15:41 BAUPROJEKTE

Videotipp: Wohnlicher Wohnen in Queens

Geschrieben von: Silva Maier (mai)
Teaserbild-Quelle: Screenshot Video

Ein Architekt und seine Faszination für Wohnhäuser im New Yorker Stadtteil Queens, mit denen sich ihre Erbauer ihren persönlichen amerikanischen Traum realisiert haben – ohne Hilfe von Architekten: Rafael Herrin-Ferri hat den Bauten ein Buch gewidmet. Das Video dazu erzählt weshalb und was manche dieser Häuser besonders macht.

Video All the Queens Houses von Sean Mowry

Mit rund 2,5 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 461 Quadratkilometern ist Queens der grösste der fünf Stadtteile oder vielmehr Boroughs von New York. Zudem gilt Queens als einer der weltweit kulturell gemischtesten Stadtteile, hier werden rund hundert verschiedene Sprachen gesprochen. Diese Vielfalt lässt sich auch an den Wohnhäusern ablesen.

Architekt Rafael Herrin-Ferri, der ebenfalls hier zu Hause ist, spaziert durch ein Einfamilienhausquartier. Vor einem verspielt gestreiften Backsteinhaus bleibt er stehen und winkt dem Besitzer zu: «Ich bin ein grosser Bewunderer Ihres Hauses!» – «Oh, toll!» Herrin-Ferri deutet auf den ausgefallenen Gartenzaun: «Haben Sie den auch gemacht?» – «Alles.» – «Das sind Om-Zeichen, oder?» – «Ja. Meine Religion ist der Hinduismus.»

Amerikanische Träume verwirklichen 

«Der Reiz von Queens liegt in seiner lebendigen Architektur», sagt Herrin-Ferri. Er ist der Ansicht, dass Wohnarchitektur «nicht so ernst» genommen werden sollte: «Es gibt einen Unterschied zwischen Alltagsarchitektur, in der man einfach wohnt, und offiziellen Bauten wie Kirchen, Museen oder Verwaltungsgebäuden.» Laut dem Architekten hat man sich bei Wohnhäusern immer stärker von repräsentativer Architektur inspirieren lassen: «Auf einem Immobilienmarkt wie Manhattan wollte man ein Haus zwar ein wenig personalisieren, aber nicht so sehr, dass es sich nicht mehr verkaufen lässt.»

In Queens war das anders, wie Herrin-Ferri erklärt. Hier sei man es entspannter angegangen. Denn: «In Queens war es früher vielen Leuten möglich, ein günstiges Haus zu erwerben. Sie verwirklichten damit den amerikanischen Traum – und machten die Immobilie zu ihrem Traumhaus.» In vielen Fällen verzichteten sie bei ihren Umbauprojekten auf die Hilfe eines Architekturbüros und arbeiteten direkt mit Bauunternehmen zusammen, die ihre Ideen umsetzten.

Die Weltausstellung von 1965 verschwand nie ganz

Die Vielfalt hat allerdings noch einen weiteren Grund als den Umstand, dass man hier einst billig zu einem Eigenheim kam. Hier fanden 1939 und 1964 Weltausstellungen statt. Herrin-Ferri bringt die weitere Entwicklung von Queens zudem mit dem Immigration and Nationality Act von 1965 beziehungsweise mit der Abschaffung des nach Herkunft bestimmten Quotensystems bei der Einwanderung in Verbindung. Viele der Erbauer der internationalen Pavillons seien laut Herrin-Ferri nicht mehr in ihre Heimat zurückgekehrt und hätten sich in Queens eine neue Existenz aufgebaut: «Die Weltausstellung hat die Stadt gar nie verlassen, sie ist nur in die Nachbarschaft gezogen.»

Fasziniert von den verspielten und teils skurrilen Wohnhäusern fotografierte und skizzierte Herrin-Ferri sie. Ein paar davon stehen sogar als winzige Modelle in seiner Wohnung. Vor etwa fünf Jahren ist aus Herrin-Ferris Begeisterung ein Buch geworden: All the Queens Houses. Dafür hat er besonders ungewöhnliche Häuser fotografiert und die Aufnahmen zu einem Bildband zusammengestellt. «Es ist so etwas wie eine Hausparade.»

Geschrieben von

Chefredaktorin Baublatt

Ihre Spezialgebiete sind Architekturprojekte, Kultur- und Wissenschaftsthemen sowie alles Schräge, was im weitesten Sinn mit Bauen zu tun hat.

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