Massnahmen. (mgt/pb)

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