08:55 BAUPROJEKTE

Pläne für Milibach-Verlegung in Brienz BE vorgestellt

Teaserbild-Quelle: Tiefbauamt Kanton Bern

Die Schwellenkorporation Brienz hat am Mittwoch den Vorprojektentwurf für die geplante Milibach-Verlegung präsentiert. Ein neuer, vergrösserter Geschiebesammler mit 50'000 Kubikmetern Kapazität bildet ein zentrales Element der Pläne.

Murgang oberhalb Brienz

Quelle: Tiefbauamt Kanton Bern

In Brienz BE brachte der Milibach aufgrund eines Gewitters eine grosse Gerölllawine ins Tal, die den Geschiebesammler oberhalb des Dorfes füllte und für Verwüstungen in Teilen des Dorfes sorgte.

Das neue Bauwerk entsteht talabwärts versetzt oberhalb des Dorfes und ersetzt die bisherige Anlage. Mit einer Breite von rund 120 und einer Höhe von 20 Metern verdreifacht sich das Rückhaltevolumen, wie die Schwellenkorporation in einer Mitteilung schrieb.

Vorgesehen sind zudem weitere Anpassungen an der Infrastruktur. Die Kantonsstrasse soll für einen besseren Hochwasserschutz leicht angehoben werden. Im Bereich Gwandstrasse soll der Milibach künftig in einem vertieften Bett unter einer neuen Brücke hindurchgeführt werden.

Bei der Zentralbahn entstehen zwei neue Brücken für die Bahn und die Bahnhofszufahrt. Darunter verlaufen künftig die Erschliessungsstrassen. Das alte Bachbett im Sagigässli wird grösstenteils zurückgebaut und durch eine neue Fussgängerunterführung ergänzt.

Neuer Badeplatz geplant

Die Mündung des neuen Bachlaufes in den See soll landschaftlich neugestaltet und durch ökologische Massnahmen aufgewertet werden. Ein Teil des heutigen Badeplatzes «Kühtreiche» soll dem verbreiterten Bachlauf weichen. Ein neuer Badeplatz ist in Planung. 

Die Bevölkerung kann sich ab Mitte August im Rahmen der Mitwirkung zu den Projektplänen äussern. Das definitive Bauprojekt soll ab 2027 erarbeitet werden.

Das Grossprojekt ist die Antwort auf die verheerenden Unwetter vom August 2024. Damals verwüstete eine Gerölllawine das Gebiet am Milibach. Die gewählte Variante «Brienz West» soll den Siedlungsraum künftig besser vor solchen Extremereignissen schützen.

Vorgezogener Kredit wegen Liquiditätsengpass

Am Mittwoch hatte sich bereits die Bau- und Verkehrskommission (BaK) des Grossen Rates zum Hochwasserschutzprojekt am Milibach geäussert und einem unüblichen Vorgehen zugestimmt: Der Grosse Rat soll einen Verpflichtungskredit von maximal 12,75 Millionen Franken als Kantonsbeitrag für Projektierung und Landerwerb sprechen, noch bevor der definitive Wasserbauplan und der Kostenvoranschlag vorliegen. 

Die BaK erachtet dieses aussergewöhnliche Vorgehen als gerechtfertigt, weil die Schwellenkorporation Brienz aufgrund früherer Hochwasserereignisse mit einem Liquiditätsengpass konfrontiert ist. Mit dem vorgezogenen Kredit sollen Projektierungsarbeiten und Landerwerb ohne Verzögerung vorangetrieben werden. 

Ein ähnliches Vorgehen hatte der Kanton Bern bereits nach dem Lawinenwinter 1999 und dem Hochwasserereignis 2005 angewendet. Den definitiven Kantonsbeitrag soll der Regierungsrat zu einem späteren Zeitpunkt festlegen, sobald die detaillierten Projektgrundlagen vorliegen. (sda/mgt/pb)


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