Projekt für Gornerli-Stausee bei Zermatt VS wird massiv teurer – und kleiner
Das Projekt für den Mehrzweckstausee Gornerli oberhalb von Zermatt wird massiv teurer: Die Grande Dixence AG korrigiert die Kosten um 70 Prozent auf 510 Millionen Franken – und reduziert gleichzeitig das Speichervolumen.
Quelle: Grande Dixence SA / Uzufly
Visualisierung des Projekts Gornerli: Das Vorhaben umfasst unter anderem einen Staudamm mit einer Höhe von 100 Metern oberhalb von Zermatt.
Das 2019 lancierte Projekt Gornerli gehört zu den 16 vorrangigen Projekten des Bundes, die aus dem Runden Tisch zur Wasserkraft hervorgegangen sind. Es wurde zudem in den kantonalen Richtplan des Wallis aufgenommen. Das Konzept umfasst den eigentlichen Staudamm mit einer Höhe von 100 Metern, eine unterirdische Pumpstation sowie das gesamte Logistikkonzept und Analysen zu Naturgefahren.
Bei der ETH Zürich sowie einem externen Fachbüro in Auftrag gegebene Klimastudien zwingen die Kraftwerke Grande Dixence dazu, ihre Pläne zu überarbeiten, wie sie am Donnerstag mitteilte. Die Studien decken neben dem Einzugsgebiet der Gornera auch das gesamte Zuflusssystem der Grande Dixence ab und bestätigen ein zusätzliches Wasserspeicherpotenzial von 140 Millionen Kubikmetern pro Jahr bis Ende Jahrhundert.
Projekt wird teurer
Aufgrund der neuen hydrologischen Erkenntnisse wird die Speicherkapazität des Gornerli nun von 150 auf 120 Millionen Kubikmeter reduziert. Um das Stromproduktionspotenzial von 650 Gigawattstunden (GWh) dennoch zu erreichen, muss die Staumauer der Grande Dixence um fünf Meter erhöht werden. «Regulatorische Fragen müssen noch mit dem Bund geklärt werden», schreibt die Grande Dixence AG.
Gleichzeitig werden die Kosten für das Gornerli-Projekt aufgrund neuer, fundierterer Erkenntnisse in den Bereichen Geologie und Topografie sowie aufgrund von Fragen der Baustellenlogistik von 300 auf 510 Millionen Franken nach oben korrigiert. Der Bund würde gemäss Mitteilung bis zu 60 Prozent der Kosten übernehmen.
Wegen des teilweise noch vorhandenen Gletschers wird das nutzbare Speichervolumen des Stausees bei Inbetriebnahme zunächst auf 435 GWh begrenzt sein. Erst nach dem vollständigen Rückzug des Gletschers, der gemäss den Klimaszenarien zwischen 2045 und 2060 erwartet wird, erreicht die Anlage ihr volles Potenzial von 550 GWh.
Quelle: Grande Dixence SA / Uzufly
Visualisierung des Projekts Gornerli: Das Vorhaben umfasst unter anderem einen Staudamm mit einer Höhe von 100 Metern oberhalb von Zermatt.
Inbetriebnahme für 2035 vorgesehen
Die Inbetriebnahme ist für 2035 vorgesehen, vorbehaltlich eines endgültigen Beschlusses des Parlaments und von Vereinbarungen zu Landschafts-, Umwelt- und Ausgleichsmassnahmen. Derzeit läuft gemäss Mitteilung ein Dialogprozess mit Umweltverbänden, dem Zermatter Bergführerverein, der SAC Monte Rosa, Vertretern der Fischerei sowie der Gemeinde Zermatt und dem Kanton Wallis. Die Bauzeit wird auf sechs Jahre geschätzt.
Ein Speichervolumen von 120 Millionen Kubikmetern entspricht einer Winterspeicherkapazität von 550 GWh. Erste Machbarkeitsstudien aus dem Jahr 2021 gingen von einer maximalen Kapazität von 650 GWh bei einem Speichervolumen von 150 Millionen Kubikmetern aus. «Gornerli bleibt mit 550 GWh das mit Abstand grösste Winterspeicherprojekt unter den 16 Projekten des Runden Tisches zur Wasserkraft», betont die Grande Dixence SA.
Neben der Energieerzeugung spiele der Staudamm auch eine Schlüsselrolle für den künftigen Hochwasserschutz von Zermatt und des gesamten Mattertals. Zudem garantiere das Projekt den Gemeinden der Region eine langfristige Wasserversorgungssicherheit für Landwirtschaft, Tourismus und Trinkwasser. (pb/mgt/sda)