Schlachthof-Areal in Zürich wird zur Gewerbezone
Für die Versorgung mit tierischem Eiweiss sind Schlachthöfe bedeutend. Doch wegen Geruchs- und Lärmimmissionen musste der Schlachthof in der Stadt Zürich mehrmals den Standort wechseln – 2030 wurde der Betrieb eingestellt. Nun soll auf dem Areal ein urbaner Gewerbestandort entstehen.
Quelle: Baugeschichtliches Archiv der ETH Zürich – Bild: Wolf-Bender Heinrich
Der Hauptbau aus gelbem Sichtbackstein wurde 1909 fertiggestellt.
In agrarwirtschaftlich geprägten Gesellschaften war die Selbstversorgung existenziell für die Deckung des Bedarfs nach tierischem Protein. Mit der Bevölkerungsentwicklung und der Entstehung von städtischen Siedlungen erfolgte die Versorgung nach und nach über Schlachthöfe und Metzgereien. In der Stadt Zürich erstmals erwähnt ist eine «Metzg» im Jahr 1226.
Der erste Schlachthof samt Metzgerei und Markthalle entstand 1420 neben dem Rathaus und direkt an der Limmat. Das Schlachthaus am Fluss bewährte sich und bestand während Jahrhunderten, denn es brachte Vorteile bei der Reinigung und trug damit zu einer besseren Hygiene bei. Flussabwärts nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Industrie ihren Aufschwung und setzte damit ein rasantes Bevölkerungswachstum in Gang. Die erste Volkszählung in der Helvetischen Republik wies im Jahr 1800 für die Stadt Zürich rund 10000 Einwohner aus.
100 Jahre später lebten in der Altstadt bereits 25920 Personen. Doch für die Stadtbevölkerung wurden Geruchs - und Lärmimmissionen nach und nach zur Belastung, sodass der Betrieb 1866 in einen Neubau vis à vis des Zürcher Hauptbahnhofs und ennet der Limmat verlegt wurde. Mit der Eingemeindung von umliegenden Dörfern wuchs die Stadt rasant. 1871 zählte Zürich mit den heute zur Stadt gehörenden Gemeinden 56700, im Jahre 1930 waren es bereits 251000 Einwohner. Daher wurde bereits 1903 der Schlachthof in einen Neubau beim heutigen Standort angesiedelt, nachdem die Vorortsgemeinde Aussersihl 1893 Teil der Stadt geworden war.
Zuvor kaufte Zürich an der Stadtgrenze zur damalig selbständigen Gemeinde Altstetten im Gebiet des Letzibachs ein über 17 Hektar grosses Grundstück für den Bau des Zentralschlachthofs, für den Architekt Gustav Albert Uhlmann die Pläne zeichnete. 1909 nahm der neue Schlachthof den Betrieb auf. In den 1980er-Jahren wurde die Anlage erneuert. Doch mit dem Schlachtbetrieb wird es bald vorbei sein. Vorab hat der Stadtrat die 2029 auslaufenden Mietverträge nicht mehr verlängert.
Anspruchsgruppen einbezogen
Entstehen solle auf dem Areal ein urbaner Gewerbestandort mit öffentlichem Freiraum und Schulnutzung. Der Bearbeitungsperimeter für die Testplanung umfasst eine Fläche von 52500 Quadratmetern. Nicht Gegenstand der laufenden Entwicklungsplanung ist das nordwestlich des Gevierts gelegene «Centravo-Areal» mit einer Fläche von 5120 Quadratmetern.
Mit der «Entwicklungsplanung Schlachthof-Areal» sollen die vom Stadtrat beschlossene Nutzungsstrategie konkretisiert und Grundsätze erarbeitet werden, um städtebaulichen, stadträumlichen und nutzungsspezifischen Aspekten gerecht zu werden. Dazu war von Ende 2024 bis Ende 2025 eine Testplanung durchzuführen, die in diesem Jahr um eine Vertiefungsphase ergänzt wurde und laut Angaben der Stadt Zürich voraussichtlich Anfang 2027 abgeschlossen sein wird.
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