15:31 BAUPROJEKTE

Stararchitekt Zumthor soll «Vision Zwingli» in Wildhaus SG bauen

Teaserbild-Quelle: zvg, Stiftung Vision Zwingli

Beim Geburtshaus von Huldrych Zwingli in Wildhaus SG soll eine «Vision Zwingli» entstehen: 70 Millionen Franken sollen unter anderem in einen Neubau von Stararchitekt Peter Zumthor fliessen. Die Stiftung Vision Zwingli hat ihre Pläne am Donnerstag vorgestellt.

Steinmodell zum Projekt Vision Zwingli

Quelle: zvg, Stiftung Vision Zwingli

Steinmodell zum Projekt «Vision Zwingli»: Die grundlegende räumliche und inhaltliche Idee steht laut der Stiftung. Architektur, Nutzungen, Betrieb und Finanzierung sollen in den nächsten Phasen weiter konkretisiert werden.

In Wildhaus ist eine «Demokratie-Ellipse» geplant. Zwei Themenwege verbinden das Geburtshaus mit einem Zumthor-Bau, der beim Dorfplatz entstehen soll. Neben Zwinglis Geburtshaus ist zudem ein Neubau geplant, entworfen von den Architekten Allen+Crippa. Dafür soll das Geburtshaus aus dem 15. Jahrhundert um 50 Meter verschoben werden.

Themen der Vision sind Diakonie und Demokratie. Nicht weniger als «ein Kultur-, Begegnungs- und Bildungsort von nationaler und internationaler Ausstrahlung» soll entstehen. Hinter der Stiftung Vision Zwingli stehen die Reformierte Kirche St. Gallen, Toggenburg Tourismus und die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann.

Holzbau von Peter Zumthor

Konkrete Pläne sind noch nicht öffentlich bekannt. Wie Stiftungsratspräsident Martin Schmidt am Donnerstag vor den Medien im Grossmünster sagte, ist man in engem Austausch. Zumthor habe erste Projektskizzen angefertigt, wolle aber der Öffentlichkeit seine Pläne erst präsentieren, wenn sie reif seien. Die Rede ist derzeit von einem Holzbau, der Platz für 300 Personen bieten soll.

Auf Zumthor kam die Stiftung durch persönliche Kontakte. Peter Roth, Initiant der Klangwelt Toggenburg, ist ein Freund des Architekten. Wie Roth an der Medienkonferenz sagte, soll im Neubau unter anderem eine Orgel stehen. Zwingli liess die Orgeln noch aus den Kirchen entfernen, «Teufels Dudelsack» nannte er sie. Musik hatte seiner Ansicht nach nichts in Kirchen verloren. Auch Gesang, Diskussionen oder Tanz soll es im neuen Haus geben.

Zwingli Vision Toggenburger Demokratie Ellipse

Quelle: zvg, Stiftung Vision Zwingli

Die räumliche Leitidee ist die «Toggenburger Demokratie-Ellipse». Sie verbindet und umschliesst zwei zentrale Punkte: das historische Zwingli-Geburtshaus mit dem theologischen Fundament sowie einen neuen Ort für Begegnung, Disputation, Musik und Kultur.

Kosten und Finanzierung

Grösstenteils sollen Private für die Kosten aufkommen. «Viele Gespräche» habe er seit einem Jahr geführt, sagte Christoph Sigrist, ehemaliger Grossmünster-Pfarrer, am Donnerstag. «Alle werden hellwach beim Thema Demokratie», sagte er. Auch mit dem Bund und den Kantonen St. Gallen und Zürich führt die Stiftung Gespräche.

Derzeit rechnet die Stiftung mit Baukosten von 40 bis 60 Millionen Franken. Weitere 15 Millionen dürfte ein Betriebs- und Substanzerhaltungsfonds kosten. Geplanter Baustart ist 2028, eröffnet wird der Bau voraussichtlich 2030. Das sind laut der Stiftung aber noch Planungsziele.

Internationale Ausstrahlung erwartet

50'000 Besucher sowie 20'000 zusätzliche Logiernächte soll die «Toggenburger Demokratie-Ellipse» bringen. Derzeit rechnet die Stiftung mit einem touristischen Umsatz von 7,4 Millionen Franken. Bruno Fläcklin, Präsident von Toggenburg Tourismus, verwies auf den «Resonanztourismus». Das Toggenburg setze auf Natur, Klang und Kultur. «Wir gehen von einer internationalen Ausstrahlung aus», sagte er. Unter anderem wegen des Baus eines Stararchitekten.

Der Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, Thomas Diezig, sprach von einer Aufbruchstimmung. Es sei keine Selbstverständlichkeit, einen weltbekannten Architekten für ein solches Projekt zu gewinnen. «Wir wollen die Chance nutzen, aber gleichzeitig mit beiden Füssen auf dem Boden stehen.»

Feuer und Flamme für das Projekt war am Donnerstag vor allem Christoph Sigrist. Schon plante er eine Kopftuchdebatte im Zumthor-Bau. Alle heissen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen erschlossen werden und zwar so, «dass wir ein hörendes Herz für die Gegenargumente haben.»

Die «fremden Fötzel» aus Zürich sollen einen Platz am Toggenburger Stammtisch erhalten. «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes! Lebt Demokratie», sagte Sigrist in Anlehnung an Zwinglis Zitat. (sda/pb)

Zwingli Vision Toggenburger Demokratie Ellipse

Quelle: zvg, Stiftung Vision Zwingli

Landschaft, historische Orte und Architektur sollen im Rahmen der «Vision Zwingli» zu einer gemeinsamen Besuchserfahrung werden.


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